Grass und das Urheberrecht
Eigentlich hatte ich diesen Artikel Grasses Urheberrecht nennen wollen, aber dieser Titel ist mir schon von mediengerecht weggeschnappt. Was ist also passiert? Gehen wir einigermaßen chronologisch vor:
- Günter Grass wird geboren und tritt knappe 17 Jahre später als verblendeter Jung-Nazi in die Waffen-SS ein; ob unfreiwillig, wie er inzwischen behauptet, oder doch mit Kalkül, wie die Aussagen des jüngt verstorbenen Joachim Fests nahelegen, wage ich mir nach 60 Jahren nicht zu beurteilen.
- Der GröFaZ verliert gegen die Alliierten.
- Die nächsten Jahrzehnte verbringt Günter Grass damit, seine eigenen – nicht unerheblichen – Verstrickungen teilweise geschickt zu nutzen (das frühe Teil-Eingeständnis, er sei als Jugendlicher begeisterter Nazi gewesen) bzw. zu verschweigen (nämlich seine Waffen-SS-Karriere) und nebenbei noch als ziemlich nerviges Gewissen der Nation auf anderen hell- bis dunkelbraunen Überbleibseln aus der NS-Zeit herumzuhacken.
- 1989 wird noch schnell die Möglichkeit einer Vereinigung beider deutscher Staaten in ein vereintes Deutschland mit dem Hinweis auf Auschwitz als historische Unmöglichkeit abgelehnt.
- 2006 dann offenbart Günter Grass, rechtzeitig zum Erscheinen seiner Autobiographie “Beim Schälen der Zwiebel” und nach Erhalt des Literaturnobelpreises, dass er da doch noch was zu offenbare habe: Er sei in der Waffen-SS gewesen.
- Ebenfalls 2006 veröffentlicht die FAZ einen Briefwechsel zwischen Grass und dem ehemaligen Bundesminister Karl Schiller, der ebenfalls eine Nazi-Vergangenheit hatte. Grass fordert Schiller in diesen Briefen aus den Jahren 1969 und 1970 auf, seine Vergangenheit publik zu machen. Unterschwellig klingt – zumindest für mich – “sonst mache ich das” mit.
- Pünktlich zur Buchmesse bringt sich Grass dann wieder ins Gespräch: Die Briefe unterlägen dem Urheberrecht, die FAZ habe sie also nicht veröffentlichen dürfen.
All das bestärkt mich in meinem Eindruck, Günter Grass sei es ungemein an Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit gelegen – so kann man zwischendurch schnell mal wieder seinen Marktwert steigern. Denn der hat gelitten, schon vor der Waffen-SS-Beichte. Früher war die Rolle Günter Grass’ immer klar gewesen: Entweder war er auf Seiten der Mächtigen und so manchen SPD-Kanzler unterstützt (z.B. Willy Brandt) bzw. diesem einen Hauch von Bildungsbürgertum gegeben (z.B. Gerhard Schröder), oder er war das ewig vor der Gefahr aus dem konservativem Lager warnende Mahner.
Diese Rolle kann er jetzt nicht mehr spielen, viel von seiner Glaubwürdigkeit ist weg.
Und das mit dem Urheberrecht scheint auch nicht ganz zu stimmen: Zum einen wurden die Briefe bereits im Rahmen einer Dissertation verwendet und zumindest teilweise veröffentlicht, zum anderen ist das mit dem Urheberrecht an den eigenen Briefen so eine Sache – die rechtliche Lage ist ungeklärt. Grass hätte klar sein müssen, dass alles, was er mal aus der Hand gibt, auch aus seiner Einflusssphäre gelangt. Der Empfänger eines Briefes ist der Eigentümer eines Briefes, kann also mit diesem machen, was er will.
Insgesamt also kein guter Stand für Günter Grass.
Waldorf fasst das Ganze in einen prägnanten Satz zusammen:
Ach Günter, Du könntest einem ja fast Leid tun – aber es kann halt ganz schön anstrengend und peinlich werden, wenn man den eigenen Moralvorstellungen noch nicht einmal im Ansatz genügt.
Mehr und anderes kann man dazu schlichtweg nicht sagen.
Weitere Quellen zu diesem Thema: - Der Spiegel berichtet darüber, dass Günter GraSS offensichtlich eine einstweilige Verfügung gegen die FAZ erwirkt hat.
- Auch das lawblog berichtet nun über die Versuche Günter Grass’, seine Vergangenheit durch den Missbrauch des Urheberrechts aufzuhübschen.
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Tags: Günter Grass, Grass, SPD, Urheberrecht








Am 22. Oktober 2006 um 13:22 Uhr
Wolf Biermann ist der neue Grass!
Im Gegensatz zu unserem moralischen Gewissen, hat er nicht in der Nazidiktatur und der linken Gesinnungsdiktatur der BRD als Systemerhalter fungiert, sonder emegrierte nach dem 2 Weltkrieg freiwillig(!) in die DDR (=>Wikipedia), machte also das, was …