Einheitsschule
Boche bei den Bissigen Liberalen äußert sich in einem Beitrag über das gegliederte Schulsystem mit Gymnasium, Real- und Hauptschule:
Ich halte eine solche Regelung für nicht liberal zu begründen. Entweder, man überlässt das Schulsystem komplett der Privatinitiative. Oder man muss die Einheitsschule schaffen.
Und erhebt eine immer wieder gehörte Meinung:
Die liberale Forderung sollte meiner Meinung nach also sein: Eine Schule für alle Schüler, bis zur Abiturreife oder bis zur Lehre.
Gleiche Chancen für alle, freie Wettbewerb für freie Marktteilnehmer, ... All das sind Forderungen, die an und für sich sicherlich richtig sind.
Aber: Wir wollen uns ein Schulsystem leisten, in welchem ein Lehrer zu einem Zeitpunkt nicht nur einen Schüler unterrichtet, sondern mehrere bis viele. (Dass die Klassengröße entscheidenden Einfluss auf den Lernerfolg hat, können wir an anderer Stelle diskutieren.)
Innerhalb dieser Schulklasse müssen nun nicht alle Schüler gleich bzw. gleich gut sein, sie sollten aber über ein ähnliches Ausbildungsniveau und ein einigermaßen vergleichbares Talent verfügen. Nur dann kann ein sinnvoller Unterricht stattfinden, der sich nicht an den Schwächsten orientiert, sondern auch die Leistungsfähigen fordert und fördert.
Natürlich gab und gibt es auch im gegliederten Schulsystem innerhalb einer Klasse große Unterschiede – das weiß ich aus eigenem Erleben. Wie groß aber müssen die Unterschiede erst sein, wenn wir innerhalb einer gemeinsam unterrichteten Klasse sowohl den künftigen Physikprofessor als auch den künftigen Hilfsarbeiter ausbilden?
Für beide wäre das sicherlich nicht das richtige: Der begabte Schüler bleibt unter seinen Möglichkeiten, während der schwächere Schüler eventuell schon auf diesem Niveau überfordert ist.
Wer abstreitet, dass es auch früh im Leben schon Unterschiede in der Leistungsfähigkeit (und der Leistungsbereitsschaft) gibt, der verweigert den Blick auf die Realität.
Wer daraus dann auch noch den Schluss zieht, eine Einheitsschule schaffen zu wollen/müssen, tut damit keinem einen Gefallen.
Auch die ganz reale Erfahrung mit Einheitsschulen hat vielerorts gezeigt, dass der dabei entstehende Einheitsbrei keineswegs dazu führt, dass sich die Schwächeren im Wettbewerb mit den Leistungsfähigeren unter den Schhülern zu neuen Höchstleistungen bewegen lassen. Vielmehr sind die in einigen Bundesländern eingeführten Gesamtschulen mittlerweile ein Synonym für mangelnden Leistungswillen und fehlende Leistungsfähigkeit.
Was immer wieder falsch verstanden wird: Bei der Verteilung der Kinder auf die verschiedenen Schulformen geht es nicht um eine Selektion in würdige und unwürdige Schüler, in Menschen mit und solche ohne Zukunft. Es wird vielmehr versucht (jedenfalls sollte das so sein), für jeden Schüler die für ihn passende Schulform zu finden.
Schließlich trainiert ein übergewichtiger 50jähriger, der abnehmen möchte, auch nicht mit dem Olympiasieger im Marathon – da wäre auf allen Seiten der Frust vorprogrammiert.
Die Forderung nach der Einheitsschule ist also alles andere als libertär, sie hat auch mit gesundem Wettbewerb nicht viel zu tun. Wer die Einheitsschule will, fühlt sich – zumindest in diesem Punkt – wohl eher bei Sozialdemokraten eher linker Gesinnung, bei den Grünen oder bei der SED Linkspartei am besten aufgehoben.
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Tags: Grüne








Am 30. Oktober 2006 um 18:05 Uhr
Obwohl ich von mir aufgeworfene Themen natürlich lieber im Kommentarbereich meines entsprechenden Beitrages diskutiere, hier eine Replik:
“Für beide wäre das sicherlich nicht das richtige: Der begabte Schüler bleibt unter seinen Möglichkeiten, während der schwächere Schüler eventuell schon auf diesem Niveau überfordert ist.”
Und genau das halte ich für eine Fehlannahme. Nicht nur, dass andere Schulsysteme mit einer einheitlichen Schule (wie auch das der ehemaligen DDR) dieser Logik durch täglichen Gegenbeweis widersprechen.
Es ist m.E. auch ein Missverständnis des Lehrerberufs. Ein guter Lehrer kann einen Unterricht so gestalten, dass ganz verschiedene Bildungsstände nicht nur berücksichtigt sondern auch für beide Seiten gewinnbringend genutzt werden . In manchen Privatschulen wird genau das übrigens als Modell zu Grunde gelegt, weil man sieht, dass hochbegabte und weniger begabte Schüler zusammen lernen können und dass sogar genau dieser Unterschied fruchtbar genutzt werden kann.
Wer abstreitet, dass es auch früh im Leben schon Unterschiede in der Leistungsfähigkeit (und der Leistungsbereitsschaft) gibt, der verweigert den Blick auf die Realität.
Wer meinem Artikel unterstellt, dass er dies abstreitet, der verweigert das sorgfältige Lesen. Denn nicht die Unterschiede werden bestritten, sondern die Schlussfolgerung, dass man die Kinder deshalb getrennt unterrichten müsste.
Die Einheitsschule innerhalb des heutigen Systems ist übrigens kein Gegenargument. Die Separation und damit die Unterbindung des Wettbewerbs findet ja so lange weiter statt, wie es im Einzugsbereich noch Haupt- und Realschulen gibt.
Schließlich trainiert ein übergewichtiger 50jähriger, der abnehmen möchte, auch nicht mit dem Olympiasieger im Marathon
Wenn im Alter eines Viertklässlers schon klar wäre, aus wem mal was wird, wer also Olympiasieger und wer Übergewichtiger wird, hätte ich kein Problem. Als Liberaler traue ich mir und anderen aber solches, den Eingriff in die private Bildungsangelegenheit legitimierendes Allwissen nicht zu.
Die Forderung nach der Einheitsschule ist also alles andere als libertär, sie hat auch mit gesundem Wettbewerb nicht viel zu tun.
Wenn “gesunder Wettbewerb” dadurch enstehen soll, dass der Staat ihn durch Kastenbildung der Wettbewerber unterbindet, dann sollte man dafür ehrlicherweise einen anderen Begriff finden.
Am 30. Oktober 2006 um 18:15 Uhr
Oh, HTML funktioniert nicht. Das schränkt die Lesbarkeit meines Kommentars natürlich etwas ein.
Aber du kannst ja gern bei uns weiterdiskutieren kommen:
http://www.bissige-liberale.com/2006/10/30/eine-schule-fuer-alle/#comments
Am 30. Oktober 2006 um 18:31 Uhr
Hallo Boche!
Bei mir funktioniert dafür Textile !
Naja, dazu sind Pingbacks im Blogwald ja da: man kann nachvollziehen, wer wo etwas zu einem Artikel von sich gegeben hat. Ich kommentiere auch häufig bei Euch im Blog, sah meine dann doch längere Auseinandersetzung mit dem Thema doch als einen Artikel in eigenem Recht an – mit Link und Pingback auf Deinen Artikel.
Punkt für Dich, das habe ich schlecht formuliert und so zwar nicht gemeint, wohl aber gesagt. Mir ging es darum, dass die Schlussfolgerung aus der Unterschiedlichkeit der Schüler nicht in einer Forderung nach einer Einheitsschule bestehen kann.
Es gibt den Grundsatz:
Der trifft dann nicht nur auf Sportler zu, sondern auch auf Schüler. Ich bin absolut überzeugt davon, dass ein Schüler einen temporären “Hänger” haben kann und dass ihm deshalb der Weg zum Abitur (und damit zum Studium) nicht unverrückbar verwehrt werden soll. Die in Deinem Artikel erwähnte Durchlässigkeit des Schulsystems ist daher auch für mich von ganz großer Bedeutung.
Ich denke aber schon, dass eine Eingruppierung der Schüler nach ihren Möglichkeiten für alle Beteiligten das Beste ist – vor allem dann, wenn ein Schüler sich durch überzeugende Leistung “hocharbeiten” kann.
Schulnoten kommen in aller Regel durch fairen Wettbewerb zustande. Wer also in der Grundschule schlechte Noten bekommt, zeigt zumindest in dieser Phase schlechte Leistungen. Daher wird für einen solchen Schüler z.B. die Hauptschule als erfolgversprechendste Schulform empfohlen.
Durch überzeugende Leistungen kann sich dieser Schüler dann aber immer noch verbessern und zunächst auf die Realschule wechseln. Und wer weiß: Vielleicht macht er sogar doch noch Abitur.
Genau dies passiert – auch in wirtschaftsliberalen Staaten – ständig. Denn fairer Wettbewerb setzt zumindest einigermaßen gleichstarke Marktteilnehmer voraus.
Ein gutes Beispiel ist der Verbraucherschutz: Auch hier wird der schwächere Teilnehmer durch den Gesetzgeber besonders in Schutz genommen, es werden ihm Schutzrechte eingeräumt (z.B. Gewährleistungsrechte, Umtauschrechte bei “Haustür”-Geschäften), die ein Vollkaufmann in dieser Form nicht hat.
Was ich generell nicht verstehe, ist die Annahme, dass der gemeinsame Unterricht mit leistungsschwächeren Schülern die begabteren Schüler fachlich weiterbringen soll. Dass die soziale Kompetenz dadurch geschult wird und die Abiturienten dann mehr Kontakt auch zu bildungsferneren Bereichen der Gesellschaft haben – das stelle ich nicht in Abrede. Soziale Kompetenz kann aber auch anders geschult werden.
Und noch eines, was ich nicht verstehe: Ein Liberaler sollte doch immer dafür sein, dass sich Leistung lohnt, dass derjenige, der mehr leisten kann und will, dafür auch einen Gegenwert erhält.
Warum ist es also falsch, Schüler nach ihrer Leistungsfähigkeit und -bereitschaft zu beurteilen und ihren Möglichkeiten entsprechend auszubilden – solange sie sich durch Fleiß verbessern bzw. durch Nicht-Leistung verschlechtern können?
Am 1. November 2006 um 11:25 Uhr
Eine Antwort habe ich ja auf unserem Blog versucht.
Nur nochmal off topic zu textile: Was ist das? Der Link oben funktioniert auch nicht.
Am 3. November 2006 um 11:51 Uhr
Hallo Boche,
danke für den Hinweis auf den broken link – das kommt davon, wenn man Google vertraut und einfach Links aus deren Suchergebnissen kopiert …
Textile ist eine sehr einfache Art von Markup: in Sterne eingeschlossene Textpassagen werden fett gedruckt, in Underscores eingeschlossene Bereiche kursiv, (un)nummerierte Aufzählungen macht man einfach per einleitendem Stern oder Raute.
Textile kann noch vieles mehr, inklusive Tabellen, Bildeinbettung, Erklärung von Akronymen für Leute mit AKF, ...
Zum Schreiben ist das wesentlich schöner als HTML, vor allem dann, wenn man gerade keinen WYSIWYG-Editor (z.B. TinyMCE bei Wordpress) zur Hand hat.
Ist aber auch ein bisschen nerdy ...
(Übrigens: Gedankenstriche und Ellipsen werden – natürlich – durch das typographisch richtige Zeichen ersetzt – und zwar automatisch … )
Am 3. November 2006 um 11:56 Uhr
Danke für die Aufklärung!