Hessen nach der Wahl: Beck und Ypsilanti schrödern

Nach der Wahl ist vor der Koalitionsverhandlung, das ist in Politikerkreisen eine Binsenweisheit. Nach der gestrigen Wahl in Hessen ist vor allem eines klar: Einfach wird das nicht, das mit der Koalitionsfindung.

Und einfacher wird es vor allem auch deshalb nicht, weil die Genossen von der SPD um Kurt Beck und Andrea Ypsilanti wieder ihr Lieblingsspiel spielen: Sie schrödern.

Genau so, wie es der Ex-Kanzler, Putinfreund und jetzige Gazprom-Aufseher Gerhard Schröder 2005 nach der Bundestagswahl mit Angela Merkel bunt getrieben hat, genau so machen es nun auch Beck und Ypsilanti mit Roland Koch. Damals polterte Schröder, Merkel werde keine stabile Mehrheit im Bundestag organisiert bekommen, da sei die SPD vor. Der SPD gebühre es, den Bundeskanzler zu stellen.

Gut, Schröder schien einen im Tee gehabt zu haben, das war jedenfalls einhellige Meinung der anderen Teilnehmer an jener denkwürdigen Runde.

Beck und Ypsilanti machen es nun ein paar Takte leiser, etwas anständiger, aber in der Sache auch nicht wirklich besser: Die Genossen (und natürlich auch die Genossinnen) scheinen ernsthaft zu glauben, Andrea Ypsilanti als Ministerpräsidentin installieren zu können, ohne sich mit der Linkspartei – auf welche Weise auch immer – einzulassen. Dass unter normalen Gegebenheiten die Regierungsbildung – jedenfalls zunächst einmal – dem Führer der stärksten Partei obliegt, das haben die beiden Oberlinken wohl verdrängt.

Und auch wenn es nur gute 3600 Stimmen sind, die Roland Koch in Hessen vor der SPD liegt: Was macht das schon? 2002 hat Gerhard Schröder mit gerade einmal 6000 Stimmen bundesweitem Vorsprung das Bundeskanzleramt verteidigt.

Andrea Ypsilanti muss man sagen, dass es leider nicht darum geht, wer am meisten Stimmen dazugewinnt (das wäre – gemessen am Ergebnis der letzten Wahl – die Linkspartei gewesen), sondern wer tatsächlich am meisten Stimmen hat.

Und das ist Roland Koch.

Sollte sich die hässliche hessische SPD-Spitzenkandidatin aber doch dazu hinreißen lassen, ein formelles oder informelles Bündnis mit den Linken einzugehen, wird das zum Sündenfall für die SPD: Konnte man die Bündnisse in Ostdeutschland noch mit den besonderen Verhältnissen im Osten, mit der Unbelehrbarkeit der Ewiggestrigen erklären und entschuldigen, so wäre ein Bündnis mit den Ganzganzlinken in einem westdeutschen Bundesland die Katastrophe.

Denn dass die SPD es nicht schafft, die Linkspartei links zu überholen, ihr quasi die Wähler abzugraben, dass haben Ypsilanti und Konsorten gerade eindrucksvoll bewiesen. Selbst mit einem äußerst linken und selbst für viele Stammwähler kaum noch tragbaren Wahlprogramm konnte Ypsilanti weder verhindern, dass die Linken ins Parlament einziehen, noch die SPD zur stärksten Kraft machen. Die SPD wird sich – sollte sie sich mit den Linken verbünden – zwischen dem bürgerlichen Lager und den Linken aufgerieben.

Was nun in Hessen passiert, ist spannend. Die Auswirkungen aber reichen weit über die Landesgrenzen hinaus – die Bundestagswahl 2009 lässt schon einmal grüßen.

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3 Reaktionen zu “Hessen nach der Wahl: Beck und Ypsilanti schrödern”

  1. Rayson

    Ich mag deine Analyse, wo sie sachlich ist.

    Aber dass bei Frauen plötzlich Schönheitsvorstellungen ins Spiel kommen, halte ich für deiner unwürdig. Ypsilanti ist bestimmt nicht hässlicher als Koch.

  2. Martin Eisenhardt

    Das hessische hässliche Wortspiel würde ich genauso auf Roland Koch anwenden, da war nichts Persönliches bei.

  3. R.A.

    So mal nebenbei: Der “Wahlsieg” von Ypsilanti ist ein solcher nur durch den epochenhaft schlechten Ausgangspunkt der Wahl 2003.

    De facto hat sie aber nicht einmal die SPD-Verluste der letzten Wahl wieder ausgleichen können und damit das zweitschlechteste Ergebnis seit dem Bestehen des Bundeslands eingefahren.

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