99,5 Prozent
Wenn ich höre, dass ein Politiker ein Wahlergebnis von 99,5 Prozent erzielt hat, dann wird mir immer ein bisschen mulmig. Das hört sich immer ein bisschen nach Ostblock, Kommunismus und Wahlfälschung an.
Im aktuellen Fall hingegen können wir davon ausgehen, dass es bei der Wiederwahl von Kurt Beck zum Landesvorsitzenden der SPD in Rheinland-Pfalz alles mit rechten Dingen zuging.
Dennoch dürfte das Ergebnis insbesondere unter dem Eindruck des nur wenig verschleierten Rauswurfs Kurt Becks aus dem Vorstand der Bundes-SPD zustande gekommen sein. Sicherlich, Kurt Beck hat selbst hingeschmissen, kam damit einer Meuterei aber wohl nur um ein paar Stunden oder gar Minuten zuvor.
Ich persönlich gönne Kurt Beck das jetzige Ergebnis. Er mag sich darüber freuen. Er kommt von der Basis und ist, wie er immer wieder betont hat, »nah bei de Leut’«.
Dass das für die Bundespolitik allerdings nicht reicht, dass man dort nicht nur mit dem Bauch und einem fetten Grinsen agieren kann, sondern auch strategisch kluge Entscheidungen treffen muss, dass ist für Kurt Beck dann vermutlich doch ein wenig überraschend gekommen.
Genauso übrigens auch die Erkenntnis, dass Spitzenpositionen in einer Bundespartei auch umkämpft sein können und es Parteifreunde und Genossen gibt, die »Kalif werden möchten anstelle des Kalifen«. Das nennt sich Wettbewerb und war Kurt Beck offenbar fremd.
Wenn ich auf einem Landesparteitag auf Transparenten lese: “Kurt, schön dass Du hier bist”, dann wird mir ein bisschen übel. Das klingt eher nach Kaffee-Kränzchen oder Frühschoppen, nicht aber nach ernsthafter Politik.
Kurt Beck allerdings gefällt das, da passt er hin, da weiß er, wie er agieren soll.
Und deshalb bekommt er dann auch 99,5 Prozent.
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Tags: Kurt Beck, Rheinland-Pfalz, SPD







