Selbstdemontage
Wie wir dem SPON entnehmen können, tritt Heiner Geißler dem Bund der Globalisierungsgegner namens Attac bei.
Mal ganz abgesehen davon, dass Heiner Geißler damit seinen gesamten politischen Lebensweg in Frage stellt (schließlich ist Attac ein stramm linkes Forum): Mit welchen Argumenten von Attac möchte er sich denn eigentlich gemein machen?
Dazu im zitierten Artikel:
“Ich trete bei Attac ein”, sagte Heiner Geißler bestätigte er SPIEGEL ONLINE. Die Ziele der Organisation teile er, Attac wolle schließlich die Globalisierung nicht rückgängig machen, sondern human gestalten.
Das ist mit in dieser Form neu. Wenn ich bisher über Attac gelesen habe, dann kam für mich immer der Eindruck auf, dass es sich dabei um ein Sammelsurium der üblichen Verdächtigen handelt: vom sozial bewegten Studienrat (Fächer: Ethik/Religion und Biologie) über ein paar noch nicht erwachsene, ökologisch-links orientierte Jugendlich bis hin zu Sozialromantikern aus dem linken Flügel der SPD, von den Grünen und den Kommunisten Linken.
Ein ehemaliger CDU-Generalsekretär passt da eher schlecht rein.
Insbesondere die Aussage, dass Attac die Globalisierung nicht rückgängig machen, sondern nur human gestalten wolle, weckt Skepsis in mir. Die Globalisierung hat bisher vermutlich mehr für Menschen in Entwicklungsländern getan als alle Spendensammlungen, Weihnachtsbasare und Dritte-Welt-Läden zusammen.
Dadurch, dass die entwickelten Ländern Produktion in Entwicklungsländer verlagern, geht es den Menschen dort tatsächlich besser – schließlich finden sie nun Arbeit und produzieren Waren, die auch tatsächlich Abnehmer finden und auf dem Weltmarkt konkurrieren können – im Gegensatz zu vielem, was bei Entwicklungshilfe und Dritte-Welt-Läden passiert; dort wird häufig eher das Elend subventioniert als für wirkliche, nachhaltige Besserung gesorgt.
Natürlich gehen bei diesem Prozess der Globalisierung in den »reichen« Ländern des Westens einfache Arbeitsplätze verloren. Wer es also in seiner Jugend versäumt hat, sich durch (Aus-)Bildung für die Zukunft zu wappnen, der hat jetzt schlechte Karten, da seine Ware (die einfache Arbeitskraft) auf dem hiesigen Markt nun nicht mehr nachgefragt wird. Allerdings: Einem deutschen Arbeitslosen, so leid mir da auch jeder einzelne Fall tut, geht es immer noch um Welten besser als einem arbeitslosen Chinesen oder Chilenen. Zudem kommen die durch die Globalisierung erzielten geringeren Preise allen – auch den deutschen Arbeitslosen – zugute.
Wenn man also als Bewohner der Industrienationen gegen die Globalisierung zu Felde zieht, muss man sich den Vorwurf des Egoismus (»die Arbeitsplätze bleiben hier!«) und der Kurzsichtigkeit gefallen lassen.
Denn unter dem Strich profitieren alle, sowohl in den »armen« Entwicklungsländern als auch in den »reichen« westlichen Staaten, von diesem Trend hin zur globalen, hochspezialisierten und arbeitsteiligen Wirtschaft.
Den Schritt von Heiner Geißler kann ich also nur als Selbstdemontage werten.
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