Flickr: Ich will zu den Kätzchen

Das Foto-Portal Flickr hat in den letzten Tagen gezeigt, wie man sich gezielt selbst ins Bein schießt, und das auch noch mit Anlauf.

Was ist Flickr?

Flickr ist eine typische »Web 2.0«-Erfolgsgeschichte. Nutzer können per Browser oder eMail Fotos zu Flickr hochladen, diese mit Kommentaren und Tags versehen und damit anderen (möglicherweise allen) zugänglich machen. Zusätzlich können Bilder noch nach ihrer … nennen wir es political correctness eingestuft werden. Dabei gibt es die drei Stufen safe, medium und restricted. Die Idee dabei ist, dass keiner gezwungen werden soll, sich Bilder anzusehen oder in Suchergebnissen zu finden, die er/sie nicht sehen möchte. Zu diesem Zweck kann man in seinen eigenen Optionen auch angeben, ob man bei der Suche auch Bilder mit dem Prädikat restricted finden möchte.

Was war geschehen?

Die Leute bei Flickr sind in ihrem unergründlichen Ratschluss zu dem Ergebnis gekommen, dass deutsche Nutzer von Flickr nur noch Bilder mit der Einstufung safe zu sehen bekommen sollen. Geschickt verpackt wurde diese Zensurmaßnahme zeitgleich mit dem Launch der lokalisierten deutschen Ausgabe von Flickr vorgenommen, obwohl sich bei dieser Umstellung – laut Flickr – nur die Sprache, aber keineswegs die Funktionalität ändern sollte.

Wenn man nun als deutscher Nutzer die Bilder eines anderen Flickr-Nutzers betrachtete, so wurden die angeblich anstößigen Bilder entweder gar nicht erst angezeigt oder aber durch Bilder mit weißem Rauschen (wie beim Fernseher) ersetzt. Der Versuch, ein solches Bild dennoch anzusehen, endete regelmäßig damit, dass einem knapp mitgeteilt wurde, dass dieses Bild nicht zugänglich sei. So sieht effiziente Zensur aus.

Diese Zensierung ist den deutschen Flickr-Nutzer übel aufgestoßen. Gerade in der Blogosphäre ging es hoch her, nicht wenige haben aus Protest gegen die Zensur ihren Account bei Flickr gelöscht.

Interessant ist auch, in welche Gesellschaft Deutschland durch diese Maßnahme von Flickr gebracht wurde. Denn außer in Deutschland zensiert sich Flickr nur noch in Korea, Hong Kong und Singapur – alles keine Länder bzw. Sonderwirtschaftszonen, die für ihre übergroße Meinungsfreiheit und -vielfalt bekannt sind.

Flickr begründet die Zensur im Übrigen mit den deutschen Vorschriften zum Jugendschutz.

Neue Entwicklungen

Seit heute (21. Juni 2007) scheinen die meisten (oder sogar alle?) Bilder bei Flickr auch für deutsche Nutzer wieder zugänglich zu sein. In den Optionen für den eigenen Account kann man nun einstellen, dass man Bilder jedweder Einstufung sehen möchte, und auch in den Suchergebnisse nach einschlägigen Begriffen finden sich wieder die erwarteten Fotos.

Ich will alles sehen!

Besonders schön ist aber noch folgendes Verhalten. Wenn man im Begriff ist, ein nicht ganz jugendfreies Bild anzusehen, wird man noch einmal explizit darauf hingewiesen, dass es sich um ein solches Bild handelt.

Flickr fragt mich brav, ob ich dieses schlimme Foto wirklich sehen möchte. Die Antwort ist ganz klar: Ja, natürlich!

So stelle ich mir das schon etwas eher vor, über eine solche vorgeschaltete Seite kann man sich tatsächlich unterhalten. Ich persönlich würde dennoch darauf verzichten, aber hier hat nun wirklich jeder die freie Entscheidung. Ich klicke natürlich auf YES (warum eigentlich nicht JA, wenn doch sonst auch alles auf Deutsch ist?) – schließlich will ich endlich wieder nackte Haut sehen … :-)

Wesentlich interessanter noch – und damit kommen wir zu Pointe – ist dann das, was Flickr über dem angeblich schlimmen Foto anzeigt.

Ich will zu den Kätzchen!

Oberhalb des Bildes wird man also noch einmal darauf hingewiesen, dass es sich bei der betrachteten Abbildung um ein böses Foto handelt, dass nur knapp der Zensur durch Flickr entgangen ist. Und – was besonders schön ist – man kann vor diesem Bild auch flüchten:

Ich will zu den Kätzchen, die Zensur von Flickr ist gut für mich!

Sigmar Gabriel will nicht zu den Nutten, aber ich will zu den Kätzchen. Köstlich!

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2 Reaktionen zu “Flickr: Ich will zu den Kätzchen”

  1. Roberto

    Ich bin hin und weg von der “Kätzchen” Geschichte…unsere Meinung dazu:
    http://blog.autoki.com/2007/06/20/probleme-mit-deinem-flickr-account/

    bis denne, Roberto

  2. ksteffen38

    Leider ist es bis heute bei Flickr so,das bei deutschen Nutzer immer noch keine “restricted” Bilder angezeigt werden.Also, alle mit einer deutschen Yahoo-Emailadresse werden bis jetzt noch zensiert.Mit einer ausländischen Yahoo-Emailadresse geht es bis jetzt aus Deutschland noch,das man damit alle Bilder sieht.

    Gruß Steffen.

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