Neocon gefrühstückt?
Ganz in Analogie zum beliebten Montagmorgen-Spruch:
Wohl ‘nen Clown gefrühstückt?
wenn jemand besonders wohlgelaunt die neue Arbeitswoche beginnt, frage ich mich gerade, ob in der Spiegel-Online-Redaktion vielleicht einen Neocon zum Frühstück hatte. Wie sonst kann man sich erklären, dass der Artikel »Deutschland in der Sozial-Falle« von Wolfgang Kaden es gestern bis auf die Startseite des SPON geschafft hat?
Ein paar Auszüge gefällig:
Derzeit ist Deutschland dabei, all die Reformrenditen wieder zu verspielen, die es sich in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts höchst mühsam erarbeitet hat (und die ja auch nur ein Anfang sein konnten). Zwei Jahre mit einigermaßen zufriedenstellenden Wirtschaftsdaten – schon wiegen sich die Deutschen wieder in der Illusion, sie könnten die neue internationale Wettbewerbsszenerie mit Nichtachtung strafen.
[ Quelle: SPON ]
Stimmt.
Wie schon in den Neunzigern lebt Deutschland nach dem wenig bewährten Grundsatz, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Es darf eben nicht sein, dass auch auf ältere Arbeitslose Druck ausgeübt wird, sich einen neuen Job zu suchen. Es darf nicht sein, dass die Einkommen über Jahre hinweg stagnieren, womöglich gar sinken. Es darf nicht sein, dass eine Friseurin in Sachsen nur 4,50 Euro in der Stunde verdient.
[ Quelle: SPON ]
Stimmt.
Darf es vielleicht auch nicht, entspricht nicht dem Gerechtigkeitsgefühl vieler in diesem Lande. Doch das Wünschbare ist das Eine, ökonomische Vernunft und Realität sind das Andere. Und wir sind derzeit munter dabei, Meisterwerke der wirtschaftlichen Unvernunft zu bauen.
[ Quelle: SPON ]
Stimmt schon wieder, und das waren jetzt frei aufeinanderfolgende Absätze des Artikels.
Der Autor Wolfgang Kaden schießt danach noch ein bisschen gegen die unsinnige Verlängerung des Arbeitslosengeld I für Ältere (siehe auch hier) und Mindestlöhne und analysiert auch sonst, was momentan so alles schief läuft.
Das blöde ist nur: Auch die Liberalen bekommen (offenbar zu Recht!) ihr Fett weg. Sie scheinen sich für die Bürgerschaftswahlen in der Hansestadt Hamburg auf die wirklich wichtigen Themen verlegt zu haben:
Überflüssig hinzuzufügen, dass die Freidemokraten, die in diesen Zeiten doch ein wunderbares Terrain hätten, in die Sphäre des nicht mehr Wahrnehmbaren entschwunden sind. In Hamburg haben die Liberalen übrigens zwei heiße Themen als Wahlkampfhits entdeckt: Sie fechten dafür, dass Raucher in Kneipen wieder rauchen dürfen (“Freie Wahl für Gäste und Wirte”) und dass der in der Hansestadt seit vorigem Jahr geltende Leinenzwang für Hunde wieder abgeschafft wird (“Leinen los. Hunde nicht an Menschen fesseln”). Fürwahr, die FDP weiß, was wichtig ist.
[ Quelle: SPON ]
Na klasse. Körperverletzung durch andere zu dulden ist jetzt liberal, egal ob das jetzt durch Passivrauchen oder Hundebisse passiert.
Ich bin einfach nur noch enttäuscht von der deutschen Parteienlandschaft. Wo man hinsieht, nichts als Populismus.
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Tags: Arbeitslosengeld, FDP, Mindestlohn, Spiegel Online, SPON







