Protectionism at its best
Schützt mich!
Neben den offensichtlichen Argumenten gegen solchen Aktivismus stellt sich mir vor allem eine Frage: Warum?
Es ist ja nicht so, dass DocMorris und Co. verschreibungspflichtige Medikamente einfach so an jeden verkaufen und verschicken würden. Nein, auch die so genannten Internet-Apotheken prüfen in jedem einzelnen Fall, ob eine entsprechende Verschreibung durch den behandelnden Arzt (das “Rezept”) vorliegt, das Medikament also abgegeben werden darf.
Meines Wissens nach haben zumindest die großen Internet-Apotheken nicht gegen die Verschreibungspflicht und die daraus abgeleiteten Prüf- und Sorgfaltspflichten verstoßen. Aus meiner Sicht heraus wage ich sogar die Behauptung, dass in einem auf Gewinn gerichteten Großunternehmen im Zweifelsfall sogar genauer geprüft wird als in der Dorfapotheke, wo der Apotheker den Patienten kennt und diesem soweit vertraut, dass er ihm keine gefälschte Verschreibung unterjubelt.
Die Begründung der bayrischen Staatsregierung ist denn auch eine andere. Man wolle auf diesem Wege den Verbraucher schützen und ihm bzw. ihr die Möglichkeit geben, sich vor dem Medikamentenkauf noch einmal beraten zu lassen.
Dieses Argument ist – ich kann es nicht anders ausdrücken – kompletter Schwachsinn. Wer ein verschreibungspflichtiges Medikament kaufen möchte, der war davor beim Arzt, der dieses Medikament nach eingehender Untersuchung verschrieben hat. Der Arzt kennt die Krankengeschichte des Patienten, weiß, welche Medikamente er sonst noch so zu sich nimmt (das sollte jedenfalls so sein) und ist zudem sicherlich nicht schlechter ausgebildet, was Fachkunde im Bereich der Medikamente angeht.
Der Apotheker hingegen kennt den Patienten nicht (oder zumindest nicht dessen Krankengeschichte im Detail) und verfügt auch nicht über das medizinische Wissen, welches Medikament bei einer bestimmten Krankheit unter Berücksichtigung patientenspezifischer Eigenheiten am besten wirken und helfen wird.
Allerdings: Der Apotheker hat sehr wohl ein finanzielles Interesse daran, dem Patienten möglichst oft möglichst viele möglichst teure Medikamente zu verkaufen, denn davon lebt er. Dem Arzt hingegen ist es am liebsten, wenn er nichts verschreiben muss, da jede Verschreibung auf das ihm von den Krankenkassen zugebilligte Budget angerechnet werden – Überschreitungen des Budgets gehen zu Lasten des Einkommens des Arztes.
Ich kann auch nicht verstehen, warum ich nach einem Arztbesuch noch mit dem Apotheker diskutieren sollte, welches Medikament nun das beste sei. Da frage ich doch lieber meinen Arzt und nicht meinen Apotheker.
Besonders interessant ist, dass der Internet-Handel mit verschreibungsfreien Medikamenten weiterhin erlaubt sein soll. Gerade da aber haben Apotheker ihre Expertise, denn mit diesen Medikamenten (und anderen Heilmittelchen) beschäftigen sich Ärzte normalerweise nicht allzu intensiv, da frei verkäufliche Medikamente eher für Wehwehchen und nicht für lebensbedrohliche Krankheiten geeignet sind.
Ich kann mir vorstellen, dass meine Sicht auf die Dinge von anderen nicht geteilt wird. Ich kann verstehen, dass manch einer sich eine zweite Meinung einholen möchte, bevor er sich einen potentiell schädlichen Chemie-Cocktail in den Rachen kippt oder auf andere Weise zuführt.
Diese Mitbürger mögen ihre Medikamente weiterhin beim örtlichen Apotheker holen (was ich auch tue) und sich dort beraten lassen.
Daraus ein Verbot für Internet-Apotheken in ihrer heutigen Form abzuleiten, halte ich aber tatsächlich für schwachsinnig. Protektionismus pur, und sonst nichts.
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