Die NSA-»Hilfe« bei der Entwicklung von Windows

Es geistern immer wieder Gerüchte durchs Web, Mitarbeiter der NSA der USA hätten backdoors in diverse Windows-Versionen eingebaut – ob nun mit oder ohne Wissen von Microsoft. Angeblich könne über diese »Generalschlüssel« jeder unter Windows betriebene Rechner ausgespäht werden. Ob es dabei nun um Kriminalitätsbekämpfung, den Krieg gegen den Terror oder aber nur um banale Wirtschaftsspionage (schließlich verwenden – leider – die meisten Firmen und Organisationen Windows, zumindest am Arbeitsplatz) handelt, bleibt dabei allerdings immer Mutmaßung.

Ein netter kleiner Artikel über diese Gerüchte gibt es im Blog »get privacy«.

Auch die neuen »Sicherheits-Features« und das Digital Restriction Management in der neuen Windows-Version »Windows Vista« sind einer Erwähnung wert. Hier wird der Nutzer in der Ausübung seiner Rechte an legal erworbenen Inhalten derart beschnitten, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Das geht dann teilweise so weit, dass sogar selbst-produzierte Inhalte zwangsweise mit DRM-Maßnahmen »gesichert werden« (vor wem denn eigentlich?), ohne dass man das überhaupt möchte.

Besonders schön finde ich auch das nette Feature, dass Windows Vista hin und wieder überprüft, ob es sich denn bei der Installation um eine rechtmäßig lizenzierte Kopie handelt. Wenn Vista Zweifel daran hat, wird der Nutzer zur Verifikation aufgefordert (z.B. Telefonat mit Microsoft) und die Vista-Installation in der Zwischenzeit funktional stark beschnitten. Man stelle sich einmal vor, so etwas passiert in einem Krankenhaus oder in einem sicherheitskritischen Bereich wie etwa der Flugsicherheit, bei Sicherheitsbehörden oder Banken. Aber auch schon eine Stufe darunter ist das nicht nur eine nervige Angelegenheit: Wenn ich in meinem SME nicht mehr richtig arbeiten kann, verliere ich richtig Geld – gerade für Startups kann schon ein Ausfall von wenigen Stunden das Aus bedeuten.

Ich weiß nicht, aber ein mulmiges Gefühl hätte ich schon, wenn ich wichtige Daten einem Windows-System anvertrauen würde.

Problematisch ist nur: Man macht das ohnehin. Sobald man Daten an Firmen, Banken, Versicherungen, Steuerbehörden, ... herausgibt bzw. herausgeben muss, läuft man immer Gefahr, dass diese Daten wenigstens über ein Windows-Desktop-System bearbeitet werden oder gar auf einem Windows-Server gespeichert sind. Dem kann man sich (und seine Daten) nicht entziehen.

Es wäre nun an Microsoft, diese Gerüchte entweder zu bestätigen (und natürlich diese Hintertürchen aus der Software zu entfernen) oder aber stichhaltig zu widerlegen, zum Beispiel über Code-Audits durch unabhängige(!) Experten. Aber man ahnt schon: Das wird Microsoft nicht machen, denn der Windows-Source-Code ist ja geheim und wird nur im Rahmen von NDA zur Einsicht herausgegeben. Dann aber darf man auch schon nichts mehr über eventuell gefundene Sicherheitslücken etc. an die Öffentlichkeit geben.

Rosige Aussichten für Anbieter anderer Betriebssysteme, könnte man meinen. In wieweit diese aber von dieser Unsicherheit in Bezug auf die Sicherheit von Windows profitieren können, ist ungewiss. Zu sehr ist bei vielen Entscheidern noch das Vorurteil in den Köpfen, freie Software sei schon fast kommunistisch angehaucht, es gäbe keinen Support und die rechtliche Situation (etwa in Bezug auf »Software-Patente«) sei nicht gesichert. Man kann nur hoffen, dass sich das ein wenig ändert.

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4 Reaktionen zu “Die NSA-»Hilfe« bei der Entwicklung von Windows”

  1. Rayson

    Vista wird sich trotzdem durchsetzen. Einfach, weil es auf allen Kisten schon drauf ist und die neuesten Spiele drauf laufen.

    Wenn Computer nur zum Arbeiten verwendet würden, bräuchten wir die heutigen Prozessoren und GB Arbeitsspeicher nur für einige Spezialanwendungen…

  2. Martin Eisenhardt

    Hallo Rayson,

    da vermischt Du – aus meiner Sicht – jetzt zwei Dinge miteinander: Ich stimme Dir völlig zu, dass sich auf absehbare Zeit (sagen wir mal in den nächsten fünf Jahren) an der Dominanz von Windows (Vista) auf dem Desktop nicht allzu viel ändern wird. Daran »Schuld« trägt – wie Du ganz richtig schreibst – die Tatsache, dass sich die meisten PC-Hersteller gar nicht trauen, einen PC ohne Windows oder gar ganz ohne Betriebssystem auszuliefern.

    Deinem zweiten Punkt stimme ich nicht zu, er hat aus meiner Sicht auch mit Windows, Linux oder MacOS X überhaupt nichts zu tun. Es gibt durchaus viele Aufgaben und Anwendungen für den privaten und den beruflichen Bereich, in dem die verfügbaren Prozessoren und die Hauptspeicher- und Festplattenkapazität durchaus ausgenutzt werden. Beispiele sind Bildbearbeitung, Videoschnitt, Datenbankanwendungen, professioneller Schriftsatz, ...

    Ich stimme Dir aber zu, dass vielleicht nicht jeder Anwender den Rechner hat, der zu seinen Anforderungen passt, und dass bei MediaMarkt und Co. gerne mal ein deutlich überdimensioniertes System abgegeben wird. :-D

  3. Rayson

    “Beispiele sind Bildbearbeitung, Videoschnitt, Datenbankanwendungen, professioneller Schriftsatz.”

    Ich nenne das “Ausnahmen”. Die meisten PCs, die ich im Einsatz erlebe, werden für Office und etwas Internet gebraucht (und sind als aktuelle Rechner somit hoffnungslos überdimensioniert).

  4. Justin

    Gerade das Internet benötigt (z.B. durch Seite mit aufwendigem JavaScript Verhalten) auch immer mehr Prozessorpower.

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