Warum DRM nicht funktionieren kann II

Nachdem die HD-DVD-Verschlüsselung namens AACS nun bereits zum zweiten Mal geknackt worden ist, also auch in ihrer »verbesserten« Variante mit kostenpflichtigem Schlüsselrückruf bzw. -erneuerung in festen Intervallen, sollte man sich noch einmal kurz die Zeit nehmen, um eine ganz simple Tatsache in eine auch für die Rechteverwerter verständliche Form zu bringen:

DRM ist eine Anwendung der Kryptographie. Kryptographie dient dazu, geheime Informationen von einem Sender über ein unsicheres Medium an einen Empfänger zu übermitteln. Sender und Empfänger sind nicht notwendigerweise verschieden, sie können zeitlich und räumlich getrennt sein, und beide haben vollen Zugriff auf die übermittelte Information.

und

Die gesamte zur Dekodierung einer verschlüsselten Nachricht benötigte Information liegt im Schlüssel und nicht im Verfahren.

Wenn nun aber sowohl Sender als auch Empfänger der geheimen, per kryptographischer Maßnahme gesicherten Information beide vollen Zugriff auf die Informationen haben (denn sonst könnten wir uns z.B. keine DVD ansehen – die muss ja entschlüsselt werden), dann benötigt der Empfänger natürlich auch den (Dekodier-) Schlüssel, da er ja sonst nicht an die Daten (den Film, das Musikstück, ...) herankommt. Wenn er diesen Schlüssel aber nun hat – und sei er auch selbst in verschlüsselter Form auf dem Medium abgelegt – dann hat er alles, aber auch wirklich alles, um die verschlüsselt vorliegenden Daten zu entschlüsseln.

Liegen die Daten (also der Film, der Song, die Software, ...) aber erst einmal in entschlüsselter Form beim Empfänger vor, dann kann er damit machen, was er will: lesen, kopieren, ändern, ...

Mark Shuttleworth erklärt in seinem Blog etwas näher, welche Gefahren und Probleme auf die Verfechter von DRM warten und warum jeder DRM-Ansatz über kurz oder lang scheitern wird – übrigens nicht nur aus rein technologischen Gründen, sondern auch, weil DRM-Maßnahmen den Erwerb und die legale Nutzung von Inhalten unnötig verkomplizieren und derart unattraktiv machen, dass sich interessierte Kunden die Inhalte wohl auf anderem Wege besorgen werden:

It only takes one crack. For any given piece of content, all it takes is one unprotected copy, and you have to assume that anyone who wants it will get it.

und

Someone will find a business model that doesn’t depend on the old way of thinking, and if it is not you, then they will eat you alive.

DRM ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. EMI hat das bereits erkannt und gerade noch die Kurve bekommen. Hoffen wir, dass auch die anderen Rechteverwerter Einsicht in die generelle technische Unmöglichkeit von DRM zeigen und die Zeichen der Zeit erkennen.

Sonst dürfte es in nicht allzu ferner Zukunft ein paar Rechteverwerter weniger geben.


In der Blogosphäre zu diesem Thema:

2 Reaktionen zu “Warum DRM nicht funktionieren kann II”

  1. node-0 » Blog Archiv » Weitere Schwächen im DRM von HD-DVD

    [...] Warum DRM prinzipiell nicht funktionieren kann, darüber habe ich bereits geschrieben. Nun sieht es aber so aus, als ob das DRM von HD-DVD auch noch schlecht implementiert ist, so dass zu den nicht behebbaren konzeptuellen Fehlern auch noch vermeidbare technische Schwächen hinzukommen. Offensichtlich kann diesem neuen Angriff auf das überflüssige und den Kunden seiner Grundrechte beraubende DRM auch nicht über key revocation begegnet werden – eine Technik, die die AACS LA(AACS Licensing Authority) bisher angewandt hat, um komprimierte Schlüssel zurückzurufen und damit zumindest noch nicht erschienene Titel vor ungewolltem Zugriff zu beschützen. [...]

  2. node-0 » Blog Archiv » Microsoft und Software-Patente

    [...] Daraus lässt sich aber auch ein klein wenig Mut für die Zukunft schöpfen – in der Musik- und Filmbranche zeigen sich erste Risse in der Front derjenigen, die sich am liebsten jede einzelne Mediennutzung (also jedes Abspielen eines Songs!) vergüten lassen wollen. EMI machte den ersten Schritt und kündigte an, über iTunes und bei Amazon die eigenen Titel ohne DRM anzubieten. [...]

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