Bitkom, Sony, Microsoft: DRM als »Kerntechnologie« des digitalen Zeitalters

Montag, den 28. April 2008

Die Bitkom ist eine Vereinigung derjenigen Software-Anbieter, die – formulieren wir es mal vorsichtig – die Zeichen der Zeit noch nicht so ganz erkannt haben und es nach wie vor für völlig normal halten, dem Kunden die eigenen Regeln aufzuzwingen. Da wird dann schon einmal Open Source Software als Bedrohung für die Software-Branche erkannt oder aber, wie gerade jetzt, eine eigenwillige Interpretation der Realität als objektive Beschreibung derselben ausgegeben:

Der Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hat anlässlich des von der WIPO ausgerufenen “Welttages des geistigen Eigentums” eine Broschüre zu DRM (Digital Rights Management) veröffentlicht. Mit der 40-Seiten-Broschüre will der Bitkom “dazu beitragen, ein vollständigeres Bild der existierenden DRM-Technologie zu zeichnen und ihre Möglichkeiten darzustellen.”

Musikindustrie: Kreativität und Kontrolle

Dienstag, den 1. Januar 2008

Was habe ich gerade gelacht: Unter dem Titel »EMI dreht Geldhahn weiter zu – Jobabbau droht« verarbeitet SPON offenbar eine Pressemitteilung von EMI, in der dieser Vertrater der Musikindustrie wieder einmal die einbrechenden Umsätze beweint und das natürlich nicht dem eigenen Versagen bei der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells, sondern den pösen »Raubkopierern« anlastet.

Amüsant fand ich besonders Folgendes:

Die Kreativität der Mitarbeiter soll künftig noch stärker kontrolliert werden.

Wie soll denn das gehen? Wird da künftig eine Metrik eingeführt, die aus von den Mitarbeitern geschickten eMails, vorgelegten Memos und ähnlichem einen Kreativitätsindex ableitet? Wird das äußere Erscheinungbild mit einbezogen?

Microsoft und Software-Patente

Montag, den 21. Mai 2007

In einem – wie üblich – exzellenten Beitrag auf seinem Blog argumentiert Mark Shuttlewort, dass sich Microsoft innerhalb weniger Jahre von einem starken Befürworter zu einem scharfen Kritiker von Software-Patenten entwickeln wird.

Shuttleworth sieht den Grund dafür in der Behinderung freier Innovation in der Software-Industrie durch so genannte »strategische Patente« – und diese werden mehr und mehr entweder von Microsofts Wettbewerbern oder aber gar von Investmentfirmen gehalten, die in Intellectual property, kurz IP, investieren und natürlich einen klaren return on investment sehen wollen.

Weitere Schwächen im DRM von HD-DVD

Mittwoch, den 9. Mai 2007

Momentan habe ich ein bisschen das Gefühl, als dürfte jeder mal seine Programmier- und Analysefähigkeiten am DRM der neuen HD-DVD namens AACS testen, und als ob jeder – wirklich jeder! – der das ernsthaft probiert, auch eine neue Lücke findet.

Warum DRM prinzipiell nicht funktionieren kann, darüber habe ich bereits geschrieben. Nun sieht es aber so aus, als ob das DRM von HD-DVD auch noch schlecht implementiert ist, so dass zu den nicht behebbaren konzeptuellen Fehlern auch noch vermeidbare technische Schwächen hinzukommen. Offensichtlich kann diesem neuen Angriff auf das überflüssige und den Kunden seiner Grundrechte beraubende DRM auch nicht über key revocation begegnet werden – eine Technik, die die AACS LA(AACS Licensing Authority) bisher angewandt hat, um komprimierte Schlüssel zurückzurufen und damit zumindest noch nicht erschienene Titel vor ungewolltem Zugriff zu beschützen.

Warum DRM nicht funktionieren kann II

Donnerstag, den 12. April 2007

Nachdem die HD-DVD-Verschlüsselung namens AACS nun bereits zum zweiten Mal geknackt worden ist, also auch in ihrer »verbesserten« Variante mit kostenpflichtigem Schlüsselrückruf bzw. -erneuerung in festen Intervallen, sollte man sich noch einmal kurz die Zeit nehmen, um eine ganz simple Tatsache in eine auch für die Rechteverwerter verständliche Form zu bringen:

DRM ist eine Anwendung der Kryptographie. Kryptographie dient dazu, geheime Informationen von einem Sender über ein unsicheres Medium an einen Empfänger zu übermitteln. Sender und Empfänger sind nicht notwendigerweise verschieden, sie können zeitlich und räumlich getrennt sein, und beide haben vollen Zugriff auf die übermittelte Information.

und

EMI cancelt DRM

Montag, den 2. April 2007

Wie bereits schon vermutet wurde, hat EMI heute mittag auf einer Pressekonferenz in London mitgeteilt, dass es zukünftig bei elektronisch vertriebener Musik zwei Angebote geben wird:

  • Entweder entscheidet sich der Kunde – wie bisher schon – dafür, in Shops wie etwa iTunes die von EMI lizenzierten mit DRM zu beziehen und zahlt dafür – wie bisher – €0,99 pro Song.

Pressefreiheit nach dem Geschmack der Musikindustrie

Dienstag, den 20. Februar 2007

Woran wir uns bereits gewöhnt hatten: Das Anbringen von Hyperlinks auf die Website von AllOfMP3.com ist verboten, da das Angebot von AllOfMP3.com nach Ansicht der viele neue Entwicklungen verschlafenden Musikindustrie und einiger offenbar über das Wesen und die Funktionsweise von Hyperlinks und des World Wide Web schlecht informierten Richter illegal ist. Das Verlinken auf AllOfMP3.com sei dabei das Zugänglichmachen eines offensichtlich illegalen Angebots. Da bin ich zwar deutlich anderer Meinung (wie viele andere auch), aber wie gesagt: Daran hatten wir uns schon fast gewöhnt.

Die NSA-»Hilfe« bei der Entwicklung von Windows

Dienstag, den 16. Januar 2007

Es geistern immer wieder Gerüchte durchs Web, Mitarbeiter der NSA der USA hätten backdoors in diverse Windows-Versionen eingebaut – ob nun mit oder ohne Wissen von Microsoft. Angeblich könne über diese »Generalschlüssel« jeder unter Windows betriebene Rechner ausgespäht werden. Ob es dabei nun um Kriminalitätsbekämpfung, den Krieg gegen den Terror oder aber nur um banale Wirtschaftsspionage (schließlich verwenden – leider – die meisten Firmen und Organisationen Windows, zumindest am Arbeitsplatz) handelt, bleibt dabei allerdings immer Mutmaßung.

Ein netter kleiner Artikel über diese Gerüchte gibt es im Blog »get privacy«.

Internationaler Tag gegen DRM

Dienstag, den 3. Oktober 2006

Am Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober 2006) findet der erste Internationale Tag gegen DRM statt.

Das passt eigentlich gut zusammen: Die Deutschen feiern ihre endgültige Vereinigung in einem gemeinsamen Nationalstaat und die Befreiung eines großen Teils der Bevölkerung von der Diktatur des Sozialismus, und gleichzeitig kann man auch noch gegen die Vereinnahmung durch die Rechteverwerter protestieren, die zum Enststehen von Werken zwar nichts beitragen, gleichwohl aber hinterher über deren Verwertung bestimmen wollen – und zur Zeit leider auch noch können.

Aber das muss ja nicht so bleiben: Der anti-faschistische Schutzwall war ja auch für die Ewigkeit errichtet worden …

Warum DRM nicht funktionieren kann …

Montag, den 3. Juli 2006

Ein sehr guter Blogpost von Yariv befasst sich mit den Gründen, weshalb DRM nicht funktionieren kann . Und er sieht das ganz richtig:

This knowledge came to my mind even without having spent $120,000 for a MBA from a top school. It’s called common sense.

Vielleicht sollte mal bei einigen Rechteverwertern anklopfen und nachprüfen, wie viel common sense diese in Bezug auf DRM (Digital Restriction Management) so aufweisen. Meine Prognose: nahezu gar keinen.