Falsche Political Correctness
Oliver bei F!XMBR hat in einem Blogpost berichtet, dass der britische Premierminister Tony Blair sich angeblich rassistisch zu den Gründen für die neuerliche Welle von Gewalt in London geäußert hat.
Das Zitat, um das es hier geht, ist das Folgende:
Tony Blair yesterday claimed the spate of knife and gun murders in London was not being caused by poverty, but a distinctive black culture.We need to stop thinking of this as a society that has gone wrong – it has not – but of specific groups that for specific reasons have gone outside of the proper lines of respect and good conduct towards others and need by specific measures to be brought back into the fold.
Da zu muss ich mich einfach äußern, da ich in Tony Blairs Äußerung nun alles, aber keinen Rassismus zu erkennen vermag.
Während meines Studiums im UK konnte ich feststellen, dass die Gesellschaft dort wesentlich offener und weniger diskriminierend ist als alles, was ich in Deutschland, Österreich, Frankreich, … erleben durfte.
Mit absoluter Selbstverständlichkeit werden Bürger afrikanischer und (insbesondere) indisch-pakistanischer Herkunft akzeptiert und in das gesellschaftliche Leben integriert.
Man sieht auf der Straße und z.B. in Schulen und Universitäten auch wesentlich mehr Menschen mit Behinderungen – nicht, weil es im UK mehr solche Menschen gäbe, sondern weil diese nicht »versteckt« werden.
Wenn es hingegen um Gewaltverbrechen wie die derzeitige Welle von Messerstechereien u.ä. in London geht, und wenn Menschen einer bestimmten Ethnie dabei – als Opfer oder Täter – deutlich überrepräsentiert sind, dann kann man sich schon einmal fragen, warum das so ist.
Es gibt ja auch viele Briten kaukasischen Äußeren, die nur über begrenzte Geldmittel verfügen. Dennoch greifen diese offenbar bei weitem nicht so häufig zum Messer wie ihre Mitbürger mit Migrationshintergrund.
Hier in Deutschland kann man etwas sehr ähnliches beobachten. Auch hier werden die bei weitem überwiegende Anzahl entsprechender Straftaten (also Messerstechereien, Prügeleien, Abziehen, …) von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund begangen, obwohl sie auch in der Bevölkerungsgruppe mit nicht so hohem Haushaltseinkommen nicht die Mehrheit stellen.
Das lässt dann nur den sehr berechtigten Schluss zu, dass diese jungen Menschen mit Migrationshintergrund offenbar schneller bereit sind, ihre Interessen auch mit Gewalt durchzusetzen oder die Gewalt sogar als Selbstzweck betreiben.
Wer vor den Zahlen die Augen verschließt – z.B. aus falsch verstandener political correctness – wird die Probleme nicht zum Verschwinden bringen. Auf die gewaltbereiten Jugendlichen muss entsprechend eingewirkt werden, damit es erst gar nicht zu Straftaten kommt.
Ist es aber bereits passiert, muss auch mit der ganzen Härte des Gesetzes durchgegriffen werden, ohne falsche Rücksichtnahme auf die schwierige Lebenssituation der Betroffenen – denn deren Opfer hatten/haben es in aller Regel auch nicht einfacher.
Und: Es muss doch erlaubt sein, auf einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Gewaltbereitschaft und der Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsgruppe hinzuweisen. Einzig falsch wäre es, daraus dann zu schließen, dass alle Migranten gewalttätig sind – denn das stimmt natürlich auch nicht.
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Am 17. April 2007 um 18:14 Uhr
[sic!] – fast…
Oliver wars…
Am 17. April 2007 um 18:56 Uhr
Mist …
Da will man es schon richtig machen und dann geht es schon wieder daneben. Ist aber (inzwischen auch ganz ohne [sic!]) ausgebessert. Ich muss mir wohl doch angewöhnen, Texte sinnerfassend zu lesen
Am 18. April 2007 um 00:33 Uhr
>We need to stop thinking of this as a society that has gone wrong – it has not
Die Schuld von der Gesellschaft zunehmen und diese den Migranten alleinig zuzuordnen ist Rassismus in Reinkultur, zudem der saubere Blair damit selbst in seiner Regierung auch ziemlich alleine darsteht.
Das Pakistanis einen guten Stand haben dort, glaubt man auch nur als nicht-Pakistani, ebenso wie es sich in diesem Land als hellhäutiger Bildungsbürger, deutscher Abstammung recht passabel leben läßt. Leider trifft das nicht auf unsere ausländlischen Mitmenschen zu, ich kann zwar nicht mit einem Aufenthalt dort dienen, jedoch mit einem Bekannten der dort lebt und einen Migrationshintergrund mit sich schleppt, im wahrsten Sinne des Wortes.
>Wer vor den Zahlen die Augen verschließt – z.B. aus falsch verstandener political correctness – wird die Probleme nicht zum Verschwinden bringen.
Im Land der Richter und Henker kann man davon gar nicht genug haben, zeige mir überhaupt ein wenig davon … das schlimme in Deutschland ist, das wir uns einerseits gerne selbst geiseln, andererseits aber rechten, rassistischen Umtrieben durch hahnebüchene Relativierungen Vorschub leisten. Business as usual halt …
Btw. die britische Geschichte ist geprägt von Rassimus und Greueltaten gegenüber anderen Nationen
>Es muss doch erlaubt sein, auf einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Gewaltbereitschaft und der Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsgruppe hinzuweisen.
Wie oft habe ich das schon gehört? Und da wäre man gerne zu hartem Aktionismus bereit, wo aber bleibt die tatsächliche Bereitschaft gegen Rassismus anzukämpfen, anstelle der oft postulierten Worthülsen?
Zudem wäre ich vorsichtig mit solch fantasievollen Annahmen a la “es stimmt schon”. Es ist leichter gesellschaftliche Randgruppen Zahlenspielereien unterzuordnen, als denn die vorherrschende Bevölkerung, die dominant überall lebt und ergo nicht in Rudeln gezählt werden kann. Das ist auch schon der rassistische Trugschluß in den USA immer gewesen. Einen Haufen schwarzer Mitbürger, Gang-Charakter, kann man halt eher ausmachen als vice versa in der hellheutigen Bevölkerung – Rassismus, selbst Gewalt, äußert sich da subtiler, wird gedeckt, relativiert, kann nicht in Zahlen gefaßt werden, da keine Grüppchenbildung – man nennt das den rassistischen Heimvorteil.
Nein tut mir leid, ich sehe da bei beiden Ländern – Deutschland wie GB – nichts, aber auch gar nichts zu relativieren.
>Mr Blair’s remarks are at odds with those of the Home Office minister Lady Scotland, who told the home affairs select committee last month that the disproportionate number of black youths in the criminal justice system was a function of their disproportionate poverty, and not to do with a distinctive black culture.
Da spricht übrigens die Vernunft die du den Briten zuschreibst, nicht aber bei Blair. Und btw. überall läßt es sich gut leben ohne dem Rassismus gewahr zu werden.
Am 18. April 2007 um 13:00 Uhr
Hallo Oliver,
danke für Deinen Kommentar. Wenn ich den mal – natürlich stark verkürzt! – zusammenfassen darf, dann sagst Du (genau wie auch im verlinkten Blogpost drüben bei Euch in F!XMBR): Die Täter sind nicht schuld, die Gesellschaft hat sie zu dem gemacht, was sie sind.
Diese Sichtweise ist mir ziemlich fremd, auch wenn Sie bei bei Gutmenschen einer bestimmten politischen Gesinnung natürlich absolut gängig ist.
Meiner Überzeugung nach ist für eine Tat in erster Linie der Täter verantwortlich, nicht die Gesellschaft.
Ich möchte an der Stelle auch noch einmal fragen, wie es eigentlich sein kann, dass die weitaus überwiegende Zahl der gewaltbezogenen Straftaten (in Deutschland etwa 80 Prozent) von Menschen mit Migrationshintergrund begangen werden, wenn diese auch in sozial schwächeren Schichten bei weitem nicht so einen hohen Bevölkerungsanteil stellen?
Wie kommt es, dass Briten mit britischen Vorfahren seltener gewalttätig werden, auch wenn sie in sozial schwieriger Lage sind? Wie kommt es, dass sich das aktuelle Problem in London – auch nach Aussage von Tony Blair – keineswegs auf alle Migranten erstreckt, sondern auf eine bestimmte Untergruppe dieser Zuwanderer?
Es ist ja tatsächlich nicht so, dass auch Pakistani und Inder ähnlich gewalttätig sind. Zumindest momentan scheinen es eher Zuwanderer aus Schwarzafrika zu sein, die Probleme machen.
Wenn ich also eine Gruppe gewaltbereiter Menschen vor mir habe und deren Verhalten erklären möchte, dann muss ich nach Gemeinsamkeiten suchen. Eine solche Gemeinsamkeit wird sicherlich sein, dass die allermeisten der Gewalttäter junge Männer sind – ältere Menschen und Frauen neigen deutlich seltener zu Gewalt.
Diskriminiere ich durch diese Aussage jetzt aber die Männer? Nein, denn es ist eine statistisch wohl-fundierte Aussage, deren ursächlichen Gründe ich dann mit den Mitteln z.B. der Psychologie untersuchen muss.
Im aktuellen Fall ist die Gemeinsamkeit, dass die Gewalttäter junge Männer sind, die in ihrer überwiegenden Mehrheit noch eine weitere Gemeinsamkeit aufweisen: Sie bzw. ihre Eltern stammen aus afrikanischen Ländern.
Und auch diese Aussage muss ich dann untersuchen, z.B. mit Methoden der Ethnologie, Anthropologie und Soziologie.
Ich halte es für sehr blauäugig, davon auszugehen, dass alle Menschen – auch wenn sie aus höchst unterschiedlichen Gesellschaften stammen, stark unterschiedlich sozialisiert wurden und über einen sehr verschiedenen ethnologischen und religiösen Hintergrund verfügen – dass also all diese Menschen über das gleiche ethisch-moralische Rüstzeug verfügen und sich gleich verhalten.
So ist das Leben nicht. Unterschiedlich geprägte Menschen verhalten sich unterschiedlich.
Ein nettes Beispiel dafür ist übrigens die WM 2006 und Zinedine Zidane: Sein mit der roten Karte geahndeter Kopfstoß gegen Mazzerati wurde dadurch ausgelöst, dass Mazzerati (angeblich) Zidanes Mutter und Schwester grob beleidigt hat. Ein Spieler mit mitteleuropäischen Wurzeln hätte vermutlich erst einmal cool die Italiener im Spiel besiegt und Mazzerati dann hinterher – mit dem WM-Pokal in der Hand – mit gleicher Münze entschädigt.
Nicht so Zidane. Durch seinen familiären Hintergrund (Zuwandererfamilie aus Algerien) steht seine Mutter für ihn über alles, eine Beleidigung seiner Mutter kann nur durch unmittelbare Vergeltung beantwortet werden.
Ist das jetzt auch rassistisch? Ich denke nicht. Menschen sind verschieden,das waren sie, das werden sie vermutlich immer sein.
Man muss aber auch darüber sprechen können – vor allem dann, wenn es Probleme gibt.