Bankenkrise, Subprimes & Peer Steinbrück

Peer Steinbrück fordert Verständnis, und zwar von Bankmanagern. So jedenfalls könnte man einen Teil einer Rede verstehen, die gestern in Ausschnitten im ZDF bei »Frontal 21« zu sehen war. In dem Beitrag ging es um die Subprime-Krise und deren Übergreifen auf die deutsche Kreditwirtschaft.

Viele Kreditinstitute in Deutschland scheinen sich nicht nur etwas verspekuliert zu haben, als sie milliardenschwere Investments in derivative Finanzprodukte aus den USA getätigt haben, die auf oftmals faulen Immobilienkrediten basieren.

Das jahrelang wohl zu niedrige Zinsniveau in den USA hat dazu geführt, dass sich viele Amerikaner per Kredit Immobilien zugelegt haben, deren Hypotheken sie nun nicht mehr bedienen können. Diesen faulen Kredite mischen Finanzexperten mit nicht ganz so faulen Kreditrisiken und verkaufen das ganze als große Investmentpakete mit ordentlichem Abschlag an institutionelle Investoren.

Das ganze funktioniert allerdings nur so lange, wie nicht zu viele der Kredite ausfallen – und momentan ist diese Ausfallrate etwas zu hoch, was zu den bekannten Abschreibungsbedarfen bei den Banken und Versicherungen geführt hat. Jahrelang waren diese Finanzprodukte eine der Haupteinnahmequelle für viele Kreditinstitute in der B-Liga, also etwa die Sachsen LB, die IKB und ähnlich gelagerte Fälle. Nun stehen diese Institute vor dem Ruin bzw. haben ganz erheblich Probleme.

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Der kritisiert nun, dass die Bankenvorstände die derivativen Finanzprodukte, die da aus den USA angekauft würde, sowie darauf aufbauende Finanzprodukte aus dem eigenen Bankhaus oftmals nicht mehr verstehen. Steinbrück führt die aktuelle Bankenkrise auch darauf zurück.

Ich frage mich nun: In welchem Unternehmen oberhalb einer gewissen Größe versteht der Firmenvorstand tatsächlich die von diesem Unternehmen hergestellten bzw. gehandelten Produkte? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Siemens-Vorstandssprecher Peter Löscher tatsächlich die Feinheiten einer Dampfturbine erklären kann, und ob er überhaupt das Grundprinzip eines Kernspintomographen verstanden hat, bezweifle ich an dieser Stelle mal ganz stark (und bitte um Korrektur, falls dem anders sein sollte!).

Ähnlich gelagert dürfte der Fall bei BMW, Thyssen, Bayer, General Electric oder Microsoft sein: Die Führungsriege versteht von den Produkten nur recht oberflächlich etwas; sie kennt sich sicherlich mit den Marktgegebenheiten aus, kann Absatzchancen und Preisentwicklungen beurteilen. Technisch aber wird das Verständnis in vielen Fällen äußerst begrenzt sein.

Es ist aber auch völlig unwichtig, ob die Unternehmensführung die Produkte technisch versteht oder nicht. Die Unternehmensführung ist für die langfristige Strategie des Unternehmens zuständig, muss eben Markt- und Entwicklungschancen für das Unternehmen einschätzen können und für eine effiziente Ressourcenallokation im unternehmensweiten Maßstab sorgen.

Aufgabe der Unternehmensführung und der direkt zuarbeitenden Stäbe ist sicherlich auch ein effizientes Risiko-Management. Und genau da dürfte das Problem in den allermeisten nun problematischen Fällen sein. Es wurden große Investments gemacht in Kreditderivate, bei denen man das Aufallrisiko nicht wirklich erkennnen konnte und bei denen wohl auch nicht weiter nachgefragt oder recherchiert wurde, wie die genaue Zusammensetzung der gekauften Kreditrisiken ist. Den zuständigen Managern ist sicherlich ganz warm ums Herz geworden bei dem Gedanken an die vermeintlich zu erzielenden dauerhaften Überrenditen.

Aber wir alle wissen: There ain’t no such thing as a free lunch. Und das gilt natürlich auch hier. Immer dann, wenn sich weit über dem üblichen Marktniveau liegende Renditen erzielen lassen, ist typischerweise auch das mit diesem Investment verbundene Risiko stark erhöht. Das ist auch der Grund, warum sich mit illegalen Aktivitäten viel Geld verdienen lässt: Die Gefahr, erwischt zu werden und einen substantiellen Anteil der eigenen Lebenszeit hinter Gittern zu verbringen, ist bereits eingepreist.

Prinzipiell ist es kein Problem, auch in solche mit einem höheren Risiko verbundenen Chancen zu investieren. Die Betonung liegt aber eben auf dem Wörtchen »auch«. Es kommt auf den Mix an. Man sollte entweder sowohl in risikoreiche als auch in relative sichere Geschäfte investieren, oder aber in komplementäre Risiken – geht das eine Investment den Bach runter, macht man das mit einem erhöhten Gewinn beim anderen wieder wett.

Ein gutes Beispiel ist die Strategie, sowohl in Regenschirme als auch in Bademode zu investieren: Egal, wie das Wetter wird, die Leute werden eines der Produkte kaufen.

Ein solches Vorgehen ist not exactly rocket science und ist seit langer Zeit bekannt. Man hat es hier nur nicht angewandt. Anders ist nicht zu verstehen, wie eine relativ kleine Bank wie die Sachsen LB mit gerade einmal 62 Milliarden Euro Bilanzsumme gleich 26 Milliarden Euro in Subprimes investieren konnte.

Wie gesagt, es ist nicht notwendig, dass der Bankenvorstand die Finanzprodukte und Derivate im Detail versteht. Ein vernünftiges Risikomanagement ist aber unverzichtbar.

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