Afrika! Afrika!

Wenn man bei einem großen deutschen Konzern arbeitet, dann bringt das neben vielen Unannehmlichkeiten und Problemen – vor allem in Zeiten der Kostenreduktion in der Verwaltung – manchmal auch ein paar Vorteile mit sich. Nun arbeite nicht ich in einem solchen Konzern (dieser Kelch ging an mir vorüber), sondern die beste Ehefrau von allen (Hallo, Ephraim Kishon!), im Ergebnis hingegen bleibt festzustellen: Wir hatten Freikarten für »Afrika! Afrika!« in Nürnberg, und das für die Vorstellung am Samstagabend.

»Afrika! Afrika!« basiert auf Ideen und Skizzen von Andre Heller, so dass für eine gewisse Erwartungshaltung unsererseits gesorgt war. Bei aller Kritik an manchen Projekten von Heller muss man doch konstatieren, dass vieles von dem, was Heller macht, mindestens gehobene Unterhaltung ist, mit teilweise starker Tendenz zur Kunst. Paart man das noch mit dem Reiz des Fremden, mit der Fantasie des geheimnisvollen Kontinents Afrika, dann ist für gespannte Vorfreude gesorgt.

Wir waren also gespannt.

Wer Freikarten hat, muss auch rechtzeitig dasein, um sie abzuholen. Das ist zwar lästig, lässt einem aber auch genügend Zeit, sich die Sache einmal genauer anzusehen.

Zunächst einmal: Von außen sieht das Ganze wie ein Zirkus aus, auch die paar verstreuten Palmen können daran nicht viel ändern. Betritt man aber die Zelte, dann taucht man in das ein, was sich ein Nicht-Afrikaner halt so unter Afrika vorstellt: Schummriges Licht im Zeltinnern, Teppiche, Geräusche wie im Dschungel, Meeresrauschen, tiefe Sitzkissen und anderes mehr. Dass da hemmungslos das eher arabisch geprägte Nordafrika mit seinen Beduinenzelten in der Wüste mit dem Afrika der Subsahara vermischt wird, fällt wohl nur dann auf, wenn man tatsächlich schon einmal etwas über Afrika gelesen hat. Und das im Inneren eines Beduinenzeltes typischerweise auch kein Meeresrauschen zu hören ist (weil das mehr einfach ein bisschen zu weit weg ist), auch das lässt man sich an einem Samstagabend gerne vorgaukeln. Korrekt ist das natürlich dennoch nicht.

Cafe und Restaurant bieten einen Mix aus europäischen Getränken (nein, keine Afri-Cola) und afrikanischen Speisen an. Ich habe zwar nichts gegessen (direkt davor waren die beste Ehefrau von allen und ich beim Italiener), sehr wohl aber einen nett gekühlten deutschen Weißwein genossen. Vom Namen her war der Favorit unter den Speisen für mich ganz eindeutig »Chakalaka« – bislang dachte ich, dass es sich dabei eher um ein lautmalerisches Wort handelt, mit dem der Rhythmus eines mehr oder weniger nervenden schlagerartigen Musikstücks untermalt wird (»A-Chakalaka-Chakalaka-...«). Hier jedoch entpuppte sich Chakalaka als ein »südafrikanischer Gemüseeintopf«, der in meinen Augen allerdings auffällige Ähnlichkeiten mit heimischem grob-geschnittenen Sauerkraut mit ein paar Karotten u.a. aufwies.

Man merkt, der kulinarische Teil hat mich nur mäßig überzeugt.

Ganz anders jedoch dann das, weswegen wir ja eigentlich gekommen waren: Die Show.

Dort wurde in zweimal etwa 70 Minuten Akrobatik vom Feinsten geboten. Wer – wie wir – eher ein Fan des »Menschen-Zirkus« im Gegensatz zum Zirkus mit Tieren ist, der kommt hier voll auf seine Kosten. Da gibt es einfach alles, was moderne Akrobatik und Artistik ausmacht: einen Schlangenmenschen, der sich durch einen Tennisschläger quält, Jongleure, die eine Unzahl von Bällen gleichzeitig in Bewegung halten, menschliche Pyramiden mit vier Etagen, schwierigste ‹bungen an vertikalen Stangen, Clowns, beinahe schuhplattlernde und steppende Tänzer und vieles anderes mehr.

Einiges davon, vor allem die ‹bung an den vertikalen Stangen, hat man so oder so ähnlich schon einmal woanders gesehen, zum Beispiel beim Cirque du Soleil. Das jedoch tut dem großen Spaß beim Zusehen keinen Abbruch.

Auch die Untermalung der Show durch die Live-Band mit gleich drei(!) Sänger(inne)n war angenehm und überzeugte.

Einziger wirklicher Minuspunkt an diesem Abend: Der Eintrittspreis. Wir hatten zwar Freikarten und haben daher nichts gezahlt. Der Wert dieser Karten hingegen war mit €85,- für die zweithöchste Kategorie doch schon recht gesalzen. Eventuell gab es auch deshalb so viele Freikarten für lokale Unternehmen: Allein unter den Kollegen meiner Frau dürften 20+ Freikarten an den Mann (oder die Frau) gebracht worden sein.

Ob wir uns diese Karten zum regulären Preis gekauft hätten, wage ich einmal zu bezweifeln. Ich bin keineswegs der Ansicht, dass Unterhaltung und/oder Kultur zum Nulltarif zu haben sein muss; wer aber unternehmerisch sinnvoll handelt (und das muss man auch in der Kunst!), der wird dennoch einen Preis für sein Produkt oder seine Dienstleistung wählen müssen, bei der das Einkommen maximiert wird. Das muss nicht unbedingt der Preis sein, bei dem alle Plätze ausverkauft sind; wenn jedoch große Teile des Kartenkontigents als Freikarten oder zumindest stark verbilligte Karten abgegeben werden, dann habe ich doch Zweifel, ob da am Ende eine schwarze Null stehen kann.

Fazit: »Afrika! Afrika!« ist eine wirklich sehenswerte Show für alle, die Akrobatik und Artistik lieben. Das Drumherum ist eher touristisch; zu viele Stilelemente aus unterschiedlichen Kulturen werden vermischt, vieles ist einfach nur auf die europäischen Vorstellungen vom schwarzen Kontinent hin zugeschnitten, statt adäquat ein realisitisches Bild von Afrika zu liefern.

Wen das nicht stört, und wer zu einem tieferen Griff in den Geldbeutel bereit ist, für den ist »Afrika! Afrika!« auf jeden Fall eine Empfehlung für einen Abend voll gepflegter Unterhaltung.

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