Ute Vogt will türkisch sprechen
... oder eher türkisch sprechen lassen. Sie schlägt vor, an deutschen Schulen Türkisch als zweite Fremdsprache einzuführen. Sie verweist auf die große Bedeutung der Türkei als Handelspartner, die sich in Zukunft sicherlich noch vergrößern wird.
Was ist davon zu halten?
Nicht viel. Schüler sollten auf jeden Fall Englisch als moderne lingua franca lernen, und ich persönlich kann dem Lateinunterricht sehr viel abgewinnen, dort wird nämlich eine gesunde Grundlage für das Erlernen vieler europäischen Sprachen gelegt und die Struktur einer Sprache im Detail erklärt. Wer noch eine dritte Fremdsprache lernen möchte, ist sicherlich mit Französisch oder Spanisch gut bedient.
Ich halte schon den Ansatz in manchen Schulen in der Nähe der deutsch-französischen Grenze, Französisch als erste Fremdsprache zu unterrichten, für grundfalsch. Dies ist eine Geste im Sinne der deutsch-französischen Freundschaft und als solche zu begrüßen. Für die Schüler aber bedeutet dies, dass sie die ungleich wichtigere Sprache Englisch erst spät lernen.
Wenn jetzt aber tatsächlich zunächst Türkisch gelernt werden kann oder soll, dann vergeht man sich damit an den Schülern. Es gibt keinen vernünftigen Grund für einen in Deutschland lebenden Schüler, türkisch zu lernen. Möchte man sich mit Menschen unterhalten, die des Deutschen nicht mächtig sind und deren Muttersprache man nicht beherrscht, dann spricht man Englisch. Das funktioniert in ganz Europa (außer vielleicht in Frankreich
) und in großen Teilen der restlichen Welt.
Auch der Hinweis darauf, dass sich die türkische Wirtschaft stürmisch entwickelt und die Handelsbeziehungen mit der Türkei vertiefen werden, kann nicht als Argument dienen; denn dann müssten man auch Mandarin, Hindi, Russisch und Koreanisch als Fremdsprachen in deutschen Schulen forden, vermutlich mit noch größerer Berechtigung als im Falle des Türkischunterrichts.
Warum also dieser Vorschlag von Ute Vogt?
Ich sage es nicht gerne, aber ich denke, es handelt sich tatsächlich wieder um Klientelpolitik. Der Vorwurf ist nicht neu und wurde schon oft geäußert, er passt aber auch hier: Die SPD und mit ihr Ute Vogt schielen auf die Stimmen türkischstämmiger Wähler und biedern sich mit solchen Vorschlägen in fast unerträglicher Art und Weise bei diesen Neuwählern an. Analog verhält es sich auch bei den immer wieder zu hörenden Forderungen nach einfacherer und schnellerer Einbürgerung für bestimmte Ethnien in Deutschland und für die Herabsetzung der Anforderungen für diese Einbürgerung.
Dass Ute Vogt gleichzeitig mit dem Türkischunterricht auch die doppelte Staatsbürgerschaft fordert, unterstützt diese Wahrnehmung nur noch.
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Tags: Deutschland, Einbürgerung, Europa, Fremdsprache, Klientelpolitik, Muttersprache, Schule, SPD, SPON, Türkei, Ute Vogt








Am 15. Februar 2008 um 12:03 Uhr
Und genau aus diesem Grunde schicke ich meine Kinder auf Privatschulen. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um meine Kinder davor zu bewahren türkisch lernen zu müssen.