Von Mördern und Opfern
Nun ist sie also »draußen« und auf freiem Fuß, die wegen mehrfachen Mordes und besonderer Schwere der Schuld zu lebenslanger Haft verurteilte »Ex«-Angehörige der inzwischen – zumindest offiziell – aufgelösten RAF, Brigitte Mohnhaupt.
Ohne ihre abscheulichen Taten nun noch einmal im Detail aufzählen zu wollen und auch ohne zu beurteilen, ob ihre Entlassung aus der Haft nun richtig oder falsch war, gibt es doch eine Sache, die mich in Wallung bringt.
Brigitte Mohnhaupt möchte nun nicht mehr Mörderin genannt werden, eine entsprechende Abmahnung hat sie über ihren Anwalt an die Bild-»Zeitung« zustellen lassen. Da frage ich mich als zugegebenermaßen ziemlicher Laie: Warum sollte man jemanden, der wegen mehrfachen Mordes aus niedrigsten Beweggründen rechtskräftig verurteilt wurde, nicht »Mörder« nennen dürfen?
Natürlich gilt »in dubio pro reo«, allerdings sind alle Zweifel in diesem Fall wohl inzwischen ausgeräumt, sonst hätte Brigitte Mohnhaupt auch nicht so lange in Haft gesessen.
Und natürlich hat sie als inzwischen Freigelassene auch das Recht, wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen und ihr Glück zu versuchen – soweit sich das mit der auf ihrem Gewissen lastenden Schuld eben machen lässt.
Das alles ändert aber doch nichts daran, dass sie nach wie vor an den begangenen Morden die Schuld und Verantwortung trägt. Brigitte Mohnhaupt nun nicht mehr als Mörderin bezeichnen zu dürfen, grenzt an Schizophrenie: Entweder hat sie die Morde zu verantworten; dann ist sie eine Mörderin. Oder sie hat sie nicht zu verantworten; dann saß sie allerdings viel zu lange im Gefängnis. Wenn sie aber die Morde begangen hat, kann es nur eine Bezeichnung für sie geben: Mörderin.
Sich nun auf sprachliche Hilfskonstrukte wie »Ex-Mörderin« oder »ehemalige Mörderin« oder gar nur »wegen Mordes Verurteilte« (Vielleicht hat sie es ja gar nicht getan, sondern wurde nur – fälschlicherweise! – deswegen verurteilt?) zurückzuziehen, ist nicht nur sachlich falsch – entweder man ist ein Mörder oder eben nicht – es verhöhnt auch die Opfer und deren Familien. Denn die Ermordeten springen nicht plötzlich wieder auf und werden zu »Ex-Opfern«, reichen ihren »Ex-Mördern« die Hand und alles ist wieder paletti. Sie wurden aus dem Leben gerissen, sie sind und bleiben tot.
Wer einmal gemordet hat, ist ein Mörder – oder, wie im Falle von Brigitte Mohnhaupt, eine Mörderin.
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