Ströbele beckt
Nachdem Chefgenosse Kurt Beck erst gestern vorgeschlagen hat, zu einer möglichen Afghanistan-Friedenskonferenz auch die Taliban einzuladen, findet er in Teilen der deutschen Sozialdemokratie durchaus Zustimmung. Allerdings bemüht sich das ebenfalls SPD-gefhrte Außenministerium, Becks Vorschläge herunterzuspielen und ihnen die Brisanz zu nehmen.
Was weit weniger überrascht: Auch einige grüne Gutmenschen stimmen zu und beweisen damit sehr schön, warum die Grünen so bald nicht wieder an die Macht gehören. Allen voran marschiert dabei der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele und bemüht sich, er Beck an Naivität, Unwissenheit und Dilletantentum gleichzutun:
Auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele äußerte sich positiv. “Man muss mit jedem reden, der selbst Gesprächsbereitschaft signalisiert, also auch den Taliban”, sagte Ströbele der “Neuen Presse”. “Ob das in Einzelgesprächen oder einer Konferenz sinnvoll ist und mit welchen Zielen, muss man sehen. Es darf nur keine Schauveranstaltung sein.”
[Quelle: SPON ]
Ein Parteikollege Ströbeles – Winfried Nachtwei – sieht die Sache wohl etwas realistischer:
[Er] fand die strategische Überlegung zwar richtig, Becks Äußerung zu den Taliban aber naiv. “Ich denke nicht, dass Beck den Taliban-Führer Mullah Omar nach Deutschland einladen möchte – wobei das ein schöner Trick wäre, um den seit dem 11. September 2001 gesuchten Extremisten endlich zu verhaften”, sagte Nachtwei. “Allein die Teilnahme würde für Taliban-Aussteiger das Todesurteil bedeuten”, sagte Nachtwei der “Neuen Osnabrücker Zeitung”.
[Quelle: dito]
Netter Trick, soviel muss man Nachtwei zugestehen. Allerdings kann ich mir schon lebhaft vorstellen, wie seine Parteigenossen gegen ein solches Vorgehen protestieren würden. Wohl mit Blick auf die außenpolitisch völlig unausgegorene Position Becks fügt Nachtwei noch hinzu:
“Eine afghanische Friedenskonferenz ist doch kein rheinland-pfälzisches Weinfest.”
[Quelle: dito]
Nein, ist es nicht, daher gehört Kurt Beck ja auch nicht auf eine solche Konferenz, sondern irgendwo auf einen rheinland-pfälzischen Dorfplatz, wo er dann wieder ein paar schöne Ratschläge an Hartz-IV-Empfänger verteilen darf.
Die Reaktion Ströbeles jedenfalls zeigt, dass die Grünen als Partei noch immer nicht erwachsen geworden sind, wobei über Teile der SPD sicherlich das gleiche zu sagen ist.
Statler fasst das ganz gut zusammen:
Vermutlich hätte einer wie Ströbele auch im April 1945 noch Hitler, Göring und Himmler zum Fliedertee an einen runden Tisch gebeten, um ihnen einen ehrenvollen Frieden anzubieten.
Appeasement pur, einige ziehen aus der Geschichte eben doch keine Lehren …
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