Syrische Logeleien
Gestern wollte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eigentlich nach Damaskus reisen, um den syrischen Präsidenten Assad zu treffen. Gegenstand der Gespräche sollte der Friedensprozess im Nahen Osten sein. Doch nach einer hetzerischen Rede Assads überlegte es sich Steinmeier anders und reiste von Jordanien aus gleich nach Saudi-Arabien weiter.
Dafür muss ich Frank-Walter Steinmeier zunächst einmal zutiefst empfundene Anerkennung und Zustimmung aussprechen, auch wenn sich das pathetisch anhört. Mit Leuten, die wie Assad reden, kann man nicht vernünftig kommunizieren oder gar zusammenarbeiten.
Assad äußerte eine Reihe von Punkten, die dem geneigten Zuhörer in Ländern ohne undemokratisches, islamistisches Regime die Schuhe ausziehen:
- Die Hisbollah habe den Konflikt mit Israel gewonnen.
- Israel habe eine herbe Niederlage eingesteckt.
- Der Konflikt sei von Israel ausgelöst worden.
- Man werde weiter am Frieden in der Region arbeiten, allerdings nicht mit Israel oder den USA, denn das seien die Feinde.
Darüber hinaus gab es noch weitere, unglaubliche Passagen, die man in jüngerer Vergangenheit eher im Iran unter Präsident AchmachmirdenJihad (oder so) vermutet hätte.
Nehmen wir uns die Punkte einen nach dem anderen vor:
- “Präsident” Assad: Nach meinem Verständnis wird ein Präsident vom Volk in freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt – über das vierte übliche Adjektiv einer demokratischen Wahl, nämlich die direkte Wahl, wollen wir in Deutschland mal nicht zu laut sprechen, unser Präsident wird ja auch nur mittelbar gewählt. Assad ist also ein Führer, König, Cheffe, Diktator oder was auch immer, aber kein Präsident.
- Hisbollah gewinnt, Israel verliert: Naja, so ganz abstreiten kann man das nicht: Israel hat seine Kriegsziele nicht erreicht. Die entführten Soldaten sind noch immer in der Gewalt der Terroristen, die Hisbollah ist nicht entwaffnet und wird sich voraussichtlich auch weigern, die Bedingungen der UN-Resolution 1701 zu erfüllen. Allerdings: Wenn man mir das Haus über dem Schädel wegschießt, meine Waffenlager sprengt und mein Territorium besetzt, dann würde ich nicht unbedingt von Sieg sprechen. Aber ich bin ja auch kein islamistischer Terrorist.
- Israel hat den Konflikt ausgelöst: Ja, womit denn? Indem israelische Soldaten auf israelischem Gebiet patroulliert haben und sich dabei haben entführen lassen? Weil bei diesem Überfall der Hisbollah auf Israelis auf israelischem Territorium noch acht weitere israelische Soldaten ihr Leben lassen mussten? Weil Israel sich nicht einfach auslöschen lässt, obwohl das Hisbollah, Hamas, Syrien und Iran wohl am liebsten wäre?
- Frieden ohne Israel: Das ist eigentlich der interessanteste Punkt und zeigt deutlich, wie verquer und unlogisch die Gedankengänge in den Köpfen der Gotteskrieger sind: Assad sagt, er werde den Friedensprozess in der Region weiter vorantreiben, allerdings ohne die USA und Israel, denn das seien nun mal die Feinde. Mit wem will er denn Frieden schließen, wenn nicht mit seinen Feinden? Mit meinem Freunden muss ich keinen Friedensprozess voranbringen, denn da herrscht ja bereits Friede.
Naja, wer nach eigener Aussage stolz ist, die Hisbollah zu unterstützen, der kann auch nicht mehr ganz richtig im Kopf sein – solche Aussagen verwundern dann zwar den westlichen Zuhörer, sind aber eigentlich zu erwarten gewesen.
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Tags: Assad, Gaza, Hamas, Hisbollah, Israel, Libanon, Palästina, Palästinenser, Syrien, Terror







