Was erlauben Zidane?

Ja, was hat er sich denn da erlaubt, unser guter alter Zizou? Statt sich unsterblich zu machen und für immer in die Rumeshalle des Weltfußballs einzuziehen, hat sich Zinedine Zidane durch seinen Kopfstoß gegen Materazzi wohl seiner Lorbeeren beraubt. Und es scheint, dass dies eine eher typische Aktion für diesen großen Spieler war.

Bereits als Jugendlicher fiel Zidane immer wieder dadurch auf, dass er auf dem Spielfeld den Vorteil nicht nur mit fairen Mitteln suchte. In einigen Berichten (z.B. bei SPON) wird erwähnt, er sei damals in jedem dritten Spiel wegen Tätlichkeiten vom Platz geflogen. Eine sich selbst auferlegte “Therapie” bestand dann im Schrubben der Toiletten im Vereinsheim – und wer die hygienischen Verhältnisse (halb-) öffentlicher Toiletten in Süd-Frankreich kennt, der weiß, dass das keineswegs ein Zuckerschlecken war … :-D

Aber auch als Profi-Fußballer ist Zizou mehr als einmal vom Platz geflogen, weil er sich nicht beherrschen konnte und den Gegner nicht nur mit seinen überragenden Ballkünsten, sondern auch mit überaus fiesen und verabscheuungswürdigen Fouls und Tätlichkeiten zu besiegen suchte. Unvergessen bleiben z.B. Zidanes Auftreten im Champions League-Spiel von Juventus Turin gegen den Hamburger SV (rote Karte wegen Kopfstoß(!) gegen Kientz) oder bei der WM 2002 in Südkorea und Japan (rote Karte wegen Tritts in den Rücken eines am Boden liegenden Spielers).

Im nun vorliegenden Fall scheint es so zu sein, dass Materazzi üble Beleidigungen gegen Zidane losgelassen hat – aber selbst dann bleibt die Tätlichkeit an sich und die Brutalität dieser Tätlichkeit im Besonderen völlig unverständlich.

Wäre es denn nicht eine viel größere Genugtuung gewesen, zehn Minuten nach Materazzis Beleidigung den FIFA-Pokal in Händen zu halten und als Weltmeister auf eine gescheiterte italienische Mannschaft zu blicken? Hätte ein Sieg bei der WM nicht für alles entschädigt, selbst für die schlimmsten möglichen Beleidigungen?

Es ist mir unverständlich, wie ein Spieler internationalen Formats wegen einer Beleidigung derart ausrasten kann – Beleidigungen gehören (leider!) auch in niederen Klassen zum Alltag, zur bewussten Provokation des Gegners. In diesen Augenblicken muss man dann die Souveränität beweisen, die Beleidigungen des Gegners ins Leere laufen zu lassen und gar nicht darauf einzugehen – das macht ihn nämlich umso wütender und wilder, und wer erst einmal wütend ist, der macht Fehler – Fehler, die man ausnutzen kann, um zu gewinnen.

Sicherlich waren die von Materazzis geäußerten Beleidigungen nicht von schlechten Eltern; man hört, er habe Zidane den Sohn einer Terroristen-Hure genannt, was auch immer das sein soll. Zu bedenken ist auch, dass Zidanes Mutter offenbar kurz vor dem Endspiel ins Krankenhaus eingeliefert wurde und er sicherlich unter noch größerem emotionalen Stress stand, als das in einem WM-Endspiel ohnehin schon der Fall wäre. Es gibt aber auch andere Beispiele: Michael Schuhmacher, dessen Mutter verstarb, viele andere Sportler, deren Angehörige krank waren oder im Sterben lagen, und auch außerhalb des Sports viele, die trotz des Unbills des Lebens ihre Leistung bringen.

Dass Zidane so reagiert hat, ist menschlich verständlich.

Wer versucht, Zidanes Verhalten mit Materazzis Beleidigung zu rechtfertigen, liegt aber völlig falsch.

Und wer in Zizous Alter und mit einer solch enormer Erfahrung auf dem internationalen Parkett noch immer auf Beleidigungen einsteigt – der hat es eben auch nicht verdient, Weltmeister zu werden.

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