Voll Grass …

... war für mich das Eingeständnis unseres Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass, er sei gegen Kriegsende Mitglied der Waffen-SS gewesen.

Dabei hat mein Entsetzen über diese Enthüllung durchaus mehrere Aspekte:

  • Viele Zeitzeugen – gerade auch deutsche Schriftsteller, also Kollegen von Grass – sagen aus, dass man sich dem Dienst in der Sturmstaffel durchaus hat entziehen können, indem man sich etwa zur “normalen” Wehrmacht gemeldet hat. Der Wahrheitsgehalt der Aussage von Grass, er sei gegen seinen Willen in die Waffen-SS eingezogen worden, obwohl er sich eigentlich zur U-Boot-Waffe gemeldet habe, darf also bezweifelt werden.
  • Wie kann jemand, der Mitglied bei den schlimmsten organisierten Mördern aller Zeiten war, sich zum moralisch-ethischen Gewissen einer ganzen Nation stilisieren und diese jahrzehntelang – und häufig ungefragt – mit seinen Ansichten zu angeblichen menschlichen Abgründen beglücken? Unvergessen bleibt etwa seine Kritik an Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, weil dieser während seiner Amtszeit zusammen mit dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan einen Soldatenfriedhof besuchte, auf dem neben tausenden amerikanischer und deutscher Soldaten auch einige Dutzend Gefallene der Waffen-SS lagen – also Waffenbrüder von Grass.
  • Warum bloß hat Günter Grass so lange über dieses dunkle Kapitel seines Lebens geschwiegen? Wie auch immer er in die Waffen-SS geraten sein mag – ob durch eigenen Entschluss (eher wahrscheinlich) oder durch “Zufall” (s.o., eher nicht wahrscheinlich) – er hätte wesentlich früher reinen Tisch machen können und müssen. Die (Un-) Taten eines 17-jährigen lassen sich aus meiner Sicht leicht verzeihen, fehlt einem so jungen Menschen doch für gewöhnlich noch die sittliche Reife und das moralische Rüstzeug, um die Legitimität und die Tragweite seines Handelns richtig einschätzen zu können. Warum also hat Günter Grass nicht schon vor Jahren offengelegt, worin er in jungen Jahren verstrickt war?

    Nach Meinung vieler ist die moralische Instanz “Günter Grass” nun unwiederbringlich beschädigt. Es mehren sich die Stimmen, die ihm zur Rückgabe all jener Ehrungen auffordern, die er bei früherem Bekanntwerden seiner SS-Mitgliedschaft wohl nicht bekommen hätte, darunter die Ehrenbürgerschaft der Stadt Danzig(!) und der Nobelpreis für Literatur.

    Hier wird sich jetzt erweisen, ob Günter Grass die Konsequenzen aus seiner jahrzehntelangen Täuschung der Öffentlichkeit ziehen wird. Das eigentlich Vergehen ist nämlich nicht seine SS-Vergangenheit, sondern das Verschweigen derselben bei gleichzeitiger Selbstinszenierung als moralisches Gewissen der Deutschen.

    Nachtrag: Auch die SPD muss sich fragen, ob sie sich weiterhin von Günter Grass unterstützen lassen möchte. Günter Grass hat bisher den Wahlkampf jedes SPD-Kanzlerkandidaten unterstützt, besonders in Erinnerung geblieben sind mir dabei die Unterstützung für Willy Brandt (dem bei dem jetzt Bekanntgewordenen vermutlich der Magen umdrehen würde) und Gerhard Schröder, der sich immer gerne mit Künstlern schmückte, um seine wenig glamouröse Herkunft aufzuhübschen – übrigens ein schönes Beispiel für einen kleinen Minderwertigkeitskomplex.

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2 Reaktionen zu “Voll Grass …”

  1. node-0

    Kauf mich!

    Günter GraSS kann es nicht laSSen: Nach seiner Beichte, er sei Mitglied der Waffen-SS gewesen, legt er jetzt noch einmal drauf.

    Auf die Frage im ZDF Heute Journal gestern abend, warum er denn in die Waffen-SS eingetreten sei und ob seine Beichte je…

  2. node-0 » Blog Archiv » GraSS reloaded

    [...] Die viel zu späte, medienwirksame inszenierte und damit verkaufsfördernde Offenbarung seiner SS-Vergangenheit in seinem letztjährig erschienenen Buch »Beim Häuten der Zwiebel« blieb unaufrichtig und halbherzig. Statt nun endlich – nach sechs Jahrzehnten! – zu den Fehlern seiner Jugend zu stehen und damit auch die eigene Fehlbarkeit, die eigene Verführbarkeit zuzugeben, schilderte Grass seine bewusste Entscheidung, zur SS zu gehen (denn man konnte sich sehr wohl vorm SS-Dienst drücken, wie Altersgenossen wissen), als ein schon fast tölpelhast anmutendes Hineinschlittern ohne eigenes Zutun. [...]

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