GraSS reloaded

OK, das SS im Namen unseres großen Nationaldichters (hust!) ist ein alter Hut, allerdings zierte die Kopfbedeckung von Günter Grass für eine gewisse Zeit eben auch ein Totenkopf. Diese Tatsache hat Günter Grass nach dem zweiten Weltkrieg dann geflissentlich verschwiegen, um umso unbelasteter einem jeden nicht-linken Nachkriegspolitiker dessen manchmal tatsächliche, manchmal aber auch nur vermeintliche braune Vergangenheit bzw. Gegenwart unter die Nase zu reiben (igitt!).

Günter Grass hatte immer zu jedem Thema etwas zu sagen, war gleichsam das ungerufene (und oftmals fehlgeleitete) moralische Gewissen einer gewiss nicht mehr faschistischen Republik.

Die viel zu späte, medienwirksame inszenierte und damit verkaufsfördernde Offenbarung seiner SS-Vergangenheit in seinem letztjährig erschienenen Buch »Beim Häuten der Zwiebel« blieb unaufrichtig und halbherzig. Statt nun endlich – nach sechs Jahrzehnten! – zu den Fehlern seiner Jugend zu stehen und damit auch die eigene Fehlbarkeit, die eigene Verführbarkeit zuzugeben, schilderte Grass seine bewusste Entscheidung, zur SS zu gehen (denn man konnte sich sehr wohl vorm SS-Dienst drücken, wie Altersgenossen wissen), als ein schon fast tölpelhast anmutendes Hineinschlittern ohne eigenes Zutun.

Wie dem auch immer sei, die Republik nahm das späte Geständnis wohl nicht mit dem Zuspruch auf, den Grass sich erhoffte. Nicht nur jüngere Menschen, sondern vor allem Zeitzeugen nehmen Grass nicht ab, dass er seine SS-Zeit jahrzehntelang erfolgreich verdrängen konnte. Auch sein Weg in die SS scheint vielen Altersgenossen nicht so zufällig zu sein, wie von Grass behauptet.

Die Kritik (Majestätsbeleidigung!) konnte Grass wohl nicht verwinden und hat nun in einem Gedichtband nachgelegt. Bei Spiegel Online lässt man Henryk M. Broder zu dieser Thematik von der Leine, und der textet sehr passend:

Der Dichter als Besserwisser – mal wieder.

und

Grass hat für sein literarisches Lebenswerk den Literatur-Nobelpreis bekommen; gäbe es freilich einen Preis für Selbstgerechtigkeit, Wehleidigkeit und Verkennung der Realität, müsste auch der an Grass vergeben werden, denn kein anderer Schriftsteller hat es in diesen Disziplinen so weit gebracht wie er.

Der Artikel zitiert auch noch einmal Grass’ unsäglichen Fehlgriff über den »entarteten Journalismus«.

Er muss es wissen. Er war früher schon in der vordersten Kampftruppe gegen alles Entartete.

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