Vater unser?
Die Schätzungen über die Zahl so genannter Kuckuckskinder gehen weit auseinander. Einige seriöse Quellen reden von jedem zehnten oder sogar jedem fünftem Kind, das nicht von dem Mann stammt, dem die Mutter dies weismacht. Dank moderner Technik ist es nun möglich, die Verwandschaftsverhältnisse zwischen Vätern, Müttern und ihren Kindern zu überprüfen: die so genannten Vaterschaftstests. Bundesjustizministerin Zypries aber möchte dies nun verbieten.
Für einen Mann und Vater gibt es wohl nichts traumatischeres, als zu erfahren, dass ein bisher als eigenes angesehenes Kind in Wahrheit doch von einem anderen Mann stammt. Zum seelischen Schaden, den dieser Beweis der Untreue der eigenen Frau anrichtet, kommt oftmals noch ein über Jahre hinweg geleisteter Unterhalt für dieses Kind hinzu – ein häufig enormes finanzielles Engagement, das der Betroffene eigentlich gar nicht hätte leisten müssen. Denn unterhaltspflichtig ist man(n) nur gegenüber leiblichen oder adoptierten Kindern.
Für den gehörnten Mann stellt sich die Situation also so dar: er wurde von der eigenen Frau betrogen (ein in der heutigen Zeit im Übrigen auch gesundheitlich recht zweifelhaftes Vergnügen), hat unter Umständen jahrelang für ein Kind gezahlt, das nicht seines ist und obendrein damit auch noch indirekt den Lebenswandel des eigentlich unterhaltspflichtigen leiblichen Vater des Kindes finanziert.
Die moderne Wissenschaft bietet nun die Möglichkeit, die Verwandschaftsverhältnisse zwischen Vätern, Müttern und ihren Kindern zu bestimmen. Während aus naheliegenden Gründen nur sehr selten an der Verwandschaft zwischen Mutter und Kind gezweifelt wird (etwa bei einer vermuteten Verwechslung im Krankenhaus o.ä.), vermuten doch viele Männer, ein fremdes Kind großzuziehen oder zumindest zu finanzieren—insbesondere dann, wenn die Beziehung zur Frau Schaden genommen hat und daher Zweifel an ihrer prinzipiellen Treue entstehen.
Bislang bewegten sich Väter, die in einer solchen Situation einen Vaterschaftstest gegen den Willen der Mutter durchführen wollten, in einer rechtlichen Grauzone. Zwar war eigentlich die Zustimmung der Mutter einzuholen, andererseits wurde ein Verstoß gegen dieses Gebot nicht wirklich streng verfolgt und geahndet.
Ergab der Test, dass das/die Kind(er) von ihm selber stammen, war der Zweifel aus der Welt geräumt, eventuell sogar die Beziehung gerettet—was beides auch zum Wohl der Kinder ist, da der Vater so wieder eine engere Beziehung zu seinen Kindern aufbauen konnte und den Kindern eine funktionierende Familie erhalten blieb.
Stellte sich allerdings heraus, dass die Kinder eben nicht vom Vater stammten, so herrschte zumindest Klarheit—die Mutter hatte ihn betrogen und muss sich künftig den Unterhalt für das/die Kind(er) von dem/den leiblichen Vater/Vätern holen.
Nun möchte die Bundesministerin für Justiz, Zypries, solche Vaterschaftstests komplett verhindern. Vätern, die solche Tests gegen den Willen der Mutter durchführen, sowie Labors, die solche Tests durchführen, werden mit zum Teil erheblichen Strafen bedroht. Dabei stellt sich die Frage: warum sollte man diese Tests verbieten? Wie bereits dargestellt dienen sie der Klarstellung der Situation, damit letztlich dem Wohl der Kinder, der Väter und der Mütter.
Sollten wirklich Frauen geschützt werden, die ihren Partner betrügen und dabei Nachwuchs empfangen? Und wie sieht es mit einer anderen wichtigen Frage aus, die ein wichtiges Rechtsgut berührt: wie kann ein zum Unterhalt für ein Kind verpflichteter Vater zukünftig feststellen—und zwar auch gegen den Willen der Mutter—, ob der Unterhaltsanspruch überhaupt begründet, das Kind also von ihm ist? Im Rechtsgefüge der Bundesrepublik ist es gemeinhin so, dass Zahlungsverpflichtungen einer überprüfbaren Grundlage bedürfen – und dass diese Grundlage eben auch überprüft werden kann.
Frau Zypries sollte die geplanten Schritte noch einmal überdenken. Schließlich darf nicht sein, dass Nicht-Väter unterhaltsverpflichtet sind, weil die jeweilige Mutter sich weigert, den wahren Kindsvater zu nennen.
Ähnliche Artikel in diesem Blog:
No tag for this post.







