Top-Appeasenik

Die deutsche Politik ist um einen schwachsinnigen Vorschlag reicher geworden, und nicht zum ersten Male kommt dieser Vorschlag vom Chefgenossen Kurt »der Problembär« Beck.

Ob man es nun glauben mag oder nicht: Beck schlägt allen Ernstes vor, für das immer noch von Kämpfen zwischen den USA und der ISAF auf der einen Seite und den Taliban sowie lokalen Warlords auf der anderen Seite zerissene Afghanistan eine Friedenskonferenz unter Beteiligung der Taliban abzuhalten.

Danke, Kurt!

Wie naiv kann man denn eigentlich sein? Eine Friedenskonferenz zielt doch immer darauf ab, zwischen den verfeindeten Parteien zu einem für alle Seiten annehmbaren Kompromiss zu gelangen, um auf diese Art und Weise die bewaffneten Auseinandersetzungen zu beenden. Dabei muss natürlich jede der Kompromissparteien die eine oder andere Kröte schlucken.

Nehmen wir einmal an, Kurt Becks Einladung an die Taliban wird angenommen und man findet sich in Kabul am Konferenztisch ein: die UN, die USA, Vertreter der afghanischen Regierung, der lokalen Drogenbarone – und eben auch der Taliban. Wie soll denn nun ein möglicher Kompromiss mit den Taliban aussehen?

Ein paar Vorschläge:

  • »OK, wir verstehen, dass Ihr hier in einer islamistisch-steinzeitlichen Gesellschaft lebt. Es ist OK, dass Ihr Dieben die Hände abhackt.«
  • »Wir lassen Eure terroristischen Waffenbrüder aus Guantanamo frei, dafür steinigt Ihr Ehebrecherinnen nur noch in Monaten mit einem ‘a’ im Namen.«
  • »Wir ziehen ab, dafür haltet Ihr keine demokratischen Wahlen ab.«
  • »Der Norden Afghanistans wird demokratisch, dafür gilt im Süden und in Kabul die Scharia.«

    Spaß beiseite; auch wenn es Sozialromantiker wie Kurt Beck nur schwer begreifen können: Man kann nicht über alles reden. Vor allem nicht mit jedem. Es gibt da ein paar absolute Rechte, die jedem Menschen und jeder Gesellschaft zustehen. Die Taliban hingegen bestehen auf dem Primat des Islam. Das schließt einen Kompromiss von vorneherein aus – und damit wird eine solche Konferenz absolut sinnlos.

    Die Chance, einen überzeugten Taliban/Gotteskrieger/... davon zu überzeugen, dass auch Frauen und Ungläubige gewisse Rechte haben, die ihnen auch ein geistlicher Führer nicht nehmen kann, das wird schwierig, wenn nicht unmöglich. Die Phrase vom »gut, dass wird darüber geredet haben« zieht eben weder bei pubertierenden Kindern noch bei in der geistigen Steinzeit verbliebenen Islamisten.

    Gegenüber fundamentalistischen Islamisten kann man auch keine Kompromisse eingehen, ohne elementarste Menschenrechte aufzugeben – ob nun die eigenen (z.B. die Meinungsfreiheit bei den Mohammedkarrikaturen oder der Papstvorlesung in Regensburg) oder die anderer Menschen wie etwa der Frauen und Anders-/Ungläubigen in Afghanistan (siehe Telegehirns Beitrag zu diesem Thema). Appeasement gegenüber Fundamentalisten funktioniert nicht – gerade deutsche Politiker sollten das wissen.

    Sollte Kurt Beck tatsächlich der nächste Kanzlerkandidat der SPD werden, dann können wir uns freuen: Wer in der Außenpolitik derart diletiert und offenbart, dass er von einfachsten Konzepten – dass ergebnisoffene Verhandlungen mit Fundamentalisten nicht möglich sind – nicht viel versteht, der wird wohl hoffentlich auch nicht allzu viele Stimmen ergattern können.

    Es sei denn, er färbt sein Haar und stapft in Gummistiefeln in ostdeutschen Überschwemmungsgebieten herum … :-D


    Zu diesem Thema in der Blogosphäre:

  • WADIblog: Flug zum Hindukusch oder der gemäßigte Taliban
  • antibuerokratieteam.de: Der Pfälzer und die Taliban – Auch das Antibürokratieteam sieht die Sache ähnlich wie ich: Mit diesem »Vorstoß« (oder besser Absturz!) hat sich Beck als Kanzler unmöglich gemacht.
  • Gedankensplitter: Erfahrungen mit Politikern – Kurt Beck macht als Ministerpräsident offenvar nicht die beste Figur …
  • the story so far: Ratschlag an Kurt Beck
  • Oliver Luksic: Kurt Beck und die Taliban
  • f!xmbr: SPD: Lasst und das Grab zuschütten – Kleine Bestandsaufnahme der sinnfreien Politik der SPD unter Kurt Beck und seinen drei Vorgängern (Gerhard Schröder, Franz Müntefering, Matthias Platzeck)

3 Reaktionen zu “Top-Appeasenik”

  1. Boche

    Sollte Kurt Beck tatsächlich der nächste Kanzlerkandidat der SPD werden, dann können wir uns freuen: Wer in der Außenpolitik derart diletiert und offenbart, dass er von einfachsten Konzepten … nicht viel versteht, der wird wohl hoffentlich auch nicht allzu viele Stimmen ergattern können.

    Ich habe nicht das Gefühl, dass die deutschen Wähler mehrheitlich außenpolitischen Unsinn von Sinn unterscheiden können. Nicht ohne Grund konnte Schröder erfolgreich seine Marktplatz-Außenpolitik in den Wahlkampf werfen und Putin als Musterdemokraten verkaufen.

  2. Martin Eisenhardt

    Ich gebe zu, mit dem typischen SPD-Wahlvolk habe ich wohl nicht allzu viel zu tun. Dennoch hoffe ich ja immer darauf, dass die Wähler lernfähig sind und sich gerade an das die Desaster der Ära Schröder erinnern.

  3. node-0 » Blog Archiv » Ströbele beckt

    [...] Nachdem Chefgenosse Kurt Beck erst gestern vorgeschlagen hat, zu einer möglichen Afghanistan-Friedenskonferenz auch die Taliban einzuladen, findet er in Teilen der deutschen Sozialdemokratie durchaus Zustimmung. Allerdings bemüht sich das ebenfalls SPD-gefhrte Außenministerium, Becks Vorschläge herunterzuspielen und ihnen die Brisanz zu nehmen. [...]

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