GraSS reloaded

Montag, den 2. April 2007

OK, das SS im Namen unseres großen Nationaldichters (hust!) ist ein alter Hut, allerdings zierte die Kopfbedeckung von Günter Grass für eine gewisse Zeit eben auch ein Totenkopf. Diese Tatsache hat Günter Grass nach dem zweiten Weltkrieg dann geflissentlich verschwiegen, um umso unbelasteter einem jeden nicht-linken Nachkriegspolitiker dessen manchmal tatsächliche, manchmal aber auch nur vermeintliche braune Vergangenheit bzw. Gegenwart unter die Nase zu reiben (igitt!).

Günter Grass hatte immer zu jedem Thema etwas zu sagen, war gleichsam das ungerufene (und oftmals fehlgeleitete) moralische Gewissen einer gewiss nicht mehr faschistischen Republik.

Grass und das Urheberrecht

Montag, den 9. Oktober 2006

Eigentlich hatte ich diesen Artikel Grasses Urheberrecht nennen wollen, aber dieser Titel ist mir schon von mediengerecht weggeschnappt. Was ist also passiert? Gehen wir einigermaßen chronologisch vor:

  • Günter Grass wird geboren und tritt knappe 17 Jahre später als verblendeter Jung-Nazi in die Waffen-SS ein; ob unfreiwillig, wie er inzwischen behauptet, oder doch mit Kalkül, wie die Aussagen des jüngt verstorbenen Joachim Fests nahelegen, wage ich mir nach 60 Jahren nicht zu beurteilen.
  • Der GröFaZ verliert gegen die Alliierten.

Grass schreibt an Karl Schiller

Freitag, den 29. September 2006

Der Spiegel Online berichtet über zwei Briefe des Schriftstellers und ehemaligen Mitglieds der Waffen-SS Günter Grass an den früheren Bundeswirtschaftschaftsminister Karl Schiller. In diesen Briefen fordert das moralische Stehaufmännchen der Nation den Politiker auf, seine NS-Vergangenheit baldmöglichst aufzudecken.

In dem Bericht heißt es u.a.:

Am 15. Juli 1969 schrieb Grass in einem Brief an einstigen SA- und NSDAP-Mitglied Schiller, er wolle ihn “unumwunden bitten, bei nächster Gelegenheit – und zwar in aller Öffentlichkeit – über Ihre politische Vergangenheit während der Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen. Weiter heißt es: “Ich hielte es für gut, wenn Sie sich offen zu Ihrem Irrtum bekennen wollten. Es wäre für Sie eine Erleichterung und gleichfalls für die Öffentlichkeit so etwas wie ein reinigendes Gewitter.”

Die Apologeten des Günter Grass

Mittwoch, den 16. August 2006

Nun geht der Kampf um die Deutungshoheit los: Ist es verwerflich gewesen, dass Günter Grass in der Waffen-SS gedient hat? Darf man unserem Nationalheiligtum Günter Grass vorwerfen, was er in seiner Jugend gemacht hat? Oder, dass er es jahrzehntelang verschwiegen hat?

Es gibt tatsächlich einige Stimmen, die Günter Grass in Schutz nehmen, sowohl unter Bloggern (z.B. Joerch, politikblog, ...) als auch in den Printmedien (z.B. bei der Zeit: Historiker Bernd Wegner über Grass: Skandalöse Reaktion von Seiten der Öffentlichkeit).

So wird angeführt, dass

  • Günter Grass mit 17 Jahren sicherlich noch nicht genau wusste, was er tat bzw. die moralischen Implikationen noch nicht vollständig überblickte;

Kauf mich!

Mittwoch, den 16. August 2006

Günter GraSS kann es nicht laSSen: Nach seiner Beichte, er sei Mitglied der Waffen-SS gewesen, legt er jetzt noch einmal drauf.

Auf die Frage im ZDF Heute Journal gestern abend, warum er denn in die Waffen-SS eingetreten sei und ob seine Beichte jetzt nicht doch ein wenig spät käme, antwortet Günter Grass:

Lesen Sie meine Biographie, da steht alles drin.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daSS Günter Grass jetzt wenigstens finanziell seine Schäfchen ins Trockene bringen möchte, nachdem das mit der Beichte doch eher nach hinten losgegangen ist: Viele Menschen verstehen nämlich nicht, warum Grass jahrzehntelang bei jeder sich bietenden Gelegenheit (und oft brauchte es diese nicht einmal) seine Moral-Polemik herausposaunt hat und dabei offenbar nie die Zeit gefunden hat zu erwähnen, daSS er aus Erfahrung spricht.

Voll Grass …

Montag, den 14. August 2006

... war für mich das Eingeständnis unseres Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass, er sei gegen Kriegsende Mitglied der Waffen-SS gewesen.

Dabei hat mein Entsetzen über diese Enthüllung durchaus mehrere Aspekte:

  • Viele Zeitzeugen – gerade auch deutsche Schriftsteller, also Kollegen von Grass – sagen aus, dass man sich dem Dienst in der Sturmstaffel durchaus hat entziehen können, indem man sich etwa zur “normalen” Wehrmacht gemeldet hat. Der Wahrheitsgehalt der Aussage von Grass, er sei gegen seinen Willen in die Waffen-SS eingezogen worden, obwohl er sich eigentlich zur U-Boot-Waffe gemeldet habe, darf also bezweifelt werden.