Frau von der Leyne

Wenn ich mir das politische Geschehen der vergangenen 14 Tage so anschaue, bekomme ich wirklich den Eindruck, dass Ursula von der Leyne Leyen es sich zum Ziel gesetzt hat, quasi als Über-Mutter Deutschlands alle Familien (oder eben Nicht-Familien) nach ihrem Bilde zu formen.

Da passt es ganz gut ins Bild, dass sie zum Bündnis für Erziehung (gibt es auch eines dagegen?) die Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland eingeladen hat. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: ich halte die christlichen Grundwerte für sehr erstrebenswert und ehrlich gesagt auch für die Grundlage jeglichen gesellschaftlichen Handelns. Aber: Diese Verkürzung des Themas auf die Kirchen ist in meinen Augen fatal:

  1. Denn erstens repräsentieren die Kirchen in Deutschland immer weniger Menschen (ob einem das nun gefällt oder nicht). Gerade in den gesellschaftlichen Schichten, wo es nach Ansicht von Frau von der Leyen wohl den größten Nachholbedarf an christlicher Nächstenliebe und einem von der Kirchen geprägten Familienbild gibt, ist kaum noch jemand in einer der christlichen Kirchen organisiert. In Ostdeutschland hat der real existierende Sozialismus dafür gesorgt, dass weite Teile vor allem der jüngeren Bevölkerung – die ja jezt in der Reproduktionsphase sein sollte – weder getauft noch Kirchenmitglied ist.
  1. In den sozial schwachen Schichten in ganz Deutschland sind Menschen mit einem “Migrationshintergrund” (ein super Wort) deutlich überrepräsentiert – und diese Leute sind dann meistens nicht christlich geprägt.

    Überhaupt kommt ihre derzeitige Linie, z.B. das Elterngeld, bei den meisten Menschen (meiner Beobachtung nach jedenfalls) eher schlecht an: Prinzipiell ist es eine gute Idee, Familien finanziell zu fördern, und zwar nicht nur die sozial Schwachen, sondern auch die Besserverdienenden. Es geht ja auch darum, den produktiven Kern der Gesellschaft in einen reproduktiven Kern zu überführen. Denn gerade die Leistungsträger in Deutschland bekommen immer weniger Kinder – neben dem Beruf bleibt dafür oft keine Zeit (für die Betreuung, nicht für das Kindermachen!), und finanziell ist es gerade für diese Klientel ein herber Einschnitt, wenn eines von zwei Einkommen im sechsstelligen Bereich wegfällt. Zurückschrauben will halt keiner.

    Deshalb ist das Elterngeld eine gute Idee, wenn auch die Deckelung auf magere 1.800 Euro pro Monat den Kreis der dadurch zur Vermehrung Animierten wieder ein bisschen einschränkt (wobei es hier auf die Masse ankommt, und die wird mit 1,8 kEuro wohl ganz gut bedient sein).

    Das Elterngeld in der derzeitigen Ausgestaltung lehnen dennoch die meisten Menschen in meinem Umfeld ab: Es möchte sich eben keiner vorschreiben lassen, wer bei den Kindern zuhause bleibt und wer für das Einkommen sorgt.

    Insgesamt beschäftigt die von der Familienministerin angestoßene Wertedebatte nicht nur die traditionellen Medien, auch im Blogwald raschelt es gehörig. Entsprechende Artikel im Spreeblick oder bei zeineku seien hier nur als Beispiele genannt. Das muss nicht weiter überraschen, denn die meisten Blogger sind jung und von den entsprechenden Auswirkungen dieser Politik betroffen.

    In vielen Blogs kann man eine Tendenz feststellen: Rückkehr zu bzw. eine Diskussion über die alten Werte (Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft, soziales Engagement, ...): ja, Bevormundung durch eine sich selbst verwirklichende siebenfache Mutter mit Arbeitsplatz in Berlin: NEIN.

    Der Spiegel beschreibt es in seiner aktuellen Ausgabe ganz richtig: Ursula von der Leyen behauptet keck “Ich bin Deutschland!” und möchte nun, dass es ihr jeder nachtut. Schließlich hat jeder ein Recht auf ihre Meinung.

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