Der grüne Governator

Manchem ist damals die Kinnlade gepflegt Richtung Erdmittelpunkt weggeklappt, als der ehemalige »Mister Universe« und »Terminator«-Mime Arnold Schwarzenegger seine Kandidatur für das Amt des Governors von Kalifornien bekanntgab. Noch viel mehr dürften sich einige gewundert haben, als er es dann auch tatsächlich wurde. Für diejenigen, die in Arnold Schwarzenegger immer nur einen Berg Muskeln ohne Hirn gesehen haben, der bestenfalls »Hasta la vista, Baby« hervorwürgen konnte, kommt insbesondere seine erfolgreiche Politik und seine Beliebheit bei den Bürgern überraschend.

Und nun zeigt Arnold Schwarzenegger europäischen – insbesondere auch deutschen – Politikern, wie man auf die vermeintliche Klimakatastrophe zu reagieren hat. Denn unabhängig davon, ob es nun zu einer katastrophalen Erwärmung kommt oder nicht, und auch völlig unabhängig davon, ob der Mensch daran Schuld hat oder nicht, ob der Mensch diese Erwärmung – so sie denn kommt – durch eigenes Handeln aufhalten kann, und auch unabhängig davon, ob eine Erwärmung nicht vielleicht auch ein paar positive (vielleicht sogar überwiegend positive) Folgen hätte: Energie sparen ist immer sinnvoll. Denn zum einen gehen die fossilen Brennstoffe zu Neige (weswegen sich der CO2-Gehalt der Atmosphäre auch nicht mehr verdoppeln kann, egal, was die Klimaphobiker absondern), zum anderen kann man bei effizienterem Umgang mit der gleichen Energiemenge mehr Arbeit verrichten, Waren produzieren, Logistik leisten, Wohlstand erzeugen und Komfort bieten.

Ansatz des Governators aus Kalifornien: Es muss keiner anfangen, lächerlich kleine Autos zu fahren, deren Bewegung einem wegen zu klein dimensioniertem Motors auch kein »Fahrvergnügen« bieten kann. Stattdessen schlägt Schwarzenegger vor, weniger umweltschädliche Antriebskonzepte (sprich: Hybridmotoren) zu entwickeln und zum breiten Einsatz zu bringen oder gar umweltneutrale Energiekonzepte (z.B. Treibstoffe aus Biomasse) einzuführen.

Dieser Ansatz ist exakt der richtige Weg:

  • Keiner muss auf Komfort, Funktionalität und Wohlstand verzichten.
  • Die Forschung wird gefördert.
  • Die Wirtschaft kann neuartige Waren (Autos, Kraftwerke, ...) entwickeln, produzieren und vermarkten.
  • Der Eintrag vermutlich klimaaktiver Emissionen in die Atmosphäre wird wirkungsvoll unterbunden.

    So kann Klima- und Umweltpolitik auch aussehen.

    Wie anders ist das Bild doch in Europa. Ob es nun ein geifernder EU-Kommisar für Umwelt ist, der von Deutschland ein allgemeines Tempolimit fordert (das im Übrigen zu mehr Verkehrstoten führen dürfte, Dänemark hat da Erfahrungen gesammelt), oder aber der ehemalige Pop-Beauftragter der SPD Sigmar Gabriel, der von seiner Partei zum Bundesminister für Umwelt hochgejubelt wurde – weil sie sonst wohl nicht weiß, was sie mit ihm anfangen soll.

    In Europa wird lieber verboten und beschränkt. Im land of the free hingegen setzt man auf Innovation, die eher zu noch höherem Lebensstandard bei gleichzeitig niedrigerem Ressourcenverbrauch und Emissionsniveau führt.

    Bravo, Herr Gouverneur!

    Europa: Setzen, sechs.

    [Quelle: SPON, Spiegel 11/2007]

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6 Reaktionen zu “Der grüne Governator”

  1. akimo

    Bequemlichkeit siegt, Ist ja auch viel gemütlicher, auf nichts verzichten und sich auch nicht einschränken zu müssen. Die Aufzählung klingt ja auch so erfrischend unkonkret: die Androhung des Wollens!

    “Keiner muss auf Komfort, Funktionalität und Wohlstand verzichten.” Herrlich, Alles scheint sich von selbst zu reparieren, wie müssen es nur aussitzen. Mit der gleichen Mentalität zögere ich sein Jahren erfolgreich meinen Zahnarztbesuch heraus.

    Sorry, aber hier musste ich mich mal wieder einmischen. Jeder der Dir eine lockere Zukunft verspricht scheint ein Held zu sein. Ich bin zwar auch nicht dafür, eine Sache unnötig zu dramatisieren, aber etwas zu bagatellisieren kann böse Folgen haben – siehe Zahnarzt.

  2. Martin Eisenhardt

    Akimo, schön, wieder von Dir zu hören.

    Dennoch: Es gibt da doch einen ganz klaren Unterschied zwischen Deinem Szenario und der von mir – und übrigens auch vielen anderen – bevorzugten Art und Weise, mit dem eventuell bevorstehenden Klimawandel umzugehen.

    Thema Zahnarzt: Da geht man jährlich hin, um überprüfen zu lassen, ob noch alles in Ordnung ist. Wenn es ein Problem gibt, wird das auf die für den Patienten beste und angenehmste Art und Weise behoben.

    Thema Klimawandel: Viele europäische Politiker glauben an den Klimawandel (das ist OK, man kann da ja verschiedene Meinungen zulassen) und sehen den Ausweg darin, den Lebenswandel der EU-Bürger möglichst weit vorzuschreiben bzw. einzuschränken, um damit eventuell – denn ob diese Maßnahmen etwas bringen, ist nicht klar – Einfluss auf das Klima zu nehmen.

    Gouverneur Schwarzenegger hat da einen anderen Ansatz. Auch er glaubt offenbar an den Klimawandel, ist also von der Ausgangslage her eng bei vielen europäischen Politikern. Allerdings möchte er nicht die Symptome des Problems bekämpfen (sprich: aus einem inhärent natur-unfreundlichen Otto-/Dieselmotor weniger Schadstoffe emittieren), sondern vielmehr einen Weg gehen, der die Ursache des Problems entschärft. Denn dann gibt es dieses Problem nicht mehr.

    Ob der richtige Weg dorthin nun über Ethanol-Motoren, über Biokraftstoffe oder etwas ganz anderes führt, wage ich nicht zu prognostizieren.

    Ergebnis ist allerdings ein zumindest gleicher, wenn nicht höherer Lebensstandard, und das mit niedrigeren Emissionen, als wenn man krampfhaft versucht, auf fossilen Brennstoffen basierende Energiekonzepte zu optimieren.

    Von den Indianern gibt es das schöne Sprichwort, dass man ein totes Pferd nicht reiten kann. Einige Politiker in Deutschland und in der EU versuchen aber eben das. Statt auf ein anderes Pferd umzusatteln, bemühen sie sich darum, das tote Pferd durch die Androhung von Strafen doch noch zur Bewegung zu motivieren.

    Übrigens: Ich gehe alle vier bis sechs Monate zum Zahnarzt … :-D

  3. akimo

    Das Pferdebeispiel ist in diesem Bezug sehr überzogen. Wir werden nicht gleich sterben, wenn wir einen realen Preis für ein Flugticket bezahlen müssen, oder wenn wir in Australien auf französisches Mineralwasser verzichten müssen. Mein Jogurt muss nicht um die halbe Welt gekarrt werden, und meine Krabben aus der Nordsee müssen nicht in China gepult werden. Es ist für mich auch nicht unbequem auf Ramschartikel zu verzichten oder Möbel zu kaufen die mir in 5 Jahren noch gefallen. Niemand braucht einen Linienflug von Köln nach Frankfurt, und niemand wird leiden, wenn Aluminiumfolie verboten wird.

    All das wird mich nicht umbringen und auch niemand anderen. Wenn mir jetzt jemand mit dem Argument der freien Marktwirtschaft kommt, und mit dem freien Wettbewerb, so zitiere ich frei nach Michael Moore: Warum verkaufen unsere Firmen dann nicht einfach Koks? Das würde den Gewinn vervielfachen. Ganz einfach: WEIL WIR DAS NICHT WOLLEN.

    In anderer Hinsicht ist das Pferdebeispiel typisch für die Mentalität. Der Mensch ärgert sich darüber, das man ein totes Pferd nicht reiten kann. Ist ein Pferd in erster Linie zum Reiten da? Viel schlimmer ist doch, das es tot ist. Und das Pferd wird sterben, wenn weiterhin Sätze verwendet werden, wie ”..eventuell bevorstehenden Klimawandel”, und ”..glauben an den Klimawandel”.

    Für mich ist in diesem Verhalten die Evolutionstheorie bewiesen: Dummheit wird aussterben, weil sie sich nicht fortpflanzen kann. Der Erde ist das Wurst – wenn ich diese Diskussion verfolge, ist mir das mittlerweile auch völlig schnurz.

    Mein Zahnarzt wird allerdings noch ein wenig leben, da ich nächste Woche einen Termin habe. ;(

  4. Martin Eisenhardt

    Mit der Bitte um Verzeihung, falls ich hier fälschlicherweise ein Missverständnis unterstelle: Der Indianerspruch, dass man ein totes Pferd nicht reiten könne, bedeutet – übertragen auf die Klimadiskussion und insbesondere die Äußerungen von Arnold Schwarzenegger – nicht, dass Evian in Autralien und chilenische Erdbeeren in Deutschland OK sind. So etwas halte ich auch für absoluten Schwachsinn, da es die betreffenden Waren auch vor Ort gibt und diese nicht unbedingt um die halbe Welt geflogen werden müssen. (Kleiner Hinweis an Evian: Man kann auch australisches Wasser abfüllen und »Evian« draufschreiben!)

    Was ich vielmehr mit diesem Spruch aussagen wollte: Verbrennungsmotoren, die Kraftstoffe aus fossilen Lagerstätten verbrennen, sind keine guten Kandidaten, wenn man Umwelt und Klima schützen möchte. Da ist es wesentlich sinnvoller, entweder die Kraftstoffe durch vollsynthetische oder Biokraftstoffe zu ersetzen (Stichwort: CO2-Kreislauf und Nullsummenspiel) oder aber gleich auf radikal andere, ebenfalls umweltneutrale Antriebstechniken (z.B. Brennstoffzelle) zu setzen.

    Diese Neuerungen werden nun in Kalifornien (und auch in vielen anderen Ländern, z.B. Schweden) gefördert. Das ist übrigens nicht nur wegen der eventuellen (sic!) Klimakatastrophe wichtig, sondern auch, weil uns die fossilen Brennstoffe in nicht allzu ferner Zukunft ausgehen werden. Womit fahre ich denn mein von europäischen Politikern gefordertes 2-Liter-Auto, wenn es kein Erdöl mehr gibt? Spätestens dann muss ich doch eine der beiden oben skizzierten Wege einschlagen. Sinnvoll wäre es also, dies bereits jetzt zu tun.

    Mein Jogurt muss nicht um die halbe Welt gekarrt werden, und meine Krabben aus der Nordsee müssen nicht in China gepult werden. Es ist für mich auch nicht unbequem auf Ramschartikel zu verzichten oder Möbel zu kaufen die mir in 5 Jahren noch gefallen.

    Full ACK, das sehe ich genauso.

    Niemand braucht einen Linienflug von Köln nach Frankfurt

    Das sehe ich anders, und zwar aus zwei Gründen.

    Der pragmatische Grund lautet: Solange ich nicht in Köln am Hauptbahnhof mein Auto sicher für Tage bis Wochen zu einem annehmbaren Preis abstellen, mein Gepäck im Hauptbahnhof Köln bis New York einchecken und auch den sonstigen Check-In für die gesamte Reise vornehmen kann, genau so lange bleibt es für viele deutlich angenehmer, statt in die Kölner Innenstadt zum Flughafen Köln/Bonn zu fahren und dort die Reise anzutreten. Mal ganz abgesehen davon, dass Bahnfahren in Deutschland zu großen Teilen wirklich keinen Spaß macht.

    Der umweltpolitische Grund lautet: Ein Flugzeug, das von Köln nach Frankfurt fliegt, verbraucht pro Passagier und 100 km ca. zwei bis drei Liter Kerosin. Es ist also – vom Spritverbrauch her – recht effizient. (Natürlich gilt das, wenn der Flieger recht voll ist, aber ein nur zur Hälfte belegter ICE ist auch nicht besser.)

    Zudem werden die Abgase relativ bodennah freigesetzt, also nicht in der Stratosphäre, in der – nach Aussagen von Klimaschützern – die Verbrennungsprodukte ihre schädliche Wirkung besonders entfalten.

    Gerade kurze Flugstrecken, auf denen die Flugzeuge gar nicht in 10 km Höhe aufsteigen, sind also bei weitem nicht so umweltbelastend, wie das immer kolportiert wird.

    Und zu den viel kritisierten Warteschleifen lässt sich Folgendes sagen: Wenn die vermieden werden sollen, müssen zum einen die Flugpläne optimiert werden, vielleicht ließe sich auch noch ein bisschen was gewinnen, indem Nachtruhezeiten eingeschränkt würden. Neben der Flugplanoptimierung gibt es aber noch eine wichtige Maßnahme: Den Bau weiterer Landebahnen. Denn Flugzeuge müssen kreisen, weil gerade keine Landebahn frei ist. Gäbe es eine solche, würden die Flieger auch sofort landen, den Sprit kostet Geld.

    Wenn mir jetzt jemand mit dem Argument der freien Marktwirtschaft kommt, und mit dem freien Wettbewerb, so zitiere ich frei nach Michael Moore: Warum verkaufen unsere Firmen dann nicht einfach Koks?

    Weil der Verkauf von harten Drogen die Konsumenten direkt, unmittelbar und nachhaltig schädigt. Daher ist auch der Verkauf von »weichen« Rauschmitteln (z.B. Alkohol) erlaubt: Der kann auch tödlich sein, z.B. durch eine akute Alkoholvergiftung. Vor allem aber schädigt Alkohol bei langjährigem Missbrauch, der in der Verantwortung des einzelnen Konsumenten liegt. Die meisten bekommen es hin.

    Und das Pferd wird sterben, wenn weiterhin Sätze verwendet werden, wie ”..eventuell bevorstehenden Klimawandel”, und ”..glauben an den Klimawandel”.

    Wie bereits oben gesagt bezog sich das Pferd auf die Erdöl verfeuernden Verbrennungsmotoren und nicht auf das Klima. Und die Wissenschaft ist in Bezug auf den Klimawandel bei weitem nicht so einhelliger Meinung, wie das in den Medien (auch in den »Qualitätsmedien«) immer wieder dargestellt wird. Es gibt viele Wissenschaftler, die entweder am Klimawandel als Ganzem, an der anthropogenen Ursache oder aber an den Auswirkungen so ihre Zweifel haben. Diese Wissenschaftler werden aber sehr schnell in die Ecke der »Zweifler« gestellt, was als Abwertung gemeint ist. Tatsächlich ist es aber gute Praxis in der Wissenschaft, die Ergebnisse anderer kritisch zu hinterfragen und erst einmal zu bezweifeln.

    Da passt es gut ins Bild, dass viele der Klimaphobiker weder Daten noch Methoden noch Software zur Überprüfung durch andere freigeben. In meinem Feld (der Informatik) ist dieses Vorgehen absolut üblich, in den Naturwissenschaften ist es auch so. Wie kann ich denn ernsthaft glauben, andere von meinen Ergebnissen zu überzeugen, wenn ich Daten und Methoden nicht offenlege? Da scheint ein seltsames Verständnis von Wissenschaft durch.

    Für mich ist in diesem Verhalten die Evolutionstheorie bewiesen: Dummheit wird aussterben, weil sie sich nicht fortpflanzen kann.

    Stimmt, Kinder habe ich (noch) keine … :-D

    Mein Zahnarzt wird allerdings noch ein wenig leben, da ich nächste Woche einen Termin habe.

    Nach so vielen Jahren …? :-D ( Nicht ernst gemeint!)

  5. akimo

    Nur weil etwas ”..bei weitem nicht so umweltbelastend..” ist, muss es nicht gut für die Umwelt sein. Mann kann eben keine “gesunden Vitamine naschen”., genausowenig wie man zum Abnehmen essen, und für Jungfräulichkeit b****n kann. Sehr nett finde ich auch den Vorschlag der Umwelt zuliebe mehr Landebahnen, und die Einschränkung des Nachtflugverbotes einzufordern. Dazu sage ich jetzt mal nichts.

    Eine Droge als “weich” zu bezeichnen macht sie noch lange nicht zur weichen Droge. Alkohol ist eine üble Sache. Und bloß weil es legal ist und Dir (vermutlich) schmeckt, kein deut gesünder als Koks oder andere verbotene Stoffe. (Das nebenbei). Aber der Knackpunkt ist, das wir alle gemeinsam bestimmen können, was gemacht werden darf und was nicht – genauso wie wir es im Falle von Koks auch gemacht haben.

    Wenn Dir Fliegen bequemer erscheint, dann nur, weil es nicht umständlich genug ist. Es ist wie beim Mischen von Musik. Wenn Dir ein Instrument zu leise ist, dann mach es nicht lauter, sondern andere leiser. Sonst schrammst Du ständig am Limit.

    Sicher gibt es viele Wissenschaftler, die Dir alles erzählen was Du hören möchtest. Genauso wie es Menschen gibt, die sich nur von Fett- und Fleisch ernähren um abzunehmen. Oder eine Regierung die für den Frieden bombt.. Aber man sollte seinen Verstand nicht abschalten, sondern jedes Ergebnis auf Plausibilität prüfen.

    Evolutionstechnisch ist Dein direkter Nachwuchs weniger relevant. Aber die allgemeine Dummheit sehr wohl.

    Ich sage es nun nochmal deutlich: Die Aussage “Keiner muss auf Komfort, Funktionalität und Wohlstand verzichten” ist unfug. Unser Komfort und unser Wohlstand beruht auf der Tatsache, daß wir mehr nehmen als geben. Und das hat uns in diese Situation gebracht. Es gibt kein Perpetuum Mobile, oder wissenschaftlich ausgedrückt: in einem geschlossenen System ist die Summe alle Energien = 0. So, nun Spiel mal ein wenig mit den variablen Größen.

  6. Martin Eisenhardt

    Hallo Akimo!

    Nur weil etwas ”..bei weitem nicht so umweltbelastend..” ist, muss es nicht gut für die Umwelt sein.

    Dem stimme ich völlig zu; und genau deshalb sind die in Europa vorgesehenen Maßnahmen inkl. dem Drängen hin zu Kleinstfahrzeugen und Tempolimits völlig falsch. Denn diese Fahrzeuge wären »[...] bei weitem nicht so umweltschädlich [...]«, aber eben immer noch problematisch. Wie viel besser wäre es denn da wohl, wenn man stattdessen mit seinem Porsche und Vollgas dahinrauscht (bei entsprechend leerer Autobahn, bevor wir jetzt hier noch eine Sekundärdiskussion aufmachen), wenn dieser Porsche eben entweder gar nichts emittiert (radikal neues Antriebskonzept, z.B. Brennstoffzelle) oder aber mit 100% reinem Biokraftstoff betankt wäre?

    Da würden sich wohl Mutter Natur und der freundliche Raser von nebenan beide für das Gleiche entscheiden, nämlich für Fahrvergnügen ohne Umweltschäden, statt für Kleinwägen – die im Übrigen gerne auch mal das Gemisch fett machen, um damit dann den Motor zu kühlen (Selbstversuch: Opel Corsa neuerer Bauart, keine Klimaanlage, >8l/100km bei Tempo 120 auf spanischer Autobahn).

    Dein Vorschlag, Fliegen unbequemer zu machen, damit Reisende auf andere Verkehrsmittel umsteigen, kommt mir genauso vor wie die Maßnahmen in einigen deutschen Städten, die das Unglück einer rot-grünen Stadtregierung hatten. Da wurde dann z.B. auf Ausfallstraßen eine ehemals locker zweispurige Straße durch Ausbuchtungen auf eine Spur verengt, damit da weniger Verkehr durchpasst. Zusätzlich hielt der ÖPNV dann auf der Straße und nicht mehr in Buchten, damit bloß kein PKW schneller ist als der Bus.

    Eigentlich sollte es so sein, dass man sein Angebot verbessert, um Menschen zu einem Präferenzwechsel zu bewegen. Offensichtlich gibt es aber viele Menschen (bei Dir scheint es auch so zu sein), für die dieses Prinzip keine Geltung hat. Statt also eine (Deine!) Sache attraktiver zu machen, sollen lieber die Ansätze/Produkte/Dienstleistungen anderer unattraktiver werden, am besten so weit, dass das relative Präferenzgefälle nur in die »richtige« Richtung gehen kann.

    (Zu dem Punkt mit den Drogen sage ich jetzt mal nichts.)

    Aber der Knackpunkt ist, das wir alle gemeinsam bestimmen können, was gemacht werden darf und was nicht – genauso wie wir es im Falle von Koks auch gemacht haben.

    Da geht dann das Verständnis von Demokratie wohl etwas in die Irre. Demokratie ist nicht das Gleiche wie eine Kommune oder ein Kibbuz. Bei diesen Formen des Zusammenlebens – quasi in einer »Großfamilie« – bestimmt tatsächlich die Allgemeinheit, was die Gemeinschaft und der Einzelne tun darf und muss.

    In einer Demokratie liberaler Prägung – und genau das ist es, was westliche Demokratien ausmacht – besteht die Rolle des Gesetzgebers aber nicht darin, die Bürger zu einem »richtigen« oder »moralischen« Handeln zu bewegen. Vielmehr geht es darum, ein Normenwerk aufzustellen, dass dem einzelnen maximale Handlungsfreiheit bei gleichzeitigem Schutz vor dem Fehlverhalten anderer bietet.

    Im Falle des Kokainhandels bedeutet das: Süchtige können von sich aus nicht bestimmen, keine Drogen mehr nehmen zu wollen, daher müssen wir statt dessen die Händler dran kriegen.

    Aber zurück zum Fliegen und Autofahren: Von Dir hätte ich gerne die Antwort auf zwei Fragen.

    Erstens: Ist es nicht so, dass Flugzeuge, die wegen vorhandener freier Landebahnen keine Warteschleifen drehen müssen, weniger Sprit verbrauchen als solche, die wegen des Fehlens einer solchen freien Landebahn noch 20 Minuten (oder länger …) sinnlose Achter fliegen?

    Zweitens: Ist es nicht so, dass ein großdimensioniertes Auto (Porsche, S-Klasse, 7er, ... such Dir eins aus), dass einen umweltneutralen Antrieb – sei es nun eine Brennstoffzelle, reine Biokraftstoffe oder etwas anderes – verwendet und mit 180 km/h über die Autobahn brettert, für die Umwelt wesentlich besser zu vertragen ist als ein 3-Liter-Auto europäischer Prägung bei Tempo 120, das diese 3 Liter im Übrigen nur auf einer Teststrecke erbringt und im alltäglichen Gebrauch eher 5 Liter pro 100 km verbraucht?

    Bonusfrage: Wäre es nicht sowohl unter Umwelt- und Klimagesichtspunkten als auch aus Sicht der Menschen wesentlich sinnvoller, jeweils die erste Option – also die technisch innovative – zu wählen statt die zweite – also die bürokratisch-restriktive?

    Kleiner Hinweis zum Schluss

    Die Erde ist im Übrigen alles andere als ein geschlossenes System. Wir erhalten beständig Energie in Form von Sonnenstrahlung und geben auch wieder Wärme und Licht in den Kosmos ab. Wenn man Deinen Systembegriff noch etwas enger fasst (wie es wohl die meisten tun würden), dann ist noch nicht einmal die Erdoberfläche ein geschlossenes System, weil diese nicht nur von oben (der Sonne), sondern auch von unten (vom Erdkern) beständig erwärmt wird.

    Sowohl die fossilen Brennstoffe (Kohle, Öl, Gas) als auch die erneuerbaren Energien können nur deshalb funktionieren, weil die Erde entweder vor einige Millionen Jahren oder aber jetzt – in diesem Moment – gerade kein geschlossenes System ist, sondern Energie von außen bekommt.

    Davon einmal ganz abgesehen und unterstellend, dass die Erde ein geschlossenes System sei: Selbst dann gibt es in einem solchen komplexen System typischerweise mehr als einen stabilen Zustand. Du bist für einen bestimmten. Ich für einen anderen.

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