Zensursula will Benimmregeln im Internet
Wir leben im Zeitalter der Internetausdrucker – soviel ist ja schon seit einiger Zeit klar. Die Blüten, die das treibt, werden allerdings immer bunter.
Nun fordert Bundesfamilienministerin Zensursula von der Leyen, es möge doch auch im Internet eine Reihe von Verhaltensregeln geben, auf die sich die Nutzer miteinander einigen und die dann auch von allen eingehalten werden. Verstöße gegen diesen Verhaltenskodex sollen dann wohl mit sozialer Ausgrenzung bestraft werden.
Als ich das las, habe ich mich gefragt: Habe ich das nicht schon einmal irgendwo gesehen, gelesen oder gehört?
Ach ja, richtig: Es gibt ja die Netiquette . Und das auch nicht erst seit gestern, sondern schon ziiiiemlich lange. Offensichtlich aber hat Zensursula Probleme, vor einem Anfall von aktionistischer Logorrhoe erst einmal zu recherchieren (bzw. dies von einem Mitarbeiter erledigen zu lassen), ob es so etwas nicht doch schon gibt.
Zugegeben: Es macht sich viel besser, so etwas selbst einzufordern – wenn es dann schon da ist, zeigt das doch, dass die Idee so falsch nicht gewesen sein kann und dass man auch ohne schuldhaftes Zögern sofort gehandelt hat.
Super.
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Tags: Internet, Netiquette, Netzkultur, Zensur, Zensursula








Am 24. Juli 2009 um 20:11 Uhr
Ahoi,
es ist immer schlecht sich auf eine Quelle zu beziehen, die sich auf eine Quelle bezieht. Viel besser wäre es gewesen, wenn du nach dem Artikel in der Rheinischen Post gesucht hättest, denn da steht absolut nichts von “Benimmregeln”, geschweige denn “es möge doch auch im Internet eine Reihe von Verhaltensregeln geben, auf die sich die Nutzer miteinander einigen und die dann auch von allen eingehalten werden”.
Im Interview mit der RP fordert sie lediglich einen Verhaltenskodex für das Internet. In einer Rede fordert sie vor allem, dass Kinder mithilfe con Lehr- (Schulen), Erziehungs- (Eltern) und technischen Mitteln das richtige Verhalten im Internet trainieren.
MfG
Robert
Am 25. Juli 2009 um 12:03 Uhr
Hallo Robert,
danke zunächst einmal dafür, dass Du meine Recherche als »schlecht« bewertest; tatsächlich hatte ich aber das Interview in der RP gelesen. Anstatt aber nur darauf zusetzen, habe ich noch ein bisschen weiter recherchiert und mich in anderen MSM und in der Blogoshpäre umgesehen, welche Deutungen und Meinungen zu Zensursula von der Laiens Aussage es noch gibt.
Und siehe da: Der überwiegende Teil der Kommentatoren kommt – genau wie ich – zu dem Schluss, dass es Zensursula von der Laien um eine Sammlung von »Dos« und »Don’ts« geht; was man also im Internet, speziell im World Wide Web, so alles machen soll oder nicht machen soll.
Das ist ein legitimes Anliegen und findet auch durchaus meine Unterstützung – ich habe lediglich zwei Probleme damit:
Erstens glaube ich nicht, dass die Politik sich darum kümmern sollte, denn die Benimmregeln des Alltags – von “Guten Tag” bis “Vielen Dank” und Türaufhalten – haben ja auch nicht Politiker beschlossen und per Gesetz oder Verordnung für allgemeinverbindlich erklärt.
Zweitens gibt es diese Benimmregeln doch schon längst, eben als die im Blogpost angesprochene Netiquette . Und diese Netiquette verbietet doch schon all die Dinge, die Zensursula in ihrem Interview angesprochen hat. Das sehen andere Kommentatoren genauso wie auch ich (z.B. das Antibürokratieteam).
Damit aber zeigt sie zwei Dinge: Dass sie zum einen vom bösen, bösen Internet gar keine Ahnung hat und auch offenbar niemanden in ihrer Umgebung hat, der sie dahingehend adequat beraten könnte. Und dass sie zum anderen immer wieder gerne populistische Themen aufgreift, um damit Wahlkampf zu machen.
Ich bin sicherlich ein entschiedener Gegner aller politischer Kräfte links der Mitte – Ursula von der Leyen aber ist mir (neben einigen anderen Internetausdruckern in ihrer Partei) höchst suspekt.
Am 25. Juli 2009 um 16:44 Uhr
Wenn du also einen Artikel in der BILD liest, der etwas behauptet, und alle BILDleser behaupten das Gleiche, dann ist es wahr?
Nur weil die Halbe Blogosphäre alles was Zensursula macht schlecht redet, ist es nicht auch so.
Und, die Kommentatoren mögen zu dem Schluss kommen, dass Zensursula eine neue Netiquette erstellen will, aber in ihrer Rede sagt sie etwas völlig anderes. Sie ist Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit, und als “Familienministerin” ist es sehr wohl ihre Aufgabe die Politik für Maßnahmen zu sensibilisieren, die Kinder im täglichen Umgang mit dem Internet schützt.
Sie fordert lediglich, dass Kindern und Jugendlichen das richtig Verhalten im Internet beigebracht wird.
Was die Zukunft bringt wissen wir nicht, aber momentan ist nicht erkennbar ob sie Benimmregeln beschließen will und diese für allgemeingültig erklären will.
Ihr Anliegen ist es nicht dem bösen Internet zu zeigen wo es langgeht, sondern den Kindern zu zeigen wie sie sich im Internet zu verhalten haben.
MfG
Robert
Am 25. Juli 2009 um 21:49 Uhr
Das mit der Bild-»Zeitung« als Analogie vergessen wir mal ganz schnell wieder, gelle? Sonst fühle ich mich doch ein kleines bisschen auf den (momentan nicht getragenen) Schlips getreten.
Wenn Du schreibst:
dann verstehe ich das jetzt irgendwie schon so, dass es um Verhaltensregeln im Internet geht. Immerhin gebraucht selbst Du die beiden Wörter »Internet« und »verhalten« in direktem Sinnzusammenhang.
Und selbst wenn es nicht um die »Netiquette« geht: Eine Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen gegenüber den Gefahren im Internet z.B. wegen Pädophiler, Stalker und anderer zweilichtiger Gestalten ist überaus wünschenswert – und es gibt sie bereits und findet an Kindergärten, Schulen und diversen anderen Angeboten durch die ganze Republik statt.
Auch in diesem Falle hätte Zensursula von der Leyen also das Rad neu erfunden. Aber es sind halt auch Wahlkampfzeiten.
Denkt denn niemand an die Kinder?
Am 27. Juli 2009 um 12:42 Uhr
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