Biedermann und Brandstifterin

Was soll ich davon halten, wenn zwei Personen des öffentlichen Lebens, zwei Politiker gar (wenn auch nur die eine als solche angesehen wird), mit dem Feuer spielen?

Gemeint sind DGB-Chef Sommer und die mehr als flüssige Schon-wieder-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, Gesine Schwan. Beide warnen vor sozialen Unruhen als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise .

Da stellt sich mir die Frage: Gibt es sie denn, die Revoluzzer, die unter dem Eindruck einer sich immer stärker eintrübenden Konjunktur nur darauf warten, Barrikaden zu errichten und die Internationale zu singen. (Ja, natürlich gibt es sie, aber von Oskar Lafontaine wollen wir jetzt nicht sprechen.)

Ich bezweifele sehr stark, dass es die Gefahr sozialer Unruhen tatsächlich gibt. Was es gibt, und das auch durchaus verständlich, ist Unzufriedenheit mit der persönlichen Situation, mit den Politikern aller Ländern, die zunächst ihre Volkswirtschaften teils sehenden Auges in diese Krise geführt haben und nun dabei sind, mit einem wahren Feuerwerk an neuen Schulden und Vorschriften nicht nur diese, sondern auch kommende Generation über alle Maßen hinaus zu belasten.

Es gibt sicherlich auch Animositäten gegenüber einzelnen Handelnden in Finanz- und Realwirtschaft; ich kann verstehen, dass sich Sparkassen-Kunden schlicht verarscht fühlen, wenn sich herausstellt, dass der ach-so-biedere Sparkassen-Berater ihnen hochriskante Wertpapiere angedreht hat. Wer wäre da nicht sauer.

Das alles aber ist etwas völlig anderes als soziale Unruhen. Soziale Unruhen sehen wir hin und wieder in Frankreich, wenn sich unterpriveligiert fühlende Halbstarke in den Vororten von Paris meinen, Autos anzünden zu müssen.

Wir sehen soziale Unruhen in Ländern der Zweiten und Dritten Welt, in der es einen tatsächlichen Verteilungswettkampf um knappe lebenswichtige Resourcen gibt.

In Deutschland aber gab und gibt es keine sozialen Unruhen, und es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass sich das künftig ändert. Es sei denn, man zählt die am Stammtisch geäußerte Wut auf die Politik bereits als soziale Unruhe – sozusagen als deutsche, weichgespülte Variante of the real thing.

Warum aber spricht zuerst der DGB-Chef über einen möglichen Aufstand, und warum steigt die SPD-Kandidatin für das höchste Amt der Bundesrpublik dann auch noch darauf ein?

Könnte es sein, dass hier jemand recht bewusst mit dem Feuer spielt, dass es diesen beiden durchaus recht sein könnte, wenn sich die Enttäuschung und die Wut vieler von der Krise Betroffener explosiver entladen könnte, als sie es bisher tut?

Falls dem so wäre, dann wäre es unappetitlich und unverantwortlich; man könnte dann wohl nur hoffen, dass eine Revolution nicht nur ihre Kinder, sondern auch ihre Väter und Mütter frisst.

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