Unappetitliches aus Italien

Wie einer meiner Kollegen ganz richtig sagte: Italien hatte die große Chance, den Betrugsskandal im italienischen Profifußball, zu dem so gut wie jeder Club der ersten Liga gehörte, vergessen zu machen, aber sie haben diese Chance nicht genutzt. Stattdessen versucht man nun wieder, ein Fußballspiel außerhalb des Platzes zu entscheiden. Und das ist aus mehreren Gründen unappetitlich.

  • Italien beschuldigt Torsten Frings, während des von argentinischer Seite per Fußtritt in die Hundert von Per Mertesacker angezettelten Gerangels nach dem deuutschen Sieg im Viertelfinal am 01. Juli 2006 einen Faustschlag gegen den Argentinier Julia Cruz ausgeteilt zu haben. Selbst wenn das stimmen sollte (und die Bilder lassen eine solche Deutung zu): Was hat Italien damit zu tun? Wenn sich die Argentinier beschweren: Naja, sie haben selbst angefangen, aber zurückschlagen macht einen Spieler eben mitverantwortlich. Aber Italien? Passiert so etwas (Forderung nach Verwarnung eines gegnerischen Spielers) auf dem Platz, wird das mindestens mit Gelb geahndet. Wertung: unappetitlich.
  • An Stelle der Italiener würde ich nicht so laut schreien und Fernsehbeweise anfordern: Die italienische Mannschaft hat im letzten Testspiel(!) vor der WM gegen die Schweiz – als es also um nichts ging – mit einem äußerst rüden Foul und einer groben Unsportlichkeit auch nicht gerade Punkte für das fairste Team gesammelt. Gut, der Spieler mit dem rüden Foul ist inzwischen auch bei der WM gesperrt, der andere (der mit seinen Stollenschuhen über einen auf dem Boden liegenden Schweizer lief) ist allerdings noch dabei. Wertung: unappetitlich.

    Mir stellt sich die Frage, warum die Italiener nicht den Mumm haben, gegen eine vollzählige deutsche Mannschaft anzutreten. Ist das vielleicht das typische südländische Macho-Gehabe, bei dem immer gerne ausgeteilt wird, Einstecken aber eher schwierig ist? Gewinner feiern, Verlierer weinen wie die Babys?

    Man tut der italienischen Mannschaft eventuell Unrecht, da die oben genannten Forderungen in der Zeitung La Reppublica aufkamen; distanziert hat sich davon aber weder die italienische Nationalmannschaft noch der italienische Fußballverband. Und auch das ist unappetitlich.

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