Nicht akzeptabel

Joschka Fischers Amtsführung ist in letzter Zeit—gelinde gesagt—in die Kritik geraten. Das ist angesichts der Visa-Affäre, Diskussionen um Nachrufe auf verstorbene AA-Mitarbeiter und nun auch noch wegen auffäligen Spenden an die Grünen nicht ganz zu Unrecht. Kritiker im eigenen Amt stellt AA-Chef Fischer allerdings ohne Skrupel kalt.

Das passt eigentlich so gar nicht ins Bild der basisdemokratischen Grünen und ihres heimlichen Vorsitzenden Fischer: wegen seiner nach Ansicht Fischers illoyalen Haltung wird der deutsche Botschafter in der Schweiz, Elbe, von seinem Posten abberufen. Botschafter Elbe hatte sich in die Debatte um die Amtsführung seines Chefs eingeschaltet und Joschka Fischer scharf kritisiert. Die von ihm dabei vorgebrachten Punkte sind dabei nicht polemisch gehalten, sondern gehen offen und objektiv auf Fehler und Nachlässigkeiten des Außenministers ein.

Der Außenminister aber ist es offenbar nicht gewohnt, dass ihm jemand mit Kritik gegenüber tritt. Statt sich mit den Kritikpunkten auseinanderzusetzen, entfernt er lieber den Kritiker aus dessen Amt, versucht mithin, diesen zum Schweigen zu bringen. Das Verhalten des Botschafters sei “nicht akzeptabel”, verlautete aus dem Auswärtigen Amt.

Interessant daran ist nun, dass Botschafter Elbe nicht der einzige Kritiker in den einigen Reihen ist. Schon seit Wochen, wenn nicht gar schon seit Monaten brodelt es im Auswärtigen Amt. Insbesondere die Botschafter sind mit Fischers Politik und mit seinem manchmal selbstgefälligen und herablassenden Gestus alles andere als einverstanden—und viele von ihnen gehen nun mit ihrer zunächst intern geäußerten Kritik an die Öffentlichkeit.

In letzter Zeit haben sich zunächst bereits demissionierte Spitzenbeamte und Botschafter gegenüber den Medien geäußert – also genau diejenigen, denen Joschka Fischer nichts mehr anhaben kann. Nun aber dringen auch interne Details von Brandbriefen der Botschafter an Fischer ans Licht, in denen die Diplomaten mit der politischen Ausrichtung der deutschen Diplomatie unter Joschka Fischer hart ins Gericht gehen.

Es bleibt abzuwarten, ob Joschka Fischer sich und seine Politik, sein Verhalten doch noch ändert oder aber, ob er sich—wie man es aus der Vergangenheit her kennt - als kritik und beratungsresistent erweist.

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