Früher Start ins Berufsleben
Im »Spiegel Online« können wir lesen:
Festnahme an einer Schule in Bayern: Ein angehender Lehrer kündigte einen Anschlag auf seinen Ausbilder an. Der Referendar hatte für einen praktischen Teil seiner Ausbildung eine schlechte Note bekommen. Der 40-Jährige sitzt in Untersuchungshaft.
[ Quelle: SPON ]
Bin ich eigentlich der einzige, der einen 40-jährigen Referendar für ein bisschen seltsam hält?
Bin ich der einzige, der das auf der anderen Seite gar nicht abwegig findet, wenn man sich mal einige der Lehramtsstudierenden an den Universitäten anguckt? Ich meine, Elite ist halt irgendwie anders …
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Tags: Elite, Lehrer, Schule, Spiegel Online, SPON








Am 2. Februar 2008 um 12:29 Uhr
Joah, hängt ganz davon ab. Manche promovieren, bevor sie sich für das Referendariat entscheiden; manche habilitieren, bevor sie sich fürs Referendariat entscheiden. Andere wiederum sind Quereinsteiger, die wegen des Lehrermangels in bestimmten Fächern aus dem Berufsleben heraus das Referendariat wagen.
Und dann ist es plötzlich gar nicht seltsam, wenn ein Referendar im Einzelfall 40 Jahre alt ist. Aber da Du ja offensichtlich die Fähigkeit elitärer Weitsicht aufweist, hast Du das bestimmt schon geschnallt, bevor Du Deinen Beitrag geschrieben hast.
Apropos “Elite”: Der gute Mann wird von seinen Ausbildern weniger für seine fachlichen Fähigkeiten bewertet als vielmehr für seinen durchgeführten Unterricht und dessen Vorbereitung. Es kann also gut möglich sein, dass die betreffende Person fachlich hervorragend ist, im Unterricht aber kein Bein auf den Boden bekommt. Da kann man dann trotz “Elitesabschluss” durchaus mangelhafte Leistung bringen.
Am 2. Februar 2008 um 12:38 Uhr
der lehrer is mein lehrer… und ich stehe hinter ihm..
er ist der netteste und beste lehrer den man sich wünschen kaannn…
der prüfer is mein klassenlehrer….
der typ hat 3x studiert..in frnakreich,deutschland und in mmarokko
und alles mit 1,.. abgelegt—-
und jetzt bekommt der in der lehrprobe ne 5-.-
volls shice jetz geht der von da schule-.-
alles wegen meinem scheiß mathe lehrer….
Am 2. Februar 2008 um 12:57 Uhr
@Hokey:
Dass man noch promoviert, bevor man ins Berufsleben startet – das kann ich gut nachvollziehen. Aber das ein Lehrer sich habilitiert (so heißt das nämlich!), das halte ich für völligen Unsinn. Warum sollte er das machen? Oder: Warum sollte er sich habilitieren, um dann doch normaler Lehrer (statt Hochschullehrer) zu werden?
Das passt nicht so ganz zusammen.
Einblick in die Zusammensetzung vieler Lehramtsstudiengängen durfte ich übrigens dadurch sammeln, dass ich recht viele Lehramtsstudierende betreuen durfte – und mir sind da nicht nur große Leuchten untergekommen, sondern auch viele, bei denen man sich fragt, wie die sich denn ins Abitur gerettet haben. Und ob man diese Leute nachher auf die eigenen Kindern loslassen möchte.
Das trifft natürlich nicht auf alle zu – es fällt aber auf, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Studierenden in einem Lehramtsstudiengang Mathematik/Informatik/Physik/... und dem entsprechenden Diplomstudiengang gibt – leistungsmäßig und in Bezug auf den Reifegrad.
Und zu Deinem Apropos: Das kann schon sein, dass er fachlich (im Sinne von »in dem Fach, das er unterrichten möchte«) hervorragend ist, das habe ich auch gar nicht beweifelt. Fakt ist aber nun einmal, dass es im Lehrerberuf eben nicht nur auf dieses Fachwissen ankommt, sondern auch auf die pädagogischen und rhetorischen Fähigkeiten. Und da scheint dieser spezifische Lehrer nicht so viel auf dem Kasten zu haben.
Ich denke aber, dass wir beide uns in diesem letzten Punkt recht gut verstehen.
Was mir auffällt an Deinem Kommentar: Da wird wieder ganz reflexartig auf den pösen, pösen Begriff der »Elite« reagiert …
Am 2. Februar 2008 um 13:01 Uhr
@lala:
Unterstellen wir mal, dass es sich tatsächlich um Deinen Lehrer handelt.
Es reicht halt leider nicht, nett zu sein, sondern man muss auch durch entsprechende Leistungen überzeugen. Das mehrfache Studium bringt da auch nichts, wenn es nicht in einen gewaltigen Leistungszuwachs auf fachlichem, pädagogischem und menschlichem Gebiet führt.
Und selbst wenn man das alles außer Acht lässt: Trotz aller verständlicher Frustration wegen der schlechten Bewertung (gegen die man förmlich Einspruch erheben und dieses Ergebnis überprüfen lassen kann) ist eine Reaktion wie die Deines Lehrers unter aller Sau. So jemand ist für den Lehrerberuf absolut ungeeignet – er hat sich einfach nicht im Griff.
Mit dieser Reaktion hat er sich jede Chance, jemals in den öffentlichen Dienst übernommen zu werden, gründlich verbaut.
Erst nachdenken, dann handeln – so habe ich das in der Schule gelernt.
Am 2. Februar 2008 um 13:53 Uhr
Zum Thema Leistung: An meiner Uni haben die Lehrämter vor der Einführung des Bachelor-/Master-Systems dieselben Kurse bei denselben Dozenten belegt, wie die anderen Studenten. Und das bei mehr SWS und der Verpflichtung, mehr Scheine zu machen. Von härteren Prüfungen ganz zu schweigen, denn was die Magister-Leute (ich kann leider nur für den geisteswissenschaftlichen Bereich sprechen) an Prüfungen zu absolvieren hatten, war schlechthin ein Witz. Ich kenne einige, die haben alleine über ein Jahr an ihrer Magisterarbeit gesessen. Was Diplomstudiengänge angeht, kann ich leider kein Urteil fällen.
Zum letzten Punkt: Ich habe keinerlei Problem mit dem Begriff Elite, gleichwohl es darauf ankommt, wie man ihn füllt. Aber da, wo man von Elite spricht, spricht man gleichzeitig immer auch vom Gegenteil – und genau darum geht es in pauschalisierte Form im obigen Beitrag. Dass ich auf Pauschalurteile reflexartig reagiere, das würde ich mir gefallen lassen.
Deinem Hinweis zum Apropos stimme ich zu.
Habilitierte Lehrer sind übrigens durchaus nicht so selten wie man denken mag. Einer sitzt jeden Montag in meinem Fachseminar, ein anderer unterrichtet an meiner Ausbildungsschule. Wenn der Ruf an die Hochschule ausbleibt, geht man eben an die Schule – warum auch nicht?
@Lala
Bei uns in NRW hat übrigens der Fachlehrer nur sehr mittelbar Einfluss auf die Endnote des Referendars, die sich sehr differenziert aus vielen verschiedenen Noten zusammensetzt. Eine einzelne Note wird da gewiss nicht den Ausschlag gegeben haben…
Am 2. Februar 2008 um 14:15 Uhr
@Hokey:
Offenbar gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Geistes- und Naturwissenschaften, was die Lehrerausbildung angeht, oder diese Unterschiede bestehen zwischen Bundesländern oder Universitäten.
Ich könnte jetzt viele lustige Geschichten über Lehramtsstudenten erzählen, möchte mich aber auf eine einzige beschränken.
Für unsere Lehrveranstaltungen haben wir immer eine Liste mit Literatur ausgegeben, unterteilt in »Pflichtliteratur« und »vertiefende Literatur«. Mehr als einmal wurde ich von Lehramtsstudierenden gefragt, ob die Pflichtliteratur tatsächlich zu lesen und für die Prüfung relevant sei.
Wohlgemerkt, es handelte sich dabei üblicherweise um wohldefinierte Auszüge aus Büchern im Umfang von insgesamt etwa 80 Seiten. Das war einigen Lehramtsstudierenden dann offenbar doch zu viel.
Aus meiner zugegebenermaßen subjektiven Sicht bleibe ich aber dennoch dabei, dass sich ein typischer Lehramtsstudiengang (in den von mir zu überblickenden Fächern) oftmals nicht aus den besten Abiturienten eines Jahrgangs zusammensetzt.
Das mag in anderen Bereichen anders sein, ich hoffe und glaube das sogar. Geht man davon aus, dass die grobe Wahl des Studienfaches anhand der eigenen Neigungen getroffen wird, so müssen die geisteswissenschaftlichen Lehramtsstudiengänge nicht mit fachlich ähnlichen Studiengängen konkurrieren, die zu weitaus besser bezahlten Tätigkeiten in Wirtschaft und Industrie qualifizieren.
Insofern kann es also durchaus so sein, dass geisteswissenschaftlich interessierte, gute Abiturienten den Lehrerberuf anstreben, während die eher natur- und ingenieurswissenschaftlich orientierten Mitschüler doch eher dem Ruf des schnöden Mammons in die Wirtschaft folgen und sich demzufolge eher nicht in einen Lehramtsstudiengang immatrikulieren.
Zum Thema habilitierte Lehrer: Soweit ich weiß, berechtigt die Habilitation nicht zum Unterricht an einer öffentlichen Schule; dazu wird das Staatsexamen benötigt. Die Exit-Strategie für Habilitierte ist – soweit ich damit Erfahrung habe – die Wirtschaft bzw. Forschungseinrichtungen, wo man als Dr. habil. Dr. rer. nat. X durchaus auch Karriere machen kann.
Aber auch dies kann wiederum natürlich nur subjektiv gesehen für natur- und ingenieurswissenschaftliche Disziplinen zutreffen.
Am 2. Februar 2008 um 15:02 Uhr
Richtig. Deshalb müssen auch Habilitierte das Referendariat durchlaufen, was bedeutet, dass auch Vierzigjährige Referendare sein können.
Für Geisteswissenschaftler ist es ja durchaus nicht immer leicht, in der freien Wirtschaft unterzukommen.
Wohldefinierte Pflichtlektüre habe ich ich hier noch aus diversen Seminaren herumstehen. 80 Seiten dürften da als eher angenehm empfunden worden sein – aber Geisteswissenschaftler haben ja meist nur das geschriebene Wort.
Allerdings hat die Unterscheidung zwischen Geisteswissenschaftlern und Naturwissenschaftlern hier etwas für sich: Es kommt ja nicht von ungefähr, dass zumeist die Naturwissenschaften in den Schulen schlecht besetzt sind. Wenn die guten Leute in die Wirtschaft gehen, bleiben fürs Lehramt nur Idealisten und andere…
Letzten Montag wurde mir erzählt, dass man hier als neueste “Errungenschaft” für das Lehramt in Mathe nur noch ein zweijähriges Studium benötigt und in Latein keine Abschlussprüfung mehr ablegen muss… da mag dann an Deiner Theorie etwas Wahres dran sein.
Am 2. Februar 2008 um 17:55 Uhr
hmmm…..
ich glaub, dass er die schlechte note wegen seiner sprache nekommen hat…
da er aus marokko stammt…
bei dem war ich so gut wie bei keinem lehrer und wennd mir des nich glaubst das er mein lehrer is dann schau mal des an..
bi n auf dem katharinen gymasium übrigens^^
http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/art599,1820920
Am 2. Februar 2008 um 17:58 Uhr
@ Hokey…
der is aber während dem Unterricht aber echt aufgeregt..
und wenn mal hinten ein lehrer steht is er noch aufgeregter…
kann ich aber verstehen
dass er dann aber sofort ne 5 bekommt-.-