Schützt den Täter!

Immer mehr Quellen berichten darüber, dass es nicht nur ein Disziplinarverfahren gegen Zinedine Zidane wegen dessen Kopfstoß gegen den italienischen Spieler Materazzi im Endspiel der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 geben wird, sondern auch ein Verfahren gegen Materazzi selbst wegen der vermuteten (und wahrscheinlich auch tatsächlich vorgefallenen) Beleidigung.

In letzter Konsequenz könnte dies sogar dazu führen, dass die FIFA der italienischen Mannschaft bei der WM errungenen Titel wieder aberkennt. Immerhin hat sich die FIFA im März 2006 neue Disziplinar-Richtlinien gegeben. In denen heißt es u.a.:

Verhalten sich Spieler, Offizielle von Verbänden oder Clubs sowie Zuschauer in irgendeiner Form diskriminierend oder menschenverachtend gemäss Abs. 1 und/oder 2 dieses Artikels, so werden der betreffenden Mannschaft, sofern zuordbar, bei einem ersten Vergehen automatisch drei Punkte abgezogen.

und

In Spielen ohne Punktevergabe wird die entsprechende Mannschaft, sofern zuordenbar, disqualifiziert.

Das passt in die aktuelle Tendenz, den Ausraster von Zizou zu rechtfertigen, wie das unter anderem Thomas Hüetlin im SPON tut. Diese so typisch deutsche Unart, das Verhalten eines Täters durch die Provokation des Opfers zu erklären, ist unerträglich. Zidane ist ausgerastet, hat Rot gesehen, musste von Platz. Als Profi mit unglaublicher Erfahrung darf er sich ein solches Verhalten einfach nicht erlauben, da hilft auch nicht der Hinweis auf vorangegangene Provokationen oder seine eher südländische Mentalität.

In zivilisierter Gesellschaft werden Konflikte mit Worten und nicht mit Fäusten (oder Kopfstößen) ausgetragen. Daran muss man sich auch in Extremsituationen halten. Allein zum Schutz der eigenen körperlichen Unversehrtheit oder der Unversehrtheit eines Dritten darf körperliche Gewalt eingesetzt werden.

Mitleid mit dem Täter ist völlig fehl am Platz.

Dass Materazzi auch bestraft werden sollte – so er dann tatsächlich und beweisbar eine üble Beleidigung geäußert hat – steht auf einem anderen Blatt. Schließlich stellt auch die Strategie, den Gegner mit Beleidigungen weichzukochen, eine Armutszeugnis für den italienischen Fußball dar.

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