AllofMP3 vs. USA vs. WTO

Und wieder einmal hört man das Gerücht, der alleinige Grund dafür, dass Russland nicht schon längst Mitglied der WTO, sei in dem Unternehmen AllofMP3.com zu sehen. Dieses bietet ein äußerst umfangreiches Sortiment an Songs und Alben in Formaten wie MP3, MP4, WMA und OGG an. Dabei zahlt man für einen Song nur ca. 10 Euro-Cent, Alben sind häufig für einen Euro zu haben.

Der Grund hierfür liegt darin, dass AllofMP3.com seine Tantiemen nicht an westliche Monopolisten und Ausbeuter Musikkonzerne zahlt, sondern an die russische Ausgabe der GEMA – bei der die entsprechenden Abgaben um ein Vielfaches geringer sind als z.B. in den USA oder in Europa.

Die Halsabschneider Musikindustrie wird es derweil nicht überdrüssig, mit immer neuen Mitteln gegen AllofMP3.com vorzugehen: So ist es z.B. in Deutschland verboten, einen direkten Link auf die Web-Präsenz der Firma anzubringen, und die Lobbyisten scheinen auch bei der Vertretung der USA bei der WTO druchschlagenden Erfolg gehabt zu haben. Immerhin wird die US-Handelsbeauftragte Susan C. Schwab nicht müde, gegen AllofMP3.com zu wettern und anzumerken, AllofMP3.com sei ein wichtiges Hindernis für Russland auf dem Weg in die WTO.

Was dabei allerdings offensichtlich die Lakaien Vertreter der Musikindustrie geflissentlich immer wieder übersehen: In Zeiten der Globalisierung sind monopolistische Strukturen und Marktabschottung ein eigentlich nicht mehr so gerne gesehenes Mittel der Marktbeherrschung. Die Tatsache, dass AllofMP3.com den Standortvorteil in Russland nutzen kann und deshalb wesentlich preiswerter ist als die westliche Konkurrenz, bedeutet noch lange nicht, dass dieses Angebot auch illegal ist – es ist nur eben billiger.

Der Musikindustrie ist das natürlich alles andere als recht: Sie teilt auch im Zeitalter des Grenzen überschreitenden WWW bzw. Internet ihre Vertriebsgebiete an Ländergrenzen ab, Lizenzen zum Online-Verkauf von Musik werden nur für ein solches Gebiet erteilt. Wer in einem zweiten Gebiet oder gar weltweit Musik online verkaufen möchte, muss weitere Lizenzen nachkaufen – zu deftigen Bedingungen.

Diesem Gebahren steht allerdings nationales, internationales und Europarecht entgegen. Mit Ausnahme weniger Ausnahmen (z.B. in der Rüstungs- und Kerntechnik) gilt der Grundsatz: Wenn Du mir etwas verkaufst, dann darf ich das grundsätzlich auch weiterverkaufen. Wenn ich eine Lizenz für die Nutzung geistigen Eigentums bzw. die Lizenz zu dessen Verwertung erhalte, dann habe ich die auch – unabhängig davon, wo ich mich befinde.

AllofMP3.com nun hat eine Lizenz zum Online-Verkauf von Musik durch russische Lizenzgeber erhalten, und wie überall sonst auf der Welt gilt diese Lizenz für den gesamten Katalog an Songs und Alben. Natürlich zahlt AllofMP3.com vermutlich weniger Tantiemen als im Westen üblich; wenn dies das Problem ist, dann wäre der richtige Anprechpartner für die Musikindustrie aber nicht AllofMP3.com selbst, sondern die Lizenzgeber in Russland bzw. die russische Verwertungsgesellschaft der Musikindustrie.

Die Konsumenten selbst entscheiden schließlich über den Preis, wo sie ihre Musik kaufen. Und da Russland in Zeiten des WWW genauso weit entfernt ist wie Apple’s iTunes-Shop in Kalifonien, müssen die westlichen, teuren Online-Musikshops eben auch mit der Billig-Konkurrenz aus Russland in Wettbewerb treten – oder abdanken und den Laden dicht machen.

Wettbewerb auch auf dem Online-Musikmarkt jedenfalls ist für die Kunden mehr als wichtig – schließlich gibt es keinen Grund, weswegen der Preis für einen Song trotz mehrerer Wettbewerber im Markt bei 99 US-Cent festgezurrt bleibt, nur weil die Monopolisten der Musikindustrie das so für richtig halten. Wettbewerb hat noch keinem Markt geschadet.

Was andere Blogs hierzu schreiben:

  • mediengerecht sieht die Probleme eher auf russicher Seite.
  • Nerd Alarm ist mutig und gibt explizit zu, bereits bei AllofMP3.com gekauft zu haben; allerdings scheint eine exklusiv für die Geschäftsbeziehung zu AllofMP3.com genutzte eMail-Adresse auf offensichtliche unerklärliche Weise den Weg auf die Liste von Spammern gefunden zu haben.
  • Thorsten Crull beleuchtet die Auswirkungen, die Verschärfungen des russischen Urheberrechts auf AllofMP3.com haben – nämlich gar keine, selbst nach Meinung amerikanischer Top-Juristen. Außerdem könnte AllofMP3.com im schlimmsten Fall einfach in andere Länder mit ähnlich laxer gerechter Gesetzteslage ausweichen.

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3 Reaktionen zu “AllofMP3 vs. USA vs. WTO”

  1. Andy

    Grundsätzlich stimme ich dem Posting voll und ganz zu.

    Bis auf das hier ..
    > Wettbewerb hat noch keinem Markt geschadet.

    Deutsche Braunkohle hat nicht gerade vom globalen Markt profitiert, ebensowenig die Textilindustrie. Tatsächlich wird diese Tage eine Menge Wohlstand umverteilt und vor allem von Deutschland weg, wegen der Globalisierung und dem globalen Wettbewerb.

    Musiker und Künstler müssten demnach auch hierzulande nach russischen Verhältnissen bezahlt werden. Das würde zwar die Kunst an sich fördern und den Kommerz drumherum plätten, den Künstlern allerdings die Lebensgrundlage entziehen.

    Zurück zum Wettbewerb: Natürlich darf man nicht verschweigen, daß es in diesem Wettbewerb nicht ganz fair zugeht, wenn man sich z.B. nur mal die Menschenrechte, Arbeitsbedingungen und staatlichen Subventionen in China ansieht.

    Ein global fairer Wettbewerb erscheint angesichts des menschlichen Defekts der Gier aber als Utopie.

    Insofern darf man nicht vergessen, daß man an jemandes Ast sägt, wenn man auch für sich selbst als Konsument die Globalisierung einfordert – ebenso wie Unternehmen, die im Rahmen der Globalisierung Kosten senken und Arbeitsplätze weg verlagern. Am Schluß ist es immer der eigene Ast, an dem man sagt. Siehe dazu auch die diversen Artikel von Herrn Steingart im Spiegel.

    Wobei dieser Mann leider ignoriert, daß der Konsument sich nicht selbst kaputt spart .. selbst wenn jedermann einen “Sozialaufschlag” auf Produkte, Waren und MP3s zahlen würde, das kapitallistische, wirtschaftliche Grundprinzip der Gewinnmaximierung würde trotzdem zu den Entwicklungen führen, welche die Weltwirtschaft und damit auch Weltgemeinschaft diese Tage in den Abgrund führt …

    So, genug schwarzgemalt für heute. Schönes Wochenende ;-)

  2. Martin Eisenhardt

    In Deiner Argumentation gibt es eine kleine Nachlässigkeit.

    Du gehst davon aus, dass “Deutsche Braunkohle” ein Markt ist – und das stimmt nicht. Die deutsche Braunkohleindustrie ist ein Marktteilnehmer und nicht der Markt selbst.

    Der Wettbewerb am Markt ist natürlich nicht für alle Marktteilnehmer von Vorteil – sonst würde es wohl weltweit keinen einzigen Menschen geben, der sich dem Wettbewerb auf einem Markt entziehen wollte.

    Nein, Wettbewerb am Markt ist für den Markt als Ganzes von Vorteil, er führt dazu, dass Effizienzreserven ausgeschöpft und überhöhte Preise gesenkt werden.

    Dabei kann es dann durchaus auch einmal passieren, dass es einen Marktteilnehmer vom Markt haut. Der hat dann entweder die Zeichen der Zeit nicht erkannt (siehe Musikindustrie) oder konnte sein Handeln an das Marktgeschehen nicht anpassen (siehe Deutsche Braunkohleindustrie).

    Dennoch führt so etwas insgesamt zur Optimierung – auch und gerade für die Konsumenten. Oder glaubst Du allen Ernstes, den Deutschen/Europäern würde es besser gehen, wenn tatsächlich die meiste Kleidung auch heute noch in der sogenannten Ersten Welt produziert würde?

    Natürlich verlieren durch das Abwandern einzelner Industrien ins billigere Ausland einige Menschen ihren Arbeitsplatz, das senkt dann auch das Bruttosozialprodukt, da sie weniger ausgeben können. Allerdings sparen alle anderen soviel durch die nun billiger produzierten Schuhe/Hosen/..., dass sich für die Gesellschaft als Ganzes ein wahrnehmbarer Vorteil ergibt.

    Was in unserer Gesellschaft leider schief läuft ist nicht die Tatsache, dass bei uns einzelne Industrien abwandern und es daher zusätzliche Arbeitslose gibt. Problematisch ist, dass es oftmals nicht gelingt, die freigesetzten Mitarbeiter weiterzuqualifizieren und neue, zukunftsträchtige Industrien/Dienstleistungsbranchen anzusiedeln.

    Ob auch jeder Ex-Fließbandarbeiter die Anlagen und die Lust hat, sich für einen höherwertigen Arbeitsplatz zu qualifizieren, bleibt dann natürlich auch noch dahingestellt.

  3. legioner

    @ Andy: ja die Globalisierung und Wettbewerb hat dem deutschen Markt geschadet, deswegen sind wir auch die Top Exporteure .

    Gloabilisierung ist doch eigentlich was tolles, es häng halt davon ab wie man dies benutz und zZ sieht es so aus dass die reichen Industrieländer es so lange gedreht haben bis es ihnen gepasst hat, was ich nicht von anderen Ländern sagen kann.

    Und ja Wettbewerb hat vll. Nachteile (was hat denn keine ???) aber es ist immernoch besser als Monopolie !!! Vergisst das niecht. Mit mehr Wetbbewerb sinkt der Preis, dadurch steigt die Kauflust also auch die Nachfrage (in den meisten Fällen). Dadurch werden auch die ganzen Nischen und Möglichkeiten der Branche genutzt, es führt auch zum technologischem Fortschritt. Es gibt auch halt Nachteile aber im Vergleich zu Monopolie ist es soweiso besser.

    Es gibt keinen goldenen Weg. Bloss die reichen Konzerne meinen sie können das Gesetz nach ihren Wünschen formen, das ist auch billiger als sich dem Wettbewerb anzupassen und gilt dann auch für immer (oder zumindest bis die Gesetzeslage sich ändert was allerdings eher selten geschieht). Ja wen ich n Verkaufsstand hab, es läuft gut aber eines Tages stellt sich n anderer neben mir und verkauft das gleiche bloss billiger kann ich auch entweder klagen (wie es die Musikindustrie und reichen Konzerne machen) und das Gesetz mir zunutze mit Hilfe meines Geldes machen kann,. damit ich noch mehr verdienen kann oder sich dem Wettbewerb anpassen und selber die Preise senken. Na was würdet ihr nehmen ? Ja Schei** auf Ethik ich will mehr Kohle. Meine “paar” Milliarden sind mir zu wenig ich will Trillioner sein ….. [ironie aus] ... idioten .

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