EMI cancelt DRM
Wie bereits schon vermutet wurde, hat EMI heute mittag auf einer Pressekonferenz in London mitgeteilt, dass es zukünftig bei elektronisch vertriebener Musik zwei Angebote geben wird:
- Entweder entscheidet sich der Kunde – wie bisher schon – dafür, in Shops wie etwa iTunes die von EMI lizenzierten mit DRM zu beziehen und zahlt dafür – wie bisher – €0,99 pro Song.
- Oder aber – und das ist die Sensation – der Käufer entscheidet sich für ein neues Lizenzierungsmodell ohne DRM: Die Songs kosten dann zwar mit €1,29 etwas mehr als bislang, allerdings sind sie – da nicht mit irgendwelchen (ohnehin vergeblichen) DRM-Schludereien versehen – frei konvertierbar und frei brennbar; damit können die so erstandenen Musiktitel auf jedem gängigen MP3/OGG/WMA/AAC-Player und auch in bis dato problematischen CD-Laufwerken (z.B. in Auto-Radios) abgespielt werden.
Als zusätzliches Gimmick hat sich EMI dazu entschieden, dass Käufer eines kompletten Albums dieses weiterhin zum gleichen Preis, aber ohne DRM erhalten. Apple bzw. iTunes hat angekündigt, dass man – gegen eine Gebühr von €0,30 – auch bereits gekaufte und DRM-verseuchte Songs vom DRM-Schrott befreien lassen kann.
Mit diesem mutigen Schritt stößt EMI die Tür in die digitale Zukunft des webbasierten Musikvertriebs weit auf und schreitet schwungvoll hindurch. Diesem Unternehmen kann ich als Verbraucher nur alles Gute wünschen und freue mich über ein Management, das offenbar die Zeichen der Zeit erkannt hat: Nicht durch die Kriminalisierung des Kunden und durch das Festhalten an überkommenen Vertriebskanälen kann sich die Musikindustrie zukünftig behaupten, sondern durch das Bejahen technologischer Trends und der Befriedigung von Kundenwünschen.
Nun bleibt abzuwarten, ob auch andere Major Labels nachziehen. Einige Indie-Labels vertreiben bereits seit einigen Jahren DRM-freie Musik, und das mit gutem Erfolg. Sollte nun tatsächlich die dunkle Zeit der DRM-geschützten Musik vorüber sein und die Musikindustrie die Konversion von einer auf physische Waren (LPs, CDs, ...) gestützten hin zu einer Dienstleistungsindustrie schaffen, dann haben alle etwas davon:
- Die Musikindustrie spart sich den physischen Vertrieb und stabilisiert die Einnahmen.
- Die Künstler erhalten eine Vergütung für ihre Arbeit.
- Die Kunden bekommen, was sie wollen: DRM-freie Musik zu einem fairen Preis.
Stichwort Preis: Sollten andere Major Labels nachziehen, wird sich wohl auch ein Wettbewerb entwickeln, der dann die Preise drücken dürfte; spätestens dann, wenn diverse Kartellbehörden mal nachfragen, warum ein Song eigentlich bei allen Labels und in allen Shops exakt €0,99 oder €1,29 kostet …
Zu diesem Thema im WWW:- Presseerklärung von EMI [via lawblog]
- BBC NEWS: EMI takes locks off music tracks
- heise.de: Online-Musik – Die digitale Mauer fällt bei EMI und Apple
Zu diesem Thema in der Blogosphäre:
- Elbrauschen: Also doch! Es geht auch ohne DRM!
- Philipps Blog: Ein großer Tag
- Reality on the Rocks: Wir haben verstanden
- Ralphs Piratenblog: EMI und Apple killen DRM?
- Dirk Ploss: EMI/Apple: Wir haben verstanden
- Apfelküche: Apple ab heute ohne DRM, keine Beatles?
- Cinq: Liveblogging von der Pressekonferenz
- eniak: EMI verzichtet auf Kopierschutz
- Internet Pro Weblog: EMI verzichtet auf DRM
- Der Blogbote: Nun doch: EMI-Musik ohne Kopierschutz
- F!XMBR: Gesprengte Ketten
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Tags: Digital Restriction Management, Digital Rights Management, DRM, Intellectual Property, IP








Am 2. April 2007 um 16:44 Uhr
[...] In node-0 wurde gerade erwähnt, dass Musik jetzt für 0,99€ mit DRM und fuer 1,29€ ohne DRM erhältlich sein soll. Das es jetzt mehr kosten soll ein Lied ohne DRM zu beziehen ist zwar nicht so toll, aber ich denke, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. node-0 hofft auch darauf, dass sich bei den aktuellen Preisen mal balddie Kartelämter für die ganze Sache interessieren udn die Preise hinterfragen. [...]
Am 12. April 2007 um 12:44 Uhr
[...] DRM ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. EMI hat das bereits erkannt und gerade noch die Kurve bekommen. Hoffen wir, dass auch die anderen Rechteverwerter Einsicht in die generelle technische Unmöglichkeit von DRM zeigen und die Zeichen der Zeit erkennen. [...]