Misanthropischer Umweltschutz

Nun ist es also wieder einmal passiert: Umweltbewegte in der Bürokratie der Europäischen Union haben wohl so lange intrigiert, bis sie wieder einmal eine EU-Richtlinie zur Veröffentlichung gebracht haben, in der das hehre Ziel des Umweltschutzes auf möglichst menschenfeindliche Art und Weise umgesetzt wird – so würde man wohl polemisch formulieren.

Tatsächlich ist das neueste Machwerk aus Brüssel aber eine Zumutung für den gesunden Menschenverstand. Es wird gefordert, dass Kraftfahrzeuge künftig nur noch 130 g/km Kohlendioxid in die Umwelt blasen. Auf den ersten Blick erscheint das vielleicht ganz vernünftig, es ist aber aus vielen Gründen falsch:

Wir scheren alles über einen Kamm

Zunächst einmal überrascht es, dass es nur einen fixen Grenzwert für alle Fahrzeugtypen geben soll. Deutschland Automobilindustrie hat sich – mit Ausnahme von Opel vielleicht – auf die Entwicklung und Produktion hochwertiger, technisch fortgeschrittener und leistungsfähiger Automobile spezialisiert. Autos von Porsche, Audi, BMW und Mercedes genießen Weltruf, und nicht umsonst ist der VW Golf das aktuell meistverkaufte Automobil der Welt.

PKW-Produzenten in anderen Ländern – z.B. Peugeot, Renault und Citroen in Frankreich und Fiat in Italien – haben sich stattdessen auf die Produktion technisch weniger anspruchsvoller, kleinerer, weniger wertvoller und daher auch billigerer Autos konzentriert. Natürlich gibt es auch große Karossen von Peugeot, die spielen aber eher eine Nebenrolle.

Ein Schelm nun, wer Böses denkt: Könnte es sein, dass die neue Vorschrift aus Brüssel manchen Ländern in Europa gar nicht so ungelegen kommt – einfach deshalb, weil vorrangig die deutschen Auto-Marken in Bedrängnis geraten und nicht diejenigen Firmen, die hässliche Kleinstwagen auf den Markt werfen?

Ist Kohlendioxid wirklich so schlimm?

Aber selbst wenn wir nun die Emission von Kohlendioxid beschränken – welche positiven Folgen hätte das? Ob die stets angekündigte Klimakatastrophe nun wirklich kommt und ob – falls ja – die Folgen für Europa tatsächlich so verheerend sind, vermag aufrichtig noch niemand zu sagen. Wenn sich das Klima verändert, wird es Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung geben – und wir in in Europa werden vermutlich eher zu den Gewinnern zählen.

Eine andere interessante Einzelheit ist, dass nicht das Kohlendioxid aus dem Straßenverkehr der stärkste Einflussfaktor für den (im Übrigen lebensnotwendigen!) Treibhauseffekt ist, sondern – tada! – Wasserdampf und Methan auf den vorderen Plätzen liegen. Also: Kein Sauerkraut und keine Hülsenfrüchte mehr, Saunen werden auch verboten!

Regenerative Energien und Weitsicht

Abgesehen von Klima steuert der Nutzer eines PKWs aber auf ein weitaus größeres Problem (zumindest für den eigenen Lebenshorizont!) zu: Das Erdöl wird früher oder später zur Neige gehen. Bevor es tatsächlich versiegt, wird es eine Phase der Preiserhöhung durch Rohstoffverknappung geben, gegenüber der die heutigen Preissteigerungsorgien auf dem Energiesektor sich geradezu harmlos ausnehmen werden.

Was also wichtig und richtig wäre: Weg vom Erdöl, hin zu alternativen Kraftstoffquellen! Die gibt es tatsächlich, und zwar nicht nur den hierzulande schon bekannten Bio-Diesel aus Rapsöl. Es existieren produktionsreife Verfahren für die Gewinnung von Kraftstoffen aus Bioabfällen (inkl. Gülle), aus Holz und aus der Nutzung von Nutzpflanzen, bei denen dann nicht nur die Saat, sondern die komplette Pflanze zu Kraftstoff verarbeitet wird.

Die Entwicklung und Nutzung solcher Technologien würde Deutschland nicht nur vom Erdöl unabhängig machen (und damit politisch auch weniger erpressbar, Stichwort: Russland). Deutschland hätte auch gute Chancen, zum weltweit führenden Anbieter von Anlagen zur Gewinnung solcher Kraftstoffe zu werden – und da das Erdöl nicht nur für uns, sondern für alle zur Neige geht, ist es wohl ein sicherer Tipp, auf solche Anlagen als kommenden Exportschlager zu wetten.

Ein weiterer Effekt der Nutzung von Kraftstoffen aus Biomasse: Zwar wird ein mit solchen Kraftstoffen betankter Porsche noch immer 297 g/km CO2 produzieren – allerdings sind diese vorher, beim Wachstum der Kraftstoff liefernden Pflanzen – der Athmosphäre entzogen worden. Es ist also ein geschlossener Kreislauf, ein Nullsummenspiel, das letztlich auch die Umwelt- und Klimaschützer glücklich machen dürfte.

Was aber macht die EU-Kommission?

Die EU-Kommission aber setzt stattdessen eine feste Obergrenze für die Emission von CO2 fest. Dabei wird die von einem Fahrzeug emittierte Menge auf einer Teststrecke ermittelt. Das ist aber mehr als nur realitätsfern:

  • Es spielt natürlich eine Rolle, wie das Fahrzeug in der wirklichen Welt gefahren wird. Ein französischer Kleinwagen, der sich mit Tempo 60 im zweiten Gang durch Paris bewegt, emittiert dann halt doch mehr CO2 pro Kilometer als ein locker im fünften Gang bei 140 dahinrauschender Audi.
  • In einigen Ländern – darunter auch Deutschland – wird den Kraftstoffen bereits jetzt ein mehr oder weniger großer Anteil an Bio-Kraftstoffen beigemischt. Da diese nur den CO2-Betrag freisetzen, den sie vorher der Athmosphäre entzogen haben, ist die Gesamtbelastung bei Nutzung solcher Kraftstoffe natürlich deutlich geringer. Hier wäre dieser Anteil in den CO2-Ausstoß also mit einzurechnen bzw. von diesem abzuziehen.

    Fazit

    Insgesamt ist diese Regelung der EU-Kommission wieder einmal Beleg dafür, dass (europäische) Politik an den Menschen vorbei gemacht wird. Wenn die Umwelt geschützt werden soll, dann muss ich das mit den Menschen und nicht gegen die Menschen machen. Es gibt so viele Wege, Umwelt und Klima zu schützen bzw. Emissionen zu reduzieren, ohne viel an Komfort, Wohlstand, Sicherheit und Luxus aufgeben zu müssen – z.B. die oben beschriebenen Kraftstoffe ohne Mineralölanteil. Da wird Umweltschutz plötzlich ganz einfach und tut auch nicht weh.

    Wenn ich aber versuche, Umweltschutz gegen die Menschen und ihre Wünsche und Bedürfnisse durchzusetzen, dann muss ich mich auf Gegenwehr und Ablehnung einstellen. Umweltschutz auf diese Art und Weise ist dann eben auch menschenfeindlich.

    Oder aber: Vielleicht haben manche EU-Kommissare auch schon den Kontakt zur Realität und zu den von ihnen beherrschten Menschen verloren.

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2 Reaktionen zu “Misanthropischer Umweltschutz”

  1. Boche

    Der letzte Satz war doch nicht ernsthaft als Frage gemeint, oder?

  2. Martin Eisenhardt

    Nein, nicht wirklich, daher ist er ja auch als (wohl in vielen Fällen zutreffende) Alternative und nicht als Frage formuliert.

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