StudiVZ oder: Wie man Web 2.0 nicht verhunzen sollte

Seit ein paar Tagen geht es in der Blogosphäre hoch her: StudiVZ ist die neueste Sau (im Wortsinne), die durchs Dorf getrieben wird. Vorgeblich eine Website bzw. ein Portal zum social networking, haben es die Betreiber innerhalb weniger Tage geschafft, sich das Wohlwollen und das Vertrauen ihrer ca. 1,5 Millionen registrierter Nutzer gründlich zu verscherzen.

Was ist passiert? Es ist müßig, an dieser Stelle noch einmal alles aufzuführen, da gibt es an anderer Stelle (siehe die Linkliste weiter unten) schon sehr gute Zusammenfassungen, die ich weder in Umfang noch Qualität zu übertreffen wüsste.

Ein paar Stichworte sollen es dann aber schon sein:

  • Handel mit personenbezogenen Daten (klar, warum sollte man auch sonst ein solches Portal für lau anbieten? Selbst openBC Xing nimmt ja Geld …)
  • zweifelhafte Filmchen
  • kolportierte (für mich noch nicht bewiesene) Beziehungen zu Nazi-Ideologie
  • Domain-Grabbing im Ausland (die StudiVZler sollen sich Domainnamen im Ausland gesichert haben, die für Mitbewerber interessant gewesen wären)
  • ...

    Insgesamt kann man das als mittelschwere PR-Katastrophe bezeichnen, die für die StudiVZ-Betreiber besonders jetzt zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommt, weil es inzwischen Interessenten aus den USA gibt, die an einem Kauf von StudiVZ interessiert zu sein scheinen.

    Inzwischen haben viele Portale und Websites gezeigt, dass man mit dem ominösen Buzzword “Web 2.0” bzw. mit dem unter diesem Buzzword firmierenden Services richtig Geld verdienen kann – StudiVZ hat jetzt allerdings die “dunkle Seite” des ganzen aufgezeigt. Da wird mit schmutzigen Tricks (Domain-Grabbing) gekämpft, Datenschutz der Nutzer spielt nur eine den Geschäftsinteressen untergeordnete Rolle (Handel mit Daten), und die Betreiber von StudiVZ scheinen ideologisch auch auf einer angreifbaren Position zu stehen.

    Schade, die Idee war eigentlich gut. Doch – wie auch bei openBC Xing – ist nach einiger Zeit die Luft raus. Bei openBC Xing war das Problem, dass den Machern offenbar nicht ganz klar war, dass die eigentlich Arbeit im Netzwerk von den Nutzern gemacht wird und dass man diesen gegenüber vernünftig auftreten muss – sonst vergrault man diese.

    Bei StudiVZ nun ist es eine ganze Reihe von Gründen, die in ihrer Gesamtheit eine weitere Nutzung für einen informierten Webnutzer als zumindest schwierig erscheinen lassen.


    Zu diesem Thema im WWW:

  • Basic Thinking: LinkedIn passt Börsengang von OpenBC nicht
  • YAMB.BETA: StudiVZ: Die verlorengegangene Vision

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