Veränderungen

Wie fühlt man sich, wenn man aus dem immer als behütet verspotteten Leben an einer deutschen Universität unversehens in ein Unternehmen eintritt, dass die größten IT-Anwender Deutschlands berät und deren IT-Systeme maßgeblich entwirft und implementiert?

Vieles ist anders, manches ist gleich.

Fangen wir mit dem an, was gleich geblieben ist. Die Fahrt zur Arbeit nervt nach wie vor. Geld ist nicht wirklich die Kompensation, nach der man strebt. Geregelt sind die Arbeitszeiten schon, aber etwas abseits vom 8-Stunden-Tag. Die Kollegen sind nett bis freundschaftlich. Die Informatik ist noch immer das richtige Metier für mich.

Was aber ist anders? Die Fahrt zur Arbeit nervt, ist aber nur noch einmal pro Woche zu absolvieren, meistens im 1.-Klasse-Abteil der Deutschen Bahn, manchmal auch im Flieger. Geld ist nicht die Kompensation, nach der man strebt, aber es ist deutlich mehr geworden, sehr deutlich sogar. Arbeitszeiten? Vorher 50 Stunden, jetzt 50 Stunden. Es gibt mehr Kollegen, und vermutlich spielt Politik und wie man sich mit manch einem (oder einer) stellt eine wesentlich größere Rolle als bisher; lieber erst einmal den Ball flachhalten und schön im Strom mitschwimmen. (Warum kommt mir jetzt Stromberg in den Sinn?)

Die Gimmicks sind besser, angefangen vom auch privat zu nutzenden Diensthandy über das in den eigenen Besitz übergehende MacBook Pro (17”, 4 GB) bis hin zu Betriebsausflügen im gecharterten Flieger nach Mallorca oder auch in den komplett gemieteten Robinson-Club in den Alpen. Familien übrigens eingeschlossen.

Das Arbeiten ist professioneller. Wer Informatiker ist, kümmert sich nicht um Verwaltungsaufgaben, die in den Händen einer Verwaltungsfachkraft (vulgo: Sekretärin) besser aufgehoben sind und dort auch effizienter erledigt werden. Um Reisen kümmere ich mich nicht mehr selbst und muss erst einmal vorschießen, sondern bekomme diese “auf Zuruf” komplett und fix und fertig gebucht.

Pro Quartal ein Fachbuch, das dann mir gehört. Fachzeitschriften, die mir zugestellt werden.

Die Liste ist lang. Die Schlagzahl ist höher, aber man schlägt auch nur noch auf seine eigene Trommel und nicht mehr noch auf ein paar andere, die man gar nicht richtig beherrscht und beherrschen möchte.

Einiges ist natürlich auch weniger toll. Weniger Zeit für zwischenmenschliche Kommunikation während der Arbeitszeit, aber die ist ja auch zum Arbeiten da. Die Themen, an denen man arbeiten möchte, kann man sich nur noch recht begrenzt aussuchen.

Werde ich das für den Rest meines Berufslebens machen? Ich weiß nicht. Ich denke nicht. Mit 40 oder 45 Jahren möchte auch ich vermutlich einmal seßhaft werden. Vielleicht lässt sich das hier in der Firma erreichen. Vielleicht auch nicht.

Vielleicht bekomme ich dann ein passendes Angebot zur Veränderung. Vielleicht aber macht mir dieses Leben aber auch dann noch so viel Spaß, dass ich es gar nicht werde ändern wollen.

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